Wie Dungkäfer den Klimawandel bremsen

26. August 2013, 17:14
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Die Insekten reduzieren die Methanabgabe von Kuhfladen in nicht unbedeutender Weise

Helsinki/Wien - Bei spätsommerlichen Wanderungen sind sie eher störend, insbesondere wenn man in eine von ihnen hineintritt. Wissenschaftlich betrachtet sind Kuhfladen freilich ziemlich interessante Studienobjekte. So enthält eine Flade, die "im Normalfall" einen Durchmesser von rund 30 Zentimetern hat und nass bis zu zwei Kilogramm wiegt, thermisch verwertbare Energie für 0,1 Kilowattstunden Strom.

Das macht man sich in Biogasanlagen zunutze, in denen man Methan gewinnt, das bei der Vergärung der Exkremente unter Sauerstoffabschluss entsteht. Doch nur der wenigste Kuhmist landet in Biogasanlagen. Was wiederum bedeutet, dass "Alpina Kuhfladia" einen nicht vernachlässigbaren Anteil an der Emission von Treibhausgasen und damit am Klimawandel hat.

Nun allerdings fanden finnische Forscher heraus, dass die Abgabe von Methan in nicht unbedeutender Weise von den im Dung lebenden Insekten reduziert wird. Für ihre im Fachblatt PLoS One erschienene Untersuchung sammelte das Team um Tomas Roslin von der Universität Helsinki frische Kuhfladen und platzierte diese in 20 Portionen auf einer normalen Viehweide. In zehn Portionen gaben sie Dungkäfer und maßen dann in den nächsten sieben Wochen die jeweils abgegebenen Mengen an Kohlendioxid, Methan und Lachgas.

Insgesamt produzierten die Kuhfladen hauptsächlich CO2, weniger Methan und nur sehr geringe Mengen an Lachgas. Die Dungkäfer bewirkten durch das Graben von Gängen und die dadurch erfolgte Sauerstoffzufuhr, dass sich die Methanmenge zu Beginn um 80 Prozent verringerte und dafür entsprechend mehr Kohlendioxid entstand, das aber weit weniger zum Klimawandel beiträgt.

Um die Gesamtbilanz und die genauen Auswirkungen auf die Erderwärmung berechnen zu können, müssten noch verschiedene Umwelteinflüsse berücksichtigt werden, so die Forscher. Offensichtlich sei aber, dass der weltweit steigende Fleischkonsum bei gleichzeitig sinkender Artenvielfalt an Dungkäfern den Gesamtausstoß von Treibhausgasen erheblich erhöhen werde. (tasch, DER STANDARD, 27.8.2013)

  • Dungkäfer bohren Gänge in die Fladen und verringern so deren Methanausstoß.
    foto: james k. lindsey

    Dungkäfer bohren Gänge in die Fladen und verringern so deren Methanausstoß.

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