Nationalistischer Sänger Thompson tritt wieder in Österreich auf

23. August 2013, 15:20
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Der neofaschistische kroatische Sänger soll in der Pyramide in Vösendorf auftreten

"Bitte nur Symbole aus dem Heimatkrieg von 1991 mitnehmen. Bitte keine historischen Ustaša-Symbole. Nehmen Sie Rücksicht darauf, dass auch Kinder zum Konzert kommen": So steht es in der Facebook-Einladung zum Konzert des kroatischen Popstars Marko Perković alias Thompson am 5. Oktober in Vösendorf bei Wien.

Der Hinweis des Veranstalters ist durchaus berechtigt: Bereits im Jahr 2007 wies das Simon-Wiesenthal-Center darauf hin, dass bei Thompson-Konzerten ultranationalistisches Gedankengut verbreitet werde und "manchmal Verbrechen des faschistischen Ustaša-Regimes verherrlicht werden". Besonders erschreckend sei das auf Konzerten immer wieder zu hörende Lied "Jasenovac i Gradiška stara", das die Verbrechen in den beiden kroatischen Konzentrationslagern des Zweiten Weltkriegs besingt.

In der Schweiz verboten

In Österreich ist Thompson kein Unbekannter. Im Jahr 2008 wurde er vom damaligen Landeshauptmann Jörg Haider persönlich nach Kärnten eingeladen. Das geplante Konzert wurde nach Kritik aus "sicherheitstechnischen Gründen" abgesagt, wie es in der offiziellen Begründung hieß. Knapp ein Jahr später durfte Thompson dann in Wien im stadteigenen Budocenter auftreten.

Im Jahr 2009 wurde Thompson von kroatischen NGOs geklagt, weil er auf einem Konzert in Zagreb einen faschistischen Gruß proklamiert haben soll. Im gleichen Jahr untersagte das Schweizer Bundesamt für Polizei ein geplantes Konzert in Kriens bei Luzern.

"Ora et labora"

Nach vier Jahren Pause geht Thompson nun wieder auf Tournee, um sein neues Album "Ora et labora" zu promoten. Bei den Auftritten gibt sich Thompson laut kroatischen Presseberichten betont gottesfürchtig. Sein Konzert bei der Feier zum "Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit" vor zwei Wochen leitete er mit den Worten ein: "Wir sind Christenmenschen und haben keine Angst vor dem Sterben. Gott hat uns geschickt, um die Welt zu verändern." Die Themen haben sich also mit dem neuen Album nicht geändert, Heimatliebe und die Liebe zur katholischen Kirche werden besungen sowie kämpferische Ansagen gemacht, etwa in dem neuen Song "Nema predaje" (Es gibt keine Kapitulation/Es wird nicht aufgegeben).

Geändert hat sich auch nicht Thompsons Sponser: "Ponosni sponsor" (stolzer Sponsor), wie es auf allen Tourplakaten heißt, ist die Styria-Zeitung "Večernji list". Auf STANDARD-Anfrage heißt es aus von Styria: "Uns ist keine derartige Kooperation bekannt, auch die Plakate nicht. Es wurde bereits vor zwei Jahren entschieden, mit Thompson keine Kooperationen mehr zu machen". Die Pressestelle des Eventhotels Pyramide in Vösendorf hingegen ließ wissen: "Solange das Konzert offiziell genehmigt wurde, ist uns egal, wer auftritt." Im Gemeindeamt Vösendorf hieß es auf derStandard.at-Anfrage, "ein Herr" habe das Konzert ordnungsgemäß angemeldet. Man kenne Thompson zwar nicht, es habe aber nichts gegen eine Genehmigung gesprochen. (Olivera Stajić, daStandard.at, 23.8.2013)

  • Artikelbild
  • Thompson-Fans bei einem Konzert in Čavoglave, Kroatien im August 2007
    foto: ap

    Thompson-Fans bei einem Konzert in Čavoglave, Kroatien im August 2007

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