Garagen-Start-up will Internet neu erfinden

23. August 2013, 11:05
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Linux-Hacker wollen die Web-Infrastruktur auf neue Beine stellen

Drei junge Hacker sitzen, eifrig auf ihren Laptops programmierend, an einem Tisch in einer Garage im sonnigen Palo Alto. Was klingt wie eine nostalgische Anekdote über die Frühzeit des Silicon Valley ist derzeit die tägliche Realität von Alex Polvi. Gemeinsam mit ein paar alten Freunden will er die Software-Infrastruktur des Internets im Google-Stil revolutionieren, wie Wired ausführlich berichtet.

"Google-Infrastruktur für jedermann

Ihr Werkzeug zur Veränderung der Grundlagen des Internets heißt CoreOS, ein eigenes Betriebssystem, das wiederum auf Googles Linux-Derivat ChromeOS basiert. Im Gegensatz zu ChromeOS ist es jedoch nicht für die PCs und Notebooks der Endanwender gedacht, sondern für jene Geräte, die die zahlreichen Angebote des Internets am Laufen halten: Server.

Und genau das soll CoreOS tun: Webservices ausführen, egal wie komplex oder auf wie viele Maschinen verteilt diese sind. Firmen sollen ihre Online-Tätigkeiten auf diesem Wege viel schneller erweitern können, als dies mit traditioneller Serversoftware derzeit der Fall ist. "Wir borgen uns jede Menge Konzepte von der Browserwelt und wenden sie auf Server an", erklärt Polvi.

Internetriesen wie Google oder Amazon setzen in diesem Bereich auf Eigenentwicklungen. Doch CoreOS ist ein Open-Source-Projekt, das derlei Technologie allen zugänglich machen soll. "Google-Infrastruktur für jedermann", bezeichnet Polvi das Unterfangen im Gespräch mit Wired.

Alte Freunde

Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, doch die Beteiligten haben durchaus Ahnung vom Geschäft. Polvi hat mit Cloudkick bereits erfolgreich ein Startup gegründet und an Rackspace verkauft. Greg Kroah-Hartman, der beratend zur Seite steht, trägt viel Verantwortung im Entwicklerteam des Linuxkernels. Brandon Philips ist ebenfalls Linux-Entwickler, Michael Marineau arbeitete einst bei Google.

Die vier kennen sich von ihrer Studienzeit an der Oregon State University. Sie haben zwar zwischenzeitlich immer wieder kurz zusammengearbeitet, CoreOS stellt für sie aber gewissermaßen eine Wiedervereinigung dar.

Apps in Containern

Mit einer strikten Trennung von System und Applikationen möchte man erreichen, dass CoreOS jederzeit aktualisiert werden kann, ohne dass dies im laufenden Betrieb eines Servers zu spüren sein soll. Denn Dienste sollen in ihren eigenen, getrennten "Containern" laufen. Zu diesem Zwecke wird auch Docker unterstützt. Erweiterungen oder das Schließen von Sicherheitslücken wären also schneller und leichter möglich. Ziel ist es, dass mit CoreOS ein System entsteht, das nicht alle paar Jahre und zahlreichen eingepflegten Patches umständlich durch ein anderes bzw. neueres ersetzt werden muss.

Die Container selbst sind durch einfache Schnittstellen an das System angebunden und können somit leicht von System zu System und Server zu Server verlagert werden Dazu wurde die Software auf seine absolut notwendigen Komponenten reduiert. Bei der Umsetzung des modularen Konzepts hilft Googles Vorarbeit mit ChromeOS genauso wie die Vorzüge von Linux selbst, eben beim Umgang mit Software-Containern.

Großes Interesse

Vor einigen Wochen stellte Hacker News das Projekt vor. Seither haben laut Polvi gut 1.300 Unternehmen ihr Interesse an dem Projekt bekundet, 50 davon sollen zu den Fortune 500 gehören. Viele davon haben sich bereiterklärt, CoreOS auszutesten.

Auf finanzieller Seite baut man auf die Unterstützung des Rackspace-Chefs Lew Moorman, der Polvi noch von vor der Cloudkick-Übernahme kennt. "Das ist heute noch keine Mainstream-Idee", sagt er zu Wired, "aber ein leichtgewichtiges System, mit dem man unproblematisch eine große Anzahl an Servern managen kann, wird einmal sehr, sehr wertvoll sein." (red, derStandard.at, 23.8.2013)

  • In dieser Garage wird an einem Projekt gearbeitet, das einmal großes bewirken könnte.

    In dieser Garage wird an einem Projekt gearbeitet, das einmal großes bewirken könnte.

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