Etikettenschwindel mit Rum und Brandy

26. August 2013, 17:41
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Kroatien muss manch alteingesessene Marke umbenennen. Der Likörerzeuger Maraska macht aus Rum Room und aus Brandy Bratsky

Zagreb Auf dem Etikett ist eine kubanische Schönheit mit Ohrringen zu sehen. Doch bereits dieser Hauch von Karibik ist irreführend. Denn das Getränk ist aus Dalmatien. Nun, nach dem EU-Beitritt, darf der kroatische Likörproduzent Maraska das Destillat auch nicht mehr "Haus Rum" nennen. Denn als Rum darf nur der originale Rum aus Kuba oder Martinique verkauft werden. Maraska hat sich deshalb einen Witz ausgedacht. Der Rum heißt ab jetzt "Room".

"Wenn man "Room" ausspricht, klingt es wie Rum", erklärte der Marketing-Manager von Maraska, Igor Zupanic, den kroatischen Medien. Das leuchtet ein. Der Brandy von Maraska, der ebenso nicht den Vorgaben eines Brandys entspricht, wurde kurzerhand in "Bratsky" umbenannt. Zupanic verweist darauf, dass man darauf geachtet habe, dass in beiden Fällen der erste und der letzte Buchstabe gleich bleibe. Andere Produzenten hätten aus "Brandy" "Brand" gemacht, aber das habe man bei Maraska nicht gewollt. "Bratsky" erinnert im Kroatischen auch an "bratski", was brüderlich heißt. Maraska hat zudem Aussehen und Etiketten der Getränke nicht geändert, um Verbrauchern den Umstieg vom "Rum" zum "Room" und vom "Brandy" zum "Bratsky" möglichst leicht zu machen, erklärte Zupanic.

Jahrhundertelange Tradition

Tatsächlich hat Likör aus Zadar Tradition. Man trank ihn auf der Titanic, bevor sie unterging und im britischen Königshaus. Maraska ist in einem prunkvollen Gebäude direkt am Hafen von Zadar untergebracht. 1803 bekam Francesco Triole das "herrschaftliche Privileg" aus Wien, mit dem Likör zu handeln und auch den Adler auf die Flasche zu picken. Der Maraschino aus Zadar wurde bis nach St. Petersburg, Stockholm und Istanbul ausgeführt. 1871 ließ Königin Viktoria sogar Kriegsschiffe vom Mittelmeer wegbringen, um den Maraschino heil nach England schiffen zu lassen.

Die Reaktionen der Konsumenten auf den "Room" und den "Bratsky" sind unterschiedlich. Manche finden es lustig, manche glauben, dass sich da jemand verschrieben hat. Das Ganze erinnert ein wenig an das österreichische Unternehmen Holland Blumenmark, das aufgrund einer Klage des Vereins für Konsumenteninformation 1993 das "t" am Ende weglassen musste.

Nicht nur Maraska musste nun seinen "Haus Rum" umbenennen. Nach dem EU-Beitritt von Kroatien am 1. Juli, müssen laut EU-Verordnungen auch jene Produkte umbenannt werden, die bereits mit ähnlichem Namen auf dem EU-Markt existieren, um Konsumenten nicht in die Irre zu führen.

Slowenien beharrt etwa darauf, dass der Wein "Teran/Terrano" ausschließlich im slowenischen Karst von Istrien gedeihen kann, und geht gegen kroatische Produkte mit demselben Namen vor.

Ein weiteres Problem ist der Prosek, ein dalmatinischer Süßwein, der überhaupt nichts mit dem italienischen Prosecco zu tun hat. Trotzdem haben italienische Prosecco-Erzeuger verhindert, dass Kroatien seinen Prosek namentlich schützen kann. Auch die EU ist der Überzeugung, dass sich die Namen zu sehr ähneln. Es wird weiter gestritten.

In Kroatien scherzt man darüber, dass die Europäer offensichtlich angesichts der EU-Regeln doch ziemlich leicht zu verwirren seien. Man hätte doch dann auch Rumänien vor dessen Beitritt bitten müssen, den Namen seines Landes zu ändern, damit die Deutschen sich nicht nach Rom verirren, wenn sie eigentlich nach Bukarest wollen, heißt es. (Adelheid Wölfl aus Zagreb, DER STANDARD, 27.8.2013)

  • Wo Karibik zu sehen ist, muss Karibik drin sein.
    foto: maraska

    Wo Karibik zu sehen ist, muss Karibik drin sein.

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