Mutiges Sprachrohr der Kulturszene

23. August 2013, 17:33
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Mezzosopranistin Elisabeth Kulman kämpft für faire Gagen

Es ist wohl Zufall: Bei der Styriarte hat Elisabeth Kulman unlängst als Boulotte Offenbachs Ritter Blaubart derb gezähmt. Und nun, in Salzburg, hat sie als schlaue Mrs. Quickly mitgeholfen, Falstaff eine Opernlektion zu erteilen. Nun weist Alexander Pereira, Salzburger Intendant, weder Charakterzüge von Blaubart noch von Falstaff auf. Zweifellos aber wirkt Kulman durch ihr Match mit dem Festivalmanager wie eine mutige Mischung aus Boulotte und Mrs. Quickly.

Dass ihr, schon vor diesem Salzburger Festspielsommer, über die Facebook-Aktion art but fair begonnener Kampf für bessere ökonomische Bedingungen im Kunstbereich auf einen Gagenzwist zwischen ihr und Pereira reduziert wird, muss sie natürlich ärgern.

Die offenbar für viele Sänger zu geringen Ruhezeiten ob eines gedrängten Festspielprogramms 2013 betreffen zwar auch die 1973 in Oberpullendorf geborene Burgenländerin, die in Wien lebt. Als eine der führenden Mezzosopranistinnen der Gegenwart hat sie allerdings nun wirklich kein Gagenproblem. Umso glaubwürdiger ist ihr Versuch, Transparenz zu schaffen, ein Versuch, der auch von Starsopranistin Edita Gruberova unterstützt wird.

Kulman, die Russisch sowie Musikwissenschaft studierte, bevor sie über Chorgesang und die Wiener Volksoper an die Staatsoper kam, kennt natürlich auch die schwierigen Seiten des Berufs: Es dauerte eine Weile, bis sie, zunächst Sopran, das Mezzofach für sich erobern konnte. Und vor zwei Jahren wäre ihre Karriere fast zu Ende gewesen: Bei einer Tristan -Probe in Bochum erhielt Kulman einen heftigen Schlag auf den Kehlkopf, worauf sie für Wochen ihre Stimme verlor. Es galt in dieser Extremsituation, von Neuem das Singen zu erlernen.

Die alte Form ist wieder da, das konnte man mehrfach hören. Kulman ist die tolle, international gefragte, singuläre Sängerdarstellerin, die unter anderem auch am Theater an der Wien an Nikolaus Harnoncourts Mozart-Zyklus mitwirken wird. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Zwist mit Pereira produktiv beendet - und die Diskussion auf die Kulturpolitik gelenkt wird. Deren seit zu vielen Jahren stagnierende Subventionen (ohne Inflationsanpassung) auch bei großen Kulturinstitutionen des Landes erzeugen nämlich jenen Druck mit, den Veranstalter womöglich an Künstler weiterreichen. Die Umlenkung der Diskussion wäre wohl auch in Elisabeth Kulmans Sinn. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 24./25.8.2013)

  • Der Kopf hinter "art but fair": Elisabeth Kulman
    foto: standard / andy urban

    Der Kopf hinter "art but fair": Elisabeth Kulman

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