"Splinter Cell: Blacklist": Sam Fishers gelobte Rückkehr zu alten Stärken

27. August 2013, 09:46
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Neuer Teil des Schleich-Shooters soll laut Fachpresse alle Spielertypen ansprechen

"Splinter Cell" gehört – neben der "Thief"-Reihe und "Metal Gear Solid" – zu den Vätern des modernen Schleich-Shooters. Ebenso wie Garrett und Solid Snake hat sich auch Sam Fisher in die Herzen vieler Spieler geschlichen. In "Splinter Cell: Blacklist" von Ubisoft Toronto zieht der akrobatische Agent erneut in den Kampf gegen Bösewichte.

Elimination

"Von einem Balkongeländer hängend, locke ich eine Wache durch Flüstern an", beschreibt IGN-Autor Ryan McCaffrey einen Moment aus dem Spiel. Zeit der Entscheidung: Soll der Gegner mit einer Brandgranate weggefegt, mit Tränengas und Messer erledigt oder "klassisch" mit einer Pistole eliminiert werden.

Als alter Oldschool-Veteran beschließt er sich schließlich, den Widersacher einfach vom Geländer zu werfen. Der Wachmann schlägt am harten Betonboden auf, ohne dass es jemand mitbekommt.

Entscheidungen

Entscheidungsfreiheit ist es demnach, was "Blacklist" zu einem guten Titel machen. Sie soll jene Serienfans zurückgewinnen, die mit dem stark actionlastigen "Conviction" 2010 verärgert wurden. Per "Mark and Execute" konnte Fisher damals bis zu vier Gegner auf einmal ausschalten, ohne dass der Spieler mit seiner Waffe noch zielen musste. Diese Funktion gibt es immer noch, aber nur in seltenen Momenten wird man durch eine schiere Übermacht an Feinden dazu gezwungen, sie auch zu verwenden.

Wem wiederum der Rambo-Ansatz ohnehin besser gefällt, als vorsichtiges, unentdecktes Vorgehen, soll auch dies tun können. Möglich macht dies das Cash-System. Das auf Missionen verdiente Geld kann in Ausrüstung für künftige Einsätze gesteckt werden. Zur Verfügung steht ein breites Arsenal aus tödlichen Hilfsmitteln wie allerlei Schusswaffen und nicht-tödlichen Tools, etwa Schlafgas-Granaten und eine Armbrust mit Betäubungspfeilen, lobt McCaffrey.

Zu großzügig

In diesem System liegt aber auch eine Schwäche. Das Spiel verteilt das Geld derart großzügig, dass die Spieler kaum schwere Entscheidungen treffen müssen. Verdient man über Coop-Einsätze etwas Cash dazu, ist es möglich, sich vollständig für die nächste Mission zu rüsten, ohne auf gefundenes Material angewiesen zu sein. Für Veteranen ist die Singleplayer-Kampagne selbst im höchsten Schwierigkeitsgrad zu leicht.

Gelobt wird die Handlung, die sich mit einer terroristischen Bedrohung der USA beschäftigt und glaubwürdige Bösewichte aufs Tapet bringen soll. Dazu werden Handlungsstränge aus "Conviction" einbezogen, um Fishers Motivation zu verdeutlichen. Auf weniger Begeisterung stößt die Neuinterpretation des Haupthelden, der Anstelle von Michael Ironside nun von Eric Johnson eingesprochen wird. Statt mit sarkastischen Anmerkungen zu glänzen, inszeneirt sich Fisher nun überdeutlich als "Chef" des Agententrupps. Gleichzeitig klingt er zu jung, um den Veteranen mit angegrautem Haar zu repräsentieren.

Zwangloser Coop-Modus

Neben den eigentlichen Story-Missionen bringt "Splinter Cell: Blacklist" auch eine 14 Level lange Coop-Kampagne mit. Nur wenige der Aufträge verlangen aber tatsächlich nach ausgeklügelter Zusammenarbeit der beiden Agenten, die anderen, so der IGN-Autor, fühlen sich mehr wie ein Einzelspieler-Erlebnis an und können tatsächlich auch alleine absolviert werden. Hier kommt der Titel nicht an "Chaos Theory" heran. Auch die Reiteration des "Spies vs. Mercs"-Modus wurde im Vergleich zum Original abgespeckt.

Kritik

Einen Kompromiss aus "Chaos Theory" und "Conviction" sieht auch Arthur Gies von Edge. Er beurteilt ihn allerdings nicht so positiv, wie sein Kollege. Obwohl die Mittel für leises Vorgehen da sind, erlaubt das Level-Design so ein Vorgehen oft nicht. Besonders störend in dieser Hinsicht ist die hohe Anzahl an Gegnern und das "kreativitäts-vermeidende" Speicherpunkt-System.

So soll es passieren, dass man gerade eben durch Schächte klettert, an Gegnern scheitert und anschließend an einem Ort wieder anfängt, welchen man noch gar nicht besichtigt hat – und somit gezwungenermaßen offensiv spielen muss, anstatt die Schleicheinlage zu wiederholen.

Herausforderung ist aber auch das nicht, da Fisher laut Gies eine waffenstarrende "Ein-Mann-Armee" ist und nur besonders mächtige Bösewichte wirklich Schwierigkeiten verursachen. Am Ende ist der Schleichweg, einstiger Quell der "Splinter Cell"-Reihe, die uninteressanteste Option. Am Ende des Spieles ist die Action so explosiv und gewaltig, dass jene Zeiten, in welchen ein einzelner Strahl einer Taschenlampe den Spieler in "Chaos Theory" noch die Luft anhalten ließ, vergessen sind.

Für Genrefans

Auf Metacritic zeigt sich, dass "Splinter Cell: Blacklist" von der Presse großteils positiv empfangen wird. Bis auf wenige Ausnahmen bleiben die ganz hohen Wertungen allerdings aus – gleiches gilt aber auch für den unteren Teil der Skala. Ubisoft Toronto hat versucht, alle Spieler mit dem Werk anzusprechen, was in großen Teilen auch gelungen ist.

Die Herausforderung muss man sich teilweise allerdings selbst schaffen. Für Veteranen dürfte das Spiel zu leicht gestaltet sein. Genrefans sollten aber auf jeden Fall einen Blick riskieren. "Splinter Cell: Blacklist" ist für PC, Wii U, Xbox 360 und PS3 veröffentlicht worden. (gpi, derStandard.at, 27.08.2013)

(Video: "Splinter Cell: Blacklist")

  • Payday 2
Von: Ubisoft
Für: PC, Xbox 360, PS3, Wii U
Ab: 18 Jahren
UVP: 59,99 Euro
    foto: ubisoft

    Payday 2

    Von: Ubisoft

    Für: PC, Xbox 360, PS3, Wii U

    Ab: 18 Jahren

    UVP: 59,99 Euro

  • In "Splinter Cell: Blacklist" kennt Sam Fisher zahlreiche Wege, seinen Gegnern beizukommen. Die meisten Rezensenten sehen einen gelungenen Kompromiss aus "Conviction" und "Chaos Theory".
    foto: ubisoft

    In "Splinter Cell: Blacklist" kennt Sam Fisher zahlreiche Wege, seinen Gegnern beizukommen. Die meisten Rezensenten sehen einen gelungenen Kompromiss aus "Conviction" und "Chaos Theory".

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