"Die 'KTZ' hat damit nichts zu tun"

22. August 2013, 18:17
2 Postings

Anonyme Anzeige gegen Unternehmer, der für "Kärntner Tageszeitung" spricht

Klagenfurt/Wien - Demnächst hat Dietmar Wassermann einen Termin bei Michael Rami. Der Wiener Anwalt vertritt insbesondere in Medienverfahren etwa die Krone und Heute, Rami vertrat auch schon Walter Meischberger.

Der Unternehmer will Rami gegen Medien in Stellung bringen, die einen monatelangen Streit des früheren Eigentümers der "Kärntner Tageszeitung" (KTZ) und jener, die heute dort das Sagen haben, in Zusammenhang mit der Kärntner Tageszeitung nennen. Denn, so betont Wassermann auch Mittwoch auf STANDARD-Anfrage: "Die KTZ hat damit nichts zu tun."

Anlass für den jüngsten Anruf bei Wassermann: Eine anonyme Anzeige gegen ihn wurde laut Anzeigetext an die Staatsanwaltschaften Klagenfurt, Wien und an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft versandt und parallel an den STANDARD, "Die Presse", den "Kurier", die APA und "News". Sie wirft Wassermann, einer Consultingfirma, der die "KTZ" nun gehört, sowie der Kärntner Tageszeitung einen Umgang mit der staatlichen Presseförderung vor, der den Gesetzen widerspreche. Wassermann weist die in der Anzeige genannten Delikte als Unsinn zurück: "Wie soll denn sowas gehen?" Und Wassermann denkt laut darüber nach, selbst eine Finanzprüfung zu beantragen.

Bei der Staatsanwaltschaft Wien ist noch keine solche Anzeige dokumentiert. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft leitete sie mangels Zuständigkeit am 20. August der Staatsanwaltschaft Klagenfurt weiter. Die konnte den Eingang Donnerstag zunächst nicht bestätigen.

Unternehmer Wassermann, der unter anderem E-Zigaretten vermarktet, berichtet dem STANDARD zwar von seinen Gesprächen mit einem Angestellten der KTZ über eine Beendigung des Dienstverhältnisses. Eine formelle Funktion bei der Zeitung steht weder im Impressum noch im Firmenbuch.

Die lang schon zäh laufende Kärntner Tageszeitung gehörte der Kärntner SPÖ. 2010 übernahm sie der Werbeunternehmer Hansjörg Berger über die Firma BB & Partner. Berger holte Wassermann zuhilfe, erst über eine Finanzspritze, dann übernahm die Consultingfirma MS 4 75 Prozent an der BB. 25 gehören noch Hansjörg Berger.

Die MS 4 gehörte 2013 laut Firmenbuch noch Wassermanns Sohn Daniel. Seit 1. Juni 2013 besitzt Martin Staudacher, nach früheren Angaben Bergers ein Mitarbeiter Wassermanns, die MS4.

Berger, der selbst noch für ein Darlehen der BB haftet, stellte wie berichtet im Juni einen Insolvenzantrag gegen die BB. Schon damals betonte Wassermann, der Antrag habe nichts mit der Kärntner Tageszeitung zu tun. Die gehöre nicht mehr der BB, sondern der MS4. Im Firmenbuch wurde dieser Eigentümerwechsel der "KTZ" zur MS4 mit 18. Juli 2013 eingetragen.

Insolvenzantrag

Den Insolvenzantrag gegen die BB beschreibt Wassermann als Versuch, von ihm vermutete Geschäfte Bergers mit der SPÖ "unter den Teppich zu kehren". Wassermann spielt da auf Ermittlungen gegen einen früheren Verlag Bergers und Scheinrechnungen für freiheitliche Politiker an (der Standard berichtete). "Absoluter Blödsinn", sagt Berger zu den SP-Vorwürfen: Sein Insolvenzantrag solle zeigen, dass Vermögenswerte gegen seinen Willen von der BB weggeschafft worden seien.

Laut Alpenländischem Kreditorenverband ergab ein Gutachten, dass die BB nicht überschuldet sei. Ein Verfahren wurde bisher nicht eröffnet.

Bei der BB-Tochterfirma Bezirksjournale hingegen konnten Gläubiger im schon zweiten Konkursverfahren seit 2012 bis Dienstag ihre Forderungen anmelden. Nach Kenntnisstand des Kreditorenverbands wurden rund 600.000 Euro angemeldet, ihre Berechtigung wird ab 3. September im Verfahren geprüft. (fid, DER STANDARD, 23.8.2013)

Nachlese

  • Unternehmer Dietmar Wassermann, hier in der "KTZ".
    foto: faksimile

    Unternehmer Dietmar Wassermann, hier in der "KTZ".

Share if you care.