Internationale Pressestimmen zum Syrien-Konflikt

Ansichtssache26. August 2013, 09:43
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Internationale Tageszeitungen beschäftigen sich am heutigen Montag mit dem Syrien-Konflikt, in dem ein militärisches Eingreifen des Westens nach dem angeblichen Giftgas-Einsatz durch das Regime immer wahrscheinlicher wird.

"de Volkskrant" (Amsterdam):

"Bereits im Juni waren die Amerikaner zu der Auffassung gelangt, dass der syrische Diktator "in kleinem Maßstab" Giftgas eingesetzt habe. Sollte sich nun erweisen, dass er es wieder getan hat, kann Obama das nicht durchgehen lassen. Denn wenn Assad damit durchkommt, kann das auch jeder andere und amerikanische Drohungen mit Repressalien haben keine Wirkung mehr - mit allen möglichen Folgen für die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen. So ist Obama durch die Logik der Abschreckung gezwungen, etwas zu tun. Doch er ist nicht nur der Hüter der Abschreckung. Der Präsident ist auch jemand, der eine starke Abneigung gegen neue Kriege hat.

 

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"El Pais" (Madrid):

"Großbritannien und Frankreich machen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad für den Giftgaseinsatz verantwortlich und plädieren für einen Militärangriff. Russland und der Iran geben der Opposition die Schuld. Alle Augen sind nun auf US-Präsident Barack Obama gerichtet. Sämtliche Optionen sind schlecht. Der Westen hatte mit einer Intervention zu lange gewartet in der Hoffnung, dass das Regime zusammenbrechen würde. In dem Konflikt stehen sich Assad, der Iran und die Hisbollah-Miliz auf der einen und eine von Islamisten und Al-Kaida-Kämpfern dominierte Allianz auf der anderen Seite gegenüber. Eine militärische Intervention birgt das Risiko, die gesamte Region in Flammen zu setzen. Aber nichts zu tun, würde auch äußerst schlechte Zeichen setzen."

 

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"Corriere della Sera" (Rom):

"Für den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad ist klar, dass Barack Obama wie auch die Europäer befürchten, der Brand in seinem Land könnte sich weiter ausbreiten. Wenn es bis heute keine massive Intervention in Syrien gegeben hat, dann genau wegen dieser Furcht vor regionalen Konsequenzen. Nur ist es jetzt so, dass sich das Feuer durch das Abwarten praktisch von selbst ausgedehnt hat. Die tausend politischen, ethnischen und religiösen Fehden haben dabei wie ein natürlicher Brennstoff gewirkt. Damaskus hätte zwar nicht die Mittel, um einer Intervention standzuhalten. Es kann allerdings dank seiner Verbündeten mit Attentaten von Beirut bis Tel Aviv zuschlagen. Damit zu drohen, die Grenzen des Konfliktes auszuweiten, ist für Damaskus immer die beste Lösung gewesen."

 

3

"Independent" (London):

"Der Premierminister (David Cameron) sollte sich kein Beispiel an (Ex-Premierminister) Tony Blair nehmen. Der hat ernsthaft geglaubt, dass er und die Amerikaner zusammen im Irak die Demokratie einführen könnten, wenn sie den verhassten Diktator (Saddam Hussein) erst beseitigt hätten. Nun wissen wir alle, was im Irak passiert ist. Wenn der Westen aus ähnlichen Beweggründen wie im Irak in Syrien ein neues militärisches Abenteuer eingeht und wenn dadurch womöglich noch größeres Unheil über die Bürger Syriens hereinbricht, dann wird Cameron seinen Teil der Verantwortung dafür übernehmen müssen."

 

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"La Croix" (Paris):

"Es gibt für Syrien mehrere militärische Optionen, doch besteht die große Gefahr, dass der Konflikt eskaliert. Eine offene Intervention des Westens in Syrien würde Russlands Interessen widersprechen. Moskau verteidigt seinen syrischen Verbündeten und (Präsident) Wladimir Putin zögert nicht, den Ruf seines Landes als Großmacht in die Waagschale zu werfen. Die Spannung zwischen dem Wunsch, einzugreifen und dem Gebot der Vorsicht verursacht ein Gefühl des Unbehagens. Papst Franziskus hat die Welt aufgefordert, den Blick nicht von den Massakern und Gräueltaten in Syrien abzuwenden und eine Lösung durch Gespräche zu finden. Die Regierungspolitiker werden in jedem Fall viel Beherrschung und Gelassenheit brauchen." (APA, 26.8.2013)

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