Forscher schicken Krebsmedikament gezielt zum richtigen Ort

27. August 2013, 11:39
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Ein potenziell krebshemmender Metallkomplex greift direkt an der passenden Stelle der RNS - so könnten Dosierungen und Nebenwirkungen reduziert werden

Wie gelangt ein Krebsmedikament an die richtige Stelle im Körper, wo es die gewünschte Wirkung entfalten kann? Diesem Ziel sind Forscher vom Institut für Chemie der Universität Zürich näher gekommen. Sie konnten erstmals zeigen, dass ein zylinderförmiger, möglicherweise krebshemmender Metallkomplex eine bestimmte Stelle der Ribonukleinsäure erkennt.

Schlüsselfunktion der RNS

"Die RNS ist der Schlüssel zu unzähligen Prozessen in der lebenden Zelle", sagt Forscher Roland Sigel. Eine wesentliche Funktion der RNS in der Zelle ist die Umsetzung von genetischer Information in Proteine, was sie zu einem interessanten Ziel von medikamentösen Wirkstoffen macht. Eine charakteristische Struktur von RNS-Molekülen ist die sogenannte 3-Wege- oder Y-Gabelung.

"Wir konnten zeigen, dass dieses zylinderförmige Molekül perfekt in solch eine 3-Wege-Gabelung passt und diese dadurch stabilisiert", so die Wissenschafterin Eva Freisinger. Somit konnte erstmals bewiesen werden, dass eine häufige RNS-Struktur, nämlich die 3-Wege-Gabelung, als Erkennkungspunkt für einen konstruierten Metallkomplex dienen kann. 

Neue Möglichkeiten

Die neuen Erkenntnisse bieten großes Potenzial, denn dieser zylinderförmige Metallkomplex besitzt möglicherweise krebshemmende Eigenschaften. Er reduziert die Aktivität der Mitochondrien, hemmt dadurch den Zellzyklus und erhöht die Absterberate der wuchernden Zellen, ohne dabei das Erbgut zu schädigen.

Der Vorteil dieser Präzision: Medikamente, die direkt am Wirkungsort ansetzen, könnten niedriger dosiert werden und hätten dadurch oft weniger Nebenwirkungen. Andere Anwendungen für solche Verbindungen, welche die RNS beeinflussen, sehen die Forscher etwa bei Autoimmunerkrankungen. Auch Resistenzen gegen Wirkstoffe könnten durch dieses System umgangen werden. (APA/red, derStandard.at, 27.8.2013) 

Siriporn Phongtongpasuk, Susann Paulus, Joachim Schnabl, Roland K. O. Sigel, Bernhard Spingler, Michael J. Hannon, and Eva Freisinger. Binding of a Designed Anti-cancer Drug to the Central Cavity of anRNA Three-Way Junction. Angewandte Chemie, Int. Ed. 2013. Doi:10.1002/anie.201305079

  • Stabilisierung einer RNS 3-Wege-Gabelung durch einen zylinderförmigen Metalkomplex. (a) Schematische Darstellung der Bildung einer 3-Wege-Gabelung mithilfe des Zylindermoleküls. (b) Festkörperstruktur der RNS 3-Wege-Gabelung mit dem zentralen Zylinder (grün).
    foto: uzh

    Stabilisierung einer RNS 3-Wege-Gabelung durch einen zylinderförmigen Metalkomplex. (a) Schematische Darstellung der Bildung einer 3-Wege-Gabelung mithilfe des Zylindermoleküls. (b) Festkörperstruktur der RNS 3-Wege-Gabelung mit dem zentralen Zylinder (grün).

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