"Pain & Gain": Die visuelle Feier des dummen Gesichts

22. August 2013, 17:49
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Der Actionspezialist Michael Bay hat mit "Pain & Gain" eine grimmige Farce auf den amerikanischen Traum gedreht

Hauptdarsteller Mark Wahlberg brilliert nicht nur mit vollem Körpereinsatz.

Wien - Träume von Wohlstand und einem sorgenfreien Leben verwirklicht man am besten anhand eines griffigen Vorsatzes: Ohne Fleiß kein Preis. Wer wagt, gewinnt. No pain, no gain. Der Schweiß, der sich bei solcher Anstrengung zwangsläufig bildet, rinnt auch unserem Helden herunter: "Mein Name ist Daniel Lugo, und ich glaube an Fitness." Sein Glaube hat ihn fit gemacht. Aber eben nicht einmal annähernd so reich wie jene, die ihre Körper unter seiner Anleitung nicht einmal halb so konsequent trainieren. Das wird jetzt Konsequenzen haben.

Leider wahr

Die Geschichte, die Michael Bay in "Pain & Gain" erzählt, ist "leider wahr": Drei Bodybuilder entführen Mitte der 90er-Jahre in Miami einen wohlhabenden Kunden und pressen ihm im Verlauf eines wochenlangen Martyriums seinen gesamten Besitz ab. Weil das Trio das derart gewonnene Geld natürlich nicht vernünftig anlegt, muss bald die nächste Straftat her. Der Reporter Pete Collins hat über die "Sun-Gym"-Bande später eine Artikelserie geschrieben. Aus diesem Stoff macht Bay, der sich als Regisseur zuletzt vor allem um das "Transformer"-Franchise gekümmert hat, nun eine ziemlich grimmige und grelle Komödie.

Bay hat einst vom Videoclip (für Meat Loaf und andere) kommend das Action-Blockbusterkino radikal beschleunigt. Bei "Pain & Gain" bevorzugt er einen anderen Stil. Im Zentrum stehen - oft auch buchstäblich - die Akteure: Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Ed Harris und andere, die durchweg erstklassig performen. Statt Stakkato-Schnitten, also der extremen Verdichtung von Abläufen, kommt hier die Zeitlupe, der gedehnte Moment, zum Einsatz. Das macht nicht zuletzt im Hinblick auf die Mimik etwas her. Jeder Stimmungsumschlag zeichnet sich dabei nämlich so überdeutlich ab, dass es meistens zum Lachen ist.

Pain & Gain zelebriert eine visuelle Feier des dummen Gesichts, des schlechten Geschmacks und der öligen Fleisch- und Muskelberge. Eine Zeitlang wird hier sehr eindrucksvoll Dummheit über Absurdität auf Wahnwitz gestapelt. Selbst Entführung und Folterung des jüdisch-kolumbianischen Selfmademannes Victor Kershaw (verkörpert von "Monk"-Darsteller Tony Shalhoub) behalten eine groteske Komik. Nicht nur weil dessen Gefängnis eine ramponierte Lagerhalle voller Sexspielzeug ist, sondern auch weil das Opfer sich als ausgesprochen harter Knochen erweist ("You are a very difficult victim, Victor").

Allerdings ist dieses Spiel nicht unendlich steigerbar und variabel. Wenn Bay in der zweiten Runde den Realismus der Gewaltanwendung anzieht, wird es mit dem Lachen langsam schwierig. Wenn Daniels Sidekick, der Jesus-Freak Paul (Johnson), im Rausch des ersten "Erfolges" das Kokain für sich entdeckt, beginnt der getriebene Daniel, einem gewissen Dirk Diggler (Wahlbergs Bravourrolle in "Boogie Nights") immer ähnlicher zu werden. Für seine Unterhaltung muss eben auch das Publikum ein bisschen leiden. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 23.8.2013)

  • Kein Schmerz, kein Gewinn: Bodybuilder Daniel Lugo (Mark Wahlberg) führt uns dieses Postulat in Michael Bays Pulp-Komödie "Pain & Gain" wiederholt auch in Zeitlupe vor Augen.
    foto: paramount pictures

    Kein Schmerz, kein Gewinn: Bodybuilder Daniel Lugo (Mark Wahlberg) führt uns dieses Postulat in Michael Bays Pulp-Komödie "Pain & Gain" wiederholt auch in Zeitlupe vor Augen.

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