Grüne wollen an Blauen vorbeiziehen

26. August 2013, 18:18
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15 Prozent zu erreichen, genügt nicht mehr. Jetzt will man auch die Freiheitlichen hinter sich wissen

Wien - Erfolge bei den Landeswahlen, jetzt stabil hohe Umfragedaten, der Lieblingsfeind FPÖ plagt sich mit dem neuen Konkurrenten Frank Stronach ab - für die Grünen scheint es gut zu laufen. Dementsprechend ausgelassen präsentierte sich die Partei beim Wahlkampfauftakt am Montag im Wiener Palmenhaus und baute dort die Vorgaben für den Wahlsonntag kräftig aus.

Galt bisher als Wahlziel, 15 Prozent zu erreichen, werden nun, einen Monat vor der Wahl, die eigenen Erwartungen höhergeschraubt: "Mein Ziel und unser Ziel ist es, bei der Nationalratswahl die FPÖ zu überholen", richtete Eva Glawischnig ihren Zuhörern aus. Was die Grünen von den Blauen halten, formulierte sie deutlich: "Die FPÖ ist eine Partei der politischen Korruption und des Hasses", sagte sie. "Für uns ist eines klar: Die FPÖ darf man nie wieder regieren lassen." Mit den Grünen gebe es die Chance auf einen transparenten und korruptionsfreien Neustart auf Bundesebene. Die Partnersuche dürfte aber schwierig ausfallen, denn: "So wie SPÖ und ÖVP in den letzten Jahren regiert haben, sind sie kein Partner für grüne Politik."

Rot-schwarze Problemfelder

Die Bevölkerung gehöre vor der "Fortsetzung dieser rot-schwarzen Koalition geschützt". Das Warum lieferte Glawischnig gleich mit: Die SPÖ habe ein Problem mit Kontrolle, die ÖVP mit mittlerweile allem. Ob bei den Themen Familie oder Wirtschaft: Die Grünen seien bei der Lebensrealität der Menschen - die ÖVP habe sich hingegen davon weit entfernt. Frustrierte Wähler dieser beiden "Mittelparteien" lud Glawischnig daher auch ein, "ein Stück des Weges gemeinsam mit uns zu gehen".

Sein Fett bekam auch Frank Stronach ab: "Dass sich der Wert eines Menschen nicht nach der Dicke der Brieftasche bemessen lässt, sollte eigentlich klar sein", sagte die Grünen-Chefin, "ich weiß nicht, ob er überhaupt weiß, was eine Kindergärtnerin verdient." Menschen "mit dieser Arroganz zu beleidigen" verlange nach einer Entschuldigung.

Bevor die grüne Bundessprecherin zu Wort kam, übten sich der Kärntner Landesrat Rolf Holub - als Korruptionsjäger geladen - und Vizeparteichef Werner Kogler als Einpeitscher. "Wir haben ein etwas krankes System", erklärte Holub, "aber die Grünen sind das Immunsystem. Wir sind nicht korrupt. Wir haben das Zeug dazu, Österreich zu ändern." Und er sorgte für "Eva! Eva!"-Rufe, als er einen Vergleich mit Deutschland herstellte: "Wenn die sich eine Bundeskanzlerin leisten können, dann können wir das auch."

"Sektenführer" Stronach

Kogler arbeitete sich wiederum an den anderen Parteien ab. Sei es die ÖVP, die "von Raiffeisen geritten" werde und deren einzige Wirtschaftskompetenz die Freunderlwirtschaft sei. Kurz: "Die ÖVP gehört weg aus dem Finanzministerium." Für FPÖ und Team Stronach gab's Spott: Für jeden ehemaligen blauen Minister "brauchen wir drei Korruptionsstaatsanwälte" - Frank Stronach musste sich als "Sektenführer" titulieren lassen. Wie Holub sah auch der Parteivize Glawischnig bereits ganz oben: Angesichts der schlechten Performance von Kanzler Werner Faymann "kann man nur sagen: Glawischnig als Kanzlerin, das wäre allemal besser für die Republik." (Peter Mayr, DER STANDARD, 27.8.2013)

  • Vorfreude bei den Grünen (v. re.): Parteichefin Eva Glawischnig mit Vize Werner Kogler, Maria Vassilakou und Rolf Holub.
    foto: standard/fischer

    Vorfreude bei den Grünen (v. re.): Parteichefin Eva Glawischnig mit Vize Werner Kogler, Maria Vassilakou und Rolf Holub.

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