Mit Kreativität zum besten Fliesenleger der Welt

Interview27. August 2013, 12:59
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Thomas Liebenauer holte sich die Goldene bei der Worldskills-Berufsweltmeisterschaft - "In erster Linie ist es Werbung für mich"

Auch wenn es finanziell nichts gebracht hat, den Titel kann ihm keiner nehmen. Thomas Liebenauer krönte sich bei der Worldskills-Berufsweltmeisterschaft zum Weltmeister im Fliesenlegen, er setzte sich gegen 24 Konkurrenten durch. Im Interview mit derStandard.at spricht der 21-jährige Niederösterreicher über den Weg zum Erfolg und welches Rüstzeug man als Fliesenleger braucht. Die Interviews mit den anderen Gewinnern aus Österreich können Sie hier nachlesen.

derStandard.at: Was bedeutet Ihnen der Titel "Berufsweltmeister"?

Liebenauer: Der Titel hat schon einen besonderen Stellenwert, nicht jeder erreicht das.

derStandard.at: Hat er auch eine finanzielle Dimension, oder ist es "nur" Ruhm und Ehre?

Liebenauer: In erster Linie ist es Werbung für mich.

derStandard.at: Hat Sie Ihr Arbeitgeber beim Erreichen dieses Ziels unterstützt?

Liebenauer: Ja, teilweise habe ich zum Beispiel für das Trainieren frei bekommen, zum Teil habe ich meinen Urlaub verbraucht.

derStandard.at: Hat es nach dem Titel eine Gehaltserhöhung gegeben?

Liebenauer: Nein.

derStandard.at: War die Teilnahme bei den Worldskills ein lange gehegter Traum?

Liebenauer: In der Firma meines Vaters hatten wir schon einmal einen Teilnehmer bei den Worldskills, so ist die Idee entstanden. Ich bin unter dem Motto "Ich habe nichts zu verlieren" zur Staatsmeisterschaft gefahren, habe sie gewonnen und mich so für die Weltmeisterschaft qualifiziert.

derStandard.at: Was war das Ziel? Zumindest eine Medaille?

Liebenauer: Jeder möchte gewinnen, der Konkurrenzkampf ist allerdings sehr hart, weil alle Teilnehmer perfekt vorbereitet sind. Hingefahren bin ich mit dem Ziel, unter die Top Fünf zu kommen.

derStandard.at: Wie ist die Vorbereitung abgelaufen?

Liebenauer: Wir haben am Testprojekt intensiv geübt. Und zwar ein halbes Jahr lang, zweimal in der Woche. Neben dem Projekt selbst hat mich mein Trainer auch auf Stresssituationen vorbereitet, die es bei so einem Wettbewerb einfach gibt.

derStandard.at: Was haben Sie genau machen müssen?

Liebenauer: Wir mussten drei Seiten verfliesen. Zwei an der Wand, eine am Boden. An der ersten Seite war das Brandenburger Tor dreidimensional zu machen, an der zweiten Seite die Außengrenzen von Deutschland in den Flaggenfarben und am Boden dann die Jahreszahl 2013. Eine Seite hatte das Maß von 1,50 mal 1,80 Meter, die Bodenfläche war etwas kleiner. Aufgrund der Rundungen bedeutet das viel Schneidearbeit.

derStandard.at: Welche Kriterien sind bei der Bewertung entscheidend?

Liebenauer: Die Ebenflächigkeit und die Wertung bei den verschiedenen Messpunkten, die zuvor vor den Teilnehmern geheim gehalten wurden. Kontrolliert wird etwa, ob Maße und Winkel mit dem Plan übereinstimmen.

derStandard.at: Irritiert es, wenn einem so viele Besucher beim Arbeiten auf die Finger schauen?

Liebenauer: Wir wurden darauf vorbereitet und haben versucht, es auszublenden. Beim konzentrierten Arbeiten nimmt man das nicht so wahr.

derStandard.at: Wie sind Sie zum Beruf Fliesenleger gekommen?

Liebenauer: Natürlich auch aufgrund des elterlichen Betriebs, von klein auf war der Weg eigentlich vorprogrammiert.

derStandard.at: Welche Fähigkeiten braucht man für den Beruf?

Liebenauer: Kreativität und Genauigkeit sind wichtig, aber auch Teamarbeit, die beispielsweise auf Baustellen notwendig ist. Das sind die entscheidenden Kriterien.

derStandard.at: Wieso spielt Kreativität eine Rolle?

Liebenauer: Man muss in der Lage sein, Kunden etwas erklären zu können. Dass sie sich von einem Plan ein Bild machen können, also ihnen ein Vorstellungsvermögen von der Realität vermitteln.

derStandard.at: Können Sie sich einen Berufswechsel vorstellen?

Liebenauer: Nein, auch deswegen nicht, weil wir zu Hause unsere Firma haben.

derStandard.at: Haben Sie Vorbilder?

Liebenauer: Meinen Vater zum Beispiel, der jetzt schon seit 23 Jahren im Betrieb ist.

derStandard.at: Wie sieht es mit der Meisterprüfung aus?

Liebenauer: Vielleicht beginne ich damit im Winter, wenn ein Platz frei wird. Auf jeden Fall möchte ich sie in den nächsten ein, zwei Jahren machen.

derStandard.at: Wie viel verdient man als Fliesenleger?

Liebenauer: Man kann gutes Geld verdienen, muss sich aber natürlich auch entsprechend engagieren und darf es nicht zu locker laufen lassen. (Oliver Mark, derStandard.at, 27.8.2013)

Thomas Liebenauer (21) kommt aus Zwettl in Niederösterreich. Seine Lehre als Hafner, Platten- und Fliesenleger absolviert er im elterlichen Betrieb Fliesen Liebenauer in Zwettl. Bei der Worldskills-Weltmeisterschaft in Leipzig gewann er die Goldmedaille in der Disziplin Fliesenlegen.

Die Worldskills-Berufsweltmeisterschaft findet alle zwei Jahre statt. Die Qualifikation erfolgt über nationale Ausscheidungen, die Teilnehmer dürfen nicht älter als 22 Jahre sein. In Leipzig waren in den 46 Disziplinen mehr als 1.000 Teilnehmer aus 53 Nationen am Start.

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Worldskills Leipzig 2013

Nachlese: Die Gewinner aus Österreich im Interview

  • Thomas Liebenauer holte sich im Juli in Leipzig den Berufsweltmeistertitel im Fliesenlegen.
    foto: wkö/skillsaustria

    Thomas Liebenauer holte sich im Juli in Leipzig den Berufsweltmeistertitel im Fliesenlegen.

  • Ein Teil der Aufgabe war, das Brandenburger Tor zu fliesen.
    foto: wkö/skillsaustria

    Ein Teil der Aufgabe war, das Brandenburger Tor zu fliesen.

  • Das fertige Werk.
    foto: wkö/skillsaustria

    Das fertige Werk.

  • Die Arbeit musste in 22 Stunden, aufgeteilt auf vier Tage, erledigt werden.
    foto: wkö/skillsaustria

    Die Arbeit musste in 22 Stunden, aufgeteilt auf vier Tage, erledigt werden.

  • Was braucht man für den Beruf? "Kreativität und Genauigkeit sind wichtig, aber auch Teamarbeit."
    foto: wkö/skillsaustria

    Was braucht man für den Beruf? "Kreativität und Genauigkeit sind wichtig, aber auch Teamarbeit."

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