Ascend P6: Huaweis schlankes Android-Flaggschiff im Test

1. September 2013, 18:14
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Gut verarbeitetes Smartphone mit ordentlichem Display, aber auch einigen Schwächen

Selten wird die Einführung eines neuen Smartphones in Österreich mit einem aufwendigen Launch-Event bedacht. Wird der Marktstart nicht einfach nur per Pressemitteilung avisiert, sind einfach gehaltene Pressekonferenzen meist das Höchste der Gefühle. Umso überraschender ist es, wenn ausgerechnet ein eher unbekannter Hersteller Prunk und Promis auffährt, wie es Huawei für das Ascend P6 getan hat. Der WebStandard hat das Phone ausführlich getestet.

Der chinesische Konzern, vor allem bekannt als Netzwerkausrüster und Hersteller von mobilen Modems, bewirbt das Ascend P6 vor allem mit seiner Schlankheit. Mit einem nur 6,18 Millimeter dünnen Gehäuse ist das neue Android-Flaggschiff des Unternehmens das aktuell dünnste Marken-Smartphone der Welt. Trotz des schlanken Maßes verspricht man Performance und Ausdauer. Mobilfunker "Drei", wo es vorerst exklusiv zu haben ist, führt das neue Ascend in seinem "Superphone"-Programm.

Ansprechende Optik und Verarbeitung

Verarbeitungstechnisch kann man Huawei keinen Vorwurf machen. Das Ascend P6 ist rundum gt verarbeitet und darf in Sachen Material und Ästhetik ohne Bedenken in die "Premium"-Klasse eingeordnet werden. Der Aluminum-Rand und das allgemeine Erscheinungsbild führen allerdings dazu, dass manche das Ascend auf den ersten Blick mit einem iPhone verwechseln. Das Ascend liegt gut in der Hand. Die Rückseite sieht zwar glatt aus, ist aber ausreichend rutschfest.

Das Telefon ist aber doch ein Stückchen größer als das Produkt aus dem Hause Apple. 132,7 x 65,5 Millimeter misst die Gorilla-Glass-geschützte Front, auf der ein Display mit einer Diagonale von 4,7 Zoll prangt. Mit einer Auflösung von 1.280 x 720 kommt es auf eine Pixeldichte von 312 ppi und damit angenehm scharfe Darstellung von Text und Bildern.

Tolles Display

"In-Cell" nennt Huawei die verwendete Technologie, die nicht nur die dünne Konstruktion ermöglicht, sondern auch hohe Helligkeit gewährleisten soll. Und in der Tat, auf die Maximalstufe gedreht, leuchtet der Bildschirm beinahe so intensiv wie jener des Oppo Find 5.

Trotz anderslautender Werbebotschaft ist es aber auch nicht gut gegen direkte Sonneneinstrahlung gewappnet. In puncto Farbe und Kontrast kommt es nicht ganz an jenen des HTC One heran, gehört aber trotzdem zu den besten am Markt. Als Extra gibt es einen "Glove-Modus" in welchem der Screen mit Handschuhen bedienbar sein soll.

Eigenbau-Quadcore

Unter der Haube werkt die K3V2-Plattform, die vom Tochterunternehmen HiSilicon entwickelt wurde. Sie bringt einen 1,5 Ghz-Quadcore-Prozessor mit. Als GPU kommt die wenig verbreitete Vivante GC4000 in einer 16-kernigen Ausführung zum Einsatz. Zwei GB Arbeitsspeicher stehen zur Verfügung.

Das Ascend P6 bringt WiFi n-Support, Navigation per GPS, Bluetooth und 3G (HSPA+) mit. LTE-Support sucht man, ebenso wie einen NFC-Chip, vergeblich. Der Onboard-Speicher bietet acht GB für Betriebssystem und Nutzerinhalte, auf der Seite des Handys findet sich neben dem microSIM-Einschub auch ein microSD-Steckplatz zwecks Erweiterung. Der Stecker zum Öffnen der kleinen Schubladen ist clever ins Gehäuse integriert.

Benchmarks

Durchgeführte Benchmarks legen nahe, dass das Ascend P6 leistungsmäßig nicht in die Kategorie Highend, sondern in die obere Mittelklasse einzuordnen ist. Rund 14.400 Punkte werden beim Allround-Benchmark AnTuTu erzielt, was in etwa jenem Wert entspricht, den Samsungs Vorjahresflaggschiff Galaxy S3 erzielt.

Eher schwachbrüstig zeigt sich der Vivante-Grafikchip im Durchlauf mit "Epic Citadel". Der auf der mobilen Unreal Engine 3 basierende Benchmark spuckt eine durchschnittliche Bildwiederholrate von knapp über 30 FPS als Endergebnis aus. Dies bedeutet zwar flüssige Wiedergabe, wirkliche Reserven nach oben gibt es aber nicht.

Bleibt zu hoffen, dass Huawei softwareseitig noch mehr Potenzial aus dem Telefon kitzeln kann, denn auch der HTML5-Performancecheck mit Vellamo verläuft mit 1.250 Zählern nicht gerade glänzend. Dieser Punktestand entspricht in etwa Samsungs Galaxy Nexus.

Performance-Einbrüche und GPS-Schwäche

Die Praxis zählt freilich mehr als durch Software ermittelte Zahlen. Übliche Produktivitäts- und Multimedia-Apps l(E-Mail, Browser, Videoplayer) aufen ohne Murren auf dem Ascend P6, auch aufwändigere Games wie das vorinstallierte "Riptide P" funktionieren. Zwischendurch liefert das Phone jedoch unerklärliche Performanceeinbrüche ab, dann stocken Interface und die gerade nutzte App für einige Momente. Hier sollte firmwareseitig noch nachgebessert werden.

Wenig Freude werden jene Nutzer haben, die auf genaue Navigation angewiesen sind. Das GPS-Modul gehört nicht zu den Stärken des Huawei-Telefons und neigt schon einmal dazu, den Nutzer auf Google Maps hinter den nächsten Häuserblock zu setzen. "Ingress"-Spieler im Speziellen dürften mit dem Gerät nur wenig Freude haben. Diskussionen in verschiedenen Foren legen nahe, dass sich dieses Problem möglicherweise softwareseitig entschärfen lässt.

Durchschnittliche Akkulaufzeit

Trotz der kompakten Form liefert der fix verbaute Lithium-Polymer-Akku immerhin 2.000 mAh. Er gelangt nach zwei Stunden "Ingress" oder am Ende eines Tages durchschnittlicher Nutzung an seine Grenzen. Auch bei großer Beanspruchung wird das Telefon nicht übermäßig warm – ganz im Gegensatz zu anderen kompakten Geräten wie dem HTC One Mini.

Schmerzhafter Verzicht auf App-Drawer

Auf dem Ascend läuft Android in der Version 4.2.2, genutzt wird Huaweis eigene Emotion UI 1.6 als Oberfläche. Diese bringt eine Reihe verschiedene Themes und unterschiedliche Lockscreens mit, und soll so für jeden Geschmack etwas bieten. Trotz einiger umgebauter Menüs funktioniert die Navigation im Grunde wie bei Vanilla-Android.

Ein wesentlicher Punkt stößt jedoch übel auf. Die Emotion UI kennt keinen Appdrawer. Jede neue Anwendung wird also direkt auf dem Homescreen hinterlegt, der insgesamt vier Seiten bietet. Poweruser müssen früher oder später also beginnen, sämtliche Apps in Ordner zusammen zu fassen, um die Ordnung wahren zu können. Welche Idee hinter dem Verzicht auf eine leicht abrufbare Gesamt-Appliste steckt, erschließt sich dem Verfasser dieser Zeilen nicht.

Positiv zu erwähnen ist, dass man anstelle eigener Hardwaretasten die Onscreen-Navigationsbuttons verwendet. Außerdem verfügt das System über ein Tool zum Managen einzelner App-Rechte, das auch meldet, wenn eine App zum ersten Mal Gebrauch von einer kritischen Berechtigung macht.

Kamera

Bleibt noch die Kamera mit ihrer f2.0-Linse und dem acht Megapixel starken Sensor. Auch die Aufnahmequalität ist ein Werbeversprechen, für welches Huawei als Testimonial den Starfotografen Manfred Baumann engagiert hat. Unter guten Lichtbedingungen liefert diese absolut brauchbare Bilder mit ausreichend Details auf nähere Distanz und realitätsgetreuen Farben.

Die App selbst hat ein eher altbackenes Interface, bietet aber ein paar einfache Spielereien zur Verschönerung und Veränderung der Bilder.

Bei wenig Echtlicht wird dieser Eindruck jedoch schnell getrübt, hier spielt die Kamera nur im Mittelmaß mit. Die frontseitige Kamera ist üppig bestückt und liefert fünf Megapixel. Damit werden die Vergleichsgeräte der Konkurrenz in puncto Specs zwar geschlagen, der Qualitätszuwachs durch die höhere Auflösung hält sich aber in Grenzen.

Ordentliche Akustik

Die Qualität der integrierten Lautsprecher ist überdurchschnittlich, sie bringen außerdem ordentliche Lautstärke aufs Tapet. Auch die Akustik beim Telefonieren kann sich hören lassen.

Fazit: Schick, Schlank, aber längst nicht perfekt

Summa summarum hat Huawei ein ordentliches Smartphone produziert, das vor allem mit seinem Display und hochwertiger Verarbeitung glänzen kann. Dazu gesellt sich überdurchschnittliche Performance mit unregelmäßigen, kurzen Einbrüchen.

Die Kamera kann die hohen Versprechen ebenfalls nicht ganz erfüllen. Als wirklich problematisch fielen allerdings die unzuverlässige GPS-Ortung und das fehlen des Appdrawers der Emotion UI auf.

"Drei" führt das Smartphone je nach Tarif ab null Euro. Im freien Handel werden für das Ascend P6 aktuell rund 370 Euro verlangt, was angesichts von Alternativen wie dem flotteren Nexus 4 nur eine eingeschränkte Empfehlung erlaubt. Potenzial für softwareseitige Nachbesserungen ist jedenfalls vorhanden. 

Hinweis: Neuere Firmware verfügbar

Huawei hat am 22. August eine neue Firmware für das Ascend P6 veröffentlicht, eine Berücksichtigung im Test war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Das Update soll unter anderem die GPS-Performance verbessern, die Galerie-App beschleunigen und Probleme mit dem Berechtigungsmanager lösen. Auch die Kamera soll verbessert worden sein, detailierte Angaben fehlen. Neben weiteren Bugfixes wurde auch ein Sicherheitsupdate von Google integriert. Ob und wann die Aktualisierung Over-The-Air ausgespielt wird, hängt von den Mobilfunkern ab. Eine manuelle Installation ist für offene Geräte möglich. (Georg Pichler, derstandard.at, 01.09.2013)


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde dem WebStandard vom Hersteller als Leihstellung übermittel.

  • Mit dem Ascend schickt Huawei ein schlankes und schickes Smartphone ins Rennen um die Gunst der Kunden.
    foto: derstandard.at/pichler

    Mit dem Ascend schickt Huawei ein schlankes und schickes Smartphone ins Rennen um die Gunst der Kunden.

  • Die Rückseite sieht glatt aus, bietet aber genügend Halt.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die Rückseite sieht glatt aus, bietet aber genügend Halt.

  • Die Seitenflächen sind mit Aluminium abgedeckt. Mehrere Personen verwechselten das Gerät auf den ersten Blick mit einem iPhone.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die Seitenflächen sind mit Aluminium abgedeckt. Mehrere Personen verwechselten das Gerät auf den ersten Blick mit einem iPhone.

  • Der Pin zum Öffnen der SIM- und microSD-Schublade ist direkt im Handy verstaut. Ein cleverer Trick, den sich andere Hersteller abschauen sollten.
    foto: derstandard.at/pichler

    Der Pin zum Öffnen der SIM- und microSD-Schublade ist direkt im Handy verstaut. Ein cleverer Trick, den sich andere Hersteller abschauen sollten.

  • Nichts auszusetzen gibt es am angenehm hellen und kontrastreichen Display.
    foto: derstandard.at/pichler

    Nichts auszusetzen gibt es am angenehm hellen und kontrastreichen Display.

  • Unter Tageslicht gelingen mit dem Ascend P6 gute Fotos.
    foto: derstandard.at/pichler

    Unter Tageslicht gelingen mit dem Ascend P6 gute Fotos.

  • In der Nacht werden die Ergebnisse aber ähnlich unscharf und verrauscht, wie bei vielen anderen Geräten.
    foto: derstandard.at/pichler

    In der Nacht werden die Ergebnisse aber ähnlich unscharf und verrauscht, wie bei vielen anderen Geräten.

  • Die Frontkamera liefert fünf Megapixel. Der qualitative Unterschied zu Geräten mit 1,2 bis 2,0 MP ist durchaus zu bemerken, fällt aber nicht besonders groß aus.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die Frontkamera liefert fünf Megapixel. Der qualitative Unterschied zu Geräten mit 1,2 bis 2,0 MP ist durchaus zu bemerken, fällt aber nicht besonders groß aus.

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