Aufgetaucht: Stronach-Zahlungen an Grasser

23. August 2013, 17:07
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Ermittler stolpern über eine delikate Geschäftsverbindung und gehen einem Zusammenhang mit der Causa Eurofighter nach

Wien - "Wie mit Herrn Stronach vereinbart", schreibt Karl-Heinz Grasser in seiner Rechnung an die Stronach Consulting mit Sitz in Magna Drive, Aurora, Kanada. Ermittler in den diversen Verfahren rund um den früheren Finanzminister sind kürzlich über eine delikate Geschäftsverbindung gestolpert. Grassers Valuecreation hat im März 2012 44.000 Euro für M&A Consulting verrechnet. Die Abkürzung steht für Merger & Acquisition - zu Deutsch: Fusionen und Übernahmen.

Justiz interessiert

Nun will die Justiz Näheres über die Zahlung wissen, immerhin gelten Stronach und Grasser als wichtige Figuren in der Eurofighter-Affäre. Die von Stronach gegründete Autozuliefergruppe Magna profitierte mit einem Gegengeschäftsvolumen von 300 Millionen Euro vom Schwenk des Ex-Finanzministers und früheren Angestellten hin zum letztlich auch siegreichen EADS-Konsortium. Davor hatte sich der Politiker noch persönlich im bayerischen Eurofighter-Werk über den Stand der Dinge informiert. Unterwegs war er mit dem damaligen Magna-Chef Sigi Wolf im Firmenjet.

Grasser stellt das Entstehen der Rechnung völlig anders dar und weist Zusammenhänge mit Eurofighter zurück. Bei einem Treffen mit Stronach habe er dem Austrokanadier erzählt, dass er Unternehmen auf der Suche nach Investoren berate. Der Neo-Politiker wiederum habe erklärt, immer wieder Veranlagungen in Firmen zu tätigen, und habe Grasser ein Mandat erteilt. Zu einem erfolgreichen Abschluss sei es zwar nie gekommen, räumt der einstige Polit-Star ein, er verweist aber auf rund 15 präsentierte Firmen. Davon seien drei Projekte näher verfolgt worden. Insgesamt sei er, Grasser, ein Jahr mit dem Vorhaben beschäftigt gewesen, versichert er dem STANDARD. Stronach selbst war nicht erreichbar.

Anzeige des Ex-Ministers

Empört ist Grasser indes wegen des Publikwerdens des Abschlussberichts der Finanzbehörden. Darin wird ihm wie berichtet Abgabenbetrug vorgeworfen. "Format" habe den Bericht erhalten, bevor er ihm, Grasser, zugestellt worden sei, klagt er. Das zeige erneut, mit welchen Methoden gegen ihn vorgegangen werde. Grasser sagt, er habe seinen Anwalt Manfred Ainedter beauftragt, eine Anzeige wegen Amtsmissbrauchs auszuarbeiten. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 24.8.2013)

  • Ein Bild aus alten Tagen: Opernball im Jahr 2000.
    foto: standard/cremer

    Ein Bild aus alten Tagen: Opernball im Jahr 2000.

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