Büromöbel: Kein Geschäft zum Zurücklehnen

23. August 2013, 18:32
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Für Büromöbel gelten nach langem Streit neue Ausschreibungskriterien. Davon könnten auch kleine regionale Anbieter profitieren

Wien – Der Zwang, bei Büroausstattung bei dem von der Bundesbeschaffungsagentur (BBG) ausgewählten Anbieter zugreifen zu müssen, ist gelockert. Nach jahrelangem Streit mit der BBG, den Hali Büroböbel entfacht hat, wurden die Ausschreibungskriterien geändert. Die BBG hatte bisher das ausgeschriebene Umsatzvolumen von rund zehn Millionen Euro auf einen Anbieter fixiert, der nicht nur für den Bund, sondern auch für Länder und Gemeinden geliefert hatte. Diese sogenannten Drittkunden waren der Branche ein Dorn im Auge, weil damit zu viel Geschäft durch die BBG blockiert war. "Mehr als 900 Kunden standen bisher auf der Liste", erklärt Hali-Chef Günther Marchtrenker. Damit sei für den Mitbewerb nur wenig Platz geblieben.

Für den Gewinner der BBG-Ausschreibung (zweimal war Bene am Zug, zuletzt Neudörfler) war das freilich ein Vorteil, weil gewisser Umsatz gesichert war.

Bei der aktuellen Ausschreibung, die Anfang September entschieden wird, gelten nun andere Vorgaben. Das Mandat gilt nur noch für den Bund und beträgt rund vier Millionen Euro. Damit ist die laut Marchtrenker "für den Gesamtmarkt zerstörerische Situation" entschärft. Mehrere Male hat Hali – erst im Alleingang, später mit Branchenkollegen – die Vergabekriterien beeinsprucht.

Nun seien gleich mehrere Punkte gütlich gelöst. Erstens sei mit der Vergabe nur für den Bund für den Ausschreibungsgewinner das Volumen besser planbar. Da alle anderen Projekte extra ausgeschrieben werden, kämen in Summe mehrere Anbieter zum Zug. Das fördere auch Regionalbetriebe, sagt Marchtrenker, die bisher ob ihrer meist eingeschränkten Vertriebsmöglichkeiten bei Großausschreibungen kaum mithalten konnten. Bei Hali macht man sich für Ausschreibungen von Gemeinden bereits fit und hat eigene Programme dafür entwickelt.

Lukrativer als im Großvertrag

Bei der BBG war man freilich nicht darüber erfreut, "dass die Branche massiv mit Anwälten gegen uns aufgetreten ist", sagt BBG-Geschäftsführer Hannes Hofer. Der neuen Struktur kann er mittlerweile aber auch Positives abgewinnen. Man habe erkannt, dass bei Ausschreibungen für Einzelprojekte durchaus gute Preise angeboten werden, die lukrativer sein könnten als im Großvertrag.

Die Stärkung der regionalen Wirtschaft hat für Franz Fiedler zudem den Vorteil, "dass die Betriebe höhere Kommunalsteuern abliefern", sagt der ehemalige Präsident des Rechnungshofes und Vorsitzender des Beirats von Transparency International. Jede Ausschreibung berge jedoch die Gefahr der Korruption in sich. "Dazu darf es nicht kommen."

All das zeigt, wie es in der Büromöbelbranche zugeht: Der Markt (Umsatzvolumen 2012: 241 Mio. Euro) ist geprägt von hartem Preiskampf, dem sich im Wesentlichen die großen Anbieter Bene, Hali, Neudörfler, Svoboda, Blaha und Wiesner Hager stellen. Gekämpft haben sie zuletzt, weil aufgrund der Krise Investitionen in neue Büroausstattung in vielen Betrieben zurückgefahren wurden. 2009 etwa brach der Büromöbelmarkt um 23,8 Prozent ein.

Billigimporte aus China

Hinzu kommt, dass die Holzpreise zuletzt gestiegen sind. "Die Teuerung an Kunden weiterzugeben ist in Zeiten der Preissensibilität schwierig", erklärt Marktforscher Andreas Kreutzer von Kreutzer Fischer & Partner. Zudem setzen Billigimporte aus China den Markt unter Druck.

Im Vorjahr gab es hierzulande dennoch eine Wende. Die Branche schaffte ein Umsatzplus von fünf Prozent – was selbst Kenner der Szene überraschte. Getragen wurde dieser Zuwachs vor allem von industrienahen Dienstleistern (plus zehn Prozent) – dazu zählen etwa Anwälte und Berater. "Diese Gruppe ist zwar überschaubar, aber bei der Bürogestaltung weniger preissensibel", sagt Kreutzer. Zudem würde in solchen Büros stark auf Innovationen gesetzt, was den Herstellern Geld bringe.

Beim Thema Innovation gilt der mit der Sanierung kämpfende Hersteller Bene als Vorreiter. "Innovation und Qualität sind jene Kriterien, mit denen man punkten kann", sagt Bene-Chef Rudolf Payer. Es gehe darum, die sich ändernde Arbeitswelt mit Möbellösungen zu begleiten. Immer öfter müssten ganze Prozessabläufe in Büros gestaltet werden. Besprechungsmöglichkeiten mit Lärmdämmung seien in den offen gestalteten Räumlichkeiten etwa immer ein großes Thema.

Mittlerweile soll sich Bene mit den Banken über die Finanzierung geeinigt haben. Der Betrieb soll bis 2016 gesichert sein. Bene selbst bestätigt das bisher nicht.

Der Konzern setzt auf Internationalisierung. "Das stabilisiert das Geschäft", sagt Payer. Man dürfe sich dabei aber nicht verzetteln. Das ist wohl eine Lehre aus den Jahren, in denen Bene versucht hat, in vielen Ländern Fuß zu fassen. Vertriebsstandorte, etwa in Deutschland und Ungarn, werden nun überdacht, Niederlassungen in Ljubljana und Kasachstan wurden geschlossen. Wo sich eigene Standorte nicht lohnen, werde mit lokalen Partnern kooperiert, sagt Payer.

Treue Kunden

Der Konkurrenzkampf habe letztlich zu Preisdumping geführt. "Bei Lieferungen an das BBG bleibt oft kein Deckungsbeitrag. Ob die Vertriebskosten gedeckt sind, ist fraglich", gibt Kreutzer einen Einblick. Die Seriosität abgegebener Angebote gehörte daher stärker geprüft, regt Fiedler an.

Obwohl das Geschäft recht volatil verläuft, gibt es in der Branche auch Stabilität. Diese liegt in der Kundentreue. Nur bei Umzügen komme es vor, dass mitunter ein Anbieterwechsel stattfinde. In der Regel bleiben Hersteller und Abnehmer über Nachlieferverträge ein paar Jahre in Verbindung.

Ein Thema, das die Branche vernachlässige, sei Gesundheit und Ergonomie. Kreutzer: "In Studien wird oft bestätigt, dass ein Unternehmen nur dann Qualitätssteigerungen erreichen kann, wenn das Büro entsprechen gut ausgestattet ist. Im Alltag wird das vergessen, weil das auch eine Kostenfrage ist." Zudem gebe es keinen Anbieter in Österreich, der sich auf diese Bereiche spezialisiert habe.

Getrieben wird die Branche auch von Trends. "Vor zehn Jahren war das große Thema ‚desk sharing', heute werden sogenannte Wellnesszonen für Mitarbeiter gestaltet", sagt Marchtrenker.

Unterschätzt werde Ikea. Der schwedische Möbelriese habe im Bürosegment bereits einen Marktanteil von knapp sechs Prozent, resümiert Kreutzer. Gemessen am Marktanteil ist Ikea damit größer als Blaha. (Bettina Pfluger, DER STANDARD; 24.8.2013)

  • Der Markt ist volatil, die Kunden aber sind überwiegend treu:´Österreichs Büromöbelbranche rittert um Aufträge  im Wert von mehr als 240 Millionen Euro im Jahr
    foto: werksfoto

    Der Markt ist volatil, die Kunden aber sind überwiegend treu:´Österreichs Büromöbelbranche rittert um Aufträge
    im Wert von mehr als 240 Millionen Euro im Jahr

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