Österreichs erster schwuler Botschafter

25. August 2013, 18:26
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Der Diplomat Johann Spitzer wurde als österreichischer Botschafter in Litauen angelobt

Laut einem Außenministeriumssprecher ist die gleichgeschlechtliche Orientierung des neuen österreichischen Botschafters in Litauen irrelevant. Auch habe Johann Spitzer, der vergangenen Dienstag in der litauischen Hauptstadt Vilnius von Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite empfangen wurde, seine langjährige Männerbeziehung und Verpartnerung "weder geholfen noch geschadet". Der 54-Jährige sei schlicht "der bestgeeignete Bewerber" gewesen. Dass Spitzer aber auch der erste sichtbar homosexuell lebende Mensch ist, der es bis zum Botschafter geschafft hat, entlockt dem Sprecher erst auf Nachfrage eine Reaktion: "Gott sei Dank" sei eine solche Karriere in Österreich jetzt möglich.

Spitzer selbst wundert das mangelnde ministerielle Eigenlob nicht. Im auswärtigen Dienst sei man "tendenziell höflich und diskret", meint er. Die Verhaltenheit zeige aber auch, dass von Normalität noch nicht die Rede sein könne. Zwar würden gleichgeschlechtliche Paare seit Einführung der eingetragenen Partnerschaft 2010 "für das System zumindest existieren". Doch die lange Nicht-Anerkennung ihrer Lebensgemeinschaften wirke nach. Bis 2010 galten Schwule und Lesben rechtlich als alleinstehend, auch wenn sie in Beziehungen lebten. In Spitzers Fall dauerte dieser "kraftraubende Zustand" 20 Jahre. Sein ungarischer Lebenspartner, ein Skandinavist, folgte ihm in aller Offenheit von Land zu Land: an die österreichische Botschaft in Dänemark, zurück nach Wien, dann weiter nach Stockholm.

Da es den Lebenspartner aber offiziell nicht gab, fielen Erleichterungen weg, wie sie Ehegatten von Botschaftsangestellten zukommen. So wurde etwa bei Krankheit die Behandlung im Ausland nicht bezahlt. Um bei Spitzer zumindest krankenmitversichert zu sein, klagten die zwei Männer dies vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ein. 2010 bekamen sie recht. Österreich wurde zu 25.000 Euro Schadenersatz verurteilt. Straßburg ging erstmals von einem "Familienleben" homosexueller Paare aus: eine Neuerung, die im ganzen Europaratsraum anzuwenden ist.

Als Paar gelten Spitzer und sein Lebenspartner jetzt auch in Vilnius, dem ersten Botschafterposten des gebürtigen Oberösterreichers. Doch gerade in Litauen könnte sich das als Herausforderung entpuppen: "Die Stellung der katholischen Kirche ist hier so wichtig wie in Polen", schildert der Diplomat. (Irene Brickner, DER STANDARD, 26.8.2013)

  • Der Diplomat Johann Spitzer wurde in Litauen angelobt.
    foto: president.lt

    Der Diplomat Johann Spitzer wurde in Litauen angelobt.

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