Waldviertel: Zum Taj Mahal an der Thaya

23. August 2013, 16:55
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Das Klinger-Mausoleum und die Ruine Kollmitz machen eine relativ lange Runde im oberen Waldviertel kurzweilig

Die Ruine Kollmitz im oberen Waldviertel ist immer noch beeindruckendes Zeugnis einer einst mächtigen Festung, die den früher wichtigen Weg entlang der Thaya kontrollierte. Ihre Gründung geht auf das 13. Jahrhundert zurück, im 15. Jahrhundert wurde sie ausgebaut und blieb bis zu den Napoleonischen Kriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts intakt. Dann verfiel sie, nicht durch Feindeinwirkung, sondern wegen der Finanzbehörden. Weil ihr Besitzer die hohe Dachsteuer nicht berappen wollte, deckte er die Gebäude ab und leitete dadurch die Verwandlung in eine Ruine ein.

Zum Glück fand sich ein Verein, der seit Jahren die Reste konserviert, das Bauwerk zugänglich macht und sogar ein kleines Museum eingerichtet hat.

Nicht weniger interessant ist die 160 Meter lange Böhmische Mauer, die die Burg vor einer Bedrohung aus dem Norden schützte. Angeblich wurde sie mit des Teufels Hilfe innerhalb einer Woche errichtet. Als Luzifer vergeblich seine Bezahlung einforderte und einen Ritter abholen kam, klammerte sich dieser so fest an die steinerne Umrahmung des Tores, dass die Spuren seiner fünf Finger noch heute zu sehen sind.

Ein Geheimnis umringt das auf einem Steilhang über dem Fluss liegende Klinger-Mausoleum. Die dort bestattete Sybille, Gattin des Barons Hugo Klinger, kam nach einer Liebesaffäre mit dem russischen Exilanten und Großfürsten Cyrill von Orloff unter merkwürdigen Umständen ums Leben. Mitunter wird das Grabmal etwas großspurig als das Taj Mahal des Waldviertels bezeichnet.

Die höchst interessante und abwechslungsreiche Runde bietet keinerlei Probleme, sie ist aber relativ lang und daher etwas anstrengend. Den Umweg zum Klinger-Mausoleum sollte man schon wegen der Ausblicke auf die Thaya nicht auslassen.

Die Wanderroute: In Raabs - am Zusammenfluss von Böhmischer und Deutscher Thaya - wählt man den anfangs am linken Flussufer verlaufenden Weitwanderweg und zweigt später nach Kollmitzdörfl ab, durchquert den kleinen Flecken und erreicht das Klinger-Mausoleum. Gehzeit 1½ Stunden.

Auf einem oberhalb des Steinabbruchs der Thaya liegenden, unmarkierten Weg erreicht man wieder den Weitwanderweg, passiert die Böhmische Mauer und gelangt nach etwa einer halben Stunde zur Ruine Kollmitz.

Es folgt ein kurzer Abstieg nach Kollmitzgraben, dann steigt man auf der wenig befahrenen Straße nach Sauggern auf. Bei einer Kapelle geht es geradeaus weiter. Die Markierung führt in das Seebsbachtal hinunter. Später wechselt man auf die rote Markierung des Weitwanderweges 631, auf der man nach rechts zum Ausgangspunkt Raabs zurückkehrt. Gehzeit ab Ruine Kollmitz 2½ Stunden. (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 24.8.2013)

  • Die Burg Kollmitz ist auch als Ruine beeindruckend.

    Die Burg Kollmitz ist auch als Ruine beeindruckend.

  • Gesamtgehzeit 5 Stunden, Höhendifferenz etwa 250 m. Jausenstation in der Ruine Kollmitz (in der Saison von 11 bis 17 Uhr geöffnet). ÖK25V Blatt 4305-Ost (Drosendorf-Stadt), Maßstab 1:25.000
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 5 Stunden, Höhendifferenz etwa 250 m. Jausenstation in der Ruine Kollmitz (in der Saison von 11 bis 17 Uhr geöffnet). ÖK25V Blatt 4305-Ost (Drosendorf-Stadt), Maßstab 1:25.000

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