"Doping" für die Arbeit wird größeres Problem

22. August 2013, 16:31
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Alkohol, Zigaretten und Medikamente verursachen in Deutschland einen starken Anstieg der Krankenstände - neue Suchtmittel auf dem Vormarsch

Alkohol, Medikamente und Rauschmittel aller Art hinterlassen in Deutschlands Unternehmen immer größere Lücken - in Bilanzen und in Form von verwaisten Arbeitsplätzen. So ist die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage, die durch die Einnahme von Suchtmitteln verursacht wurden, in den letzten zehn Jahren um rund 17 Prozent angestiegen. Der Sprung: Von 2,07 Millionen Fehltagen im Jahr 2002 auf 2,42 Millionen im Jahr 2012. Das geht aus einer Studie der Krankenkasse AOK hervor.

Schaden von 60 Milliarden Euro pro Jahr

Laut dem Fehlzeiten-Report sind Alkoholkonsum und Rauchen die Hauptursachen für die suchtbedingten Krankenstände. Auf dem Vormarsch ist auch die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln. Für den Anstieg der Fehltage zumindest mitverantwortlich sei steigender Leistungsdruck, kritisiert die Krankenkasse. Die Kosten für die deutsche Wirtschaft belaufen sich der Studie zufolge auf über 60 Milliarden Euro pro Jahr. Gefordert wird eine Ausweitung der Präventionsarbeit.

Längere Krankschreibungen bei Sucht

Die Zahlen basieren auf der Befragung von 2.000 Erwerbstätigen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren, durchgeführt vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO). Nach der Analyse haben Arbeitnehmer, die mindestens eine Krankschreibung aufgrund einer Suchterkrankung aufweisen, im Schnitt drei Mal so lange Arbeitsunfähigkeitszeiten wie Beschäftigte, die aus anderen Gründen krankgeschrieben werden. Mit 44 Prozent ist Alkoholsucht der häufigste Grund für Absenz.

Je höher die Bildung, desto mehr Alkohol

Der Befragung zufolge konsumieren 5,3 Prozent der Beschäftigten täglich Alkohol. Der Anteil der Männer liegt mit 8,9 Prozent fast viereinhalbmal über dem der Frauen (zwei Prozent). Die Wahrscheinlichkeit regelmäßigen Alkoholkonsums steigt mit zunehmendem Bildungsgrad. Beim Tabakkonsum ist es genau umgekehrt. Je höher die Bildung, desto weniger Raucher. Ein Drittel aller Arbeitnehmer gibt an, gelegentlich oder regelmäßig zu rauchen.

"Doping" nimmt zu

An Bedeutung gewinnen auch andere Süchte. Leistungssteigernde Substanzen, die etwa zur Stressbewältigung zum Einsatz kommen, identifizieren die Studienautoren als größer werdendes Problem. "Um berufliche Stresssituationen zu bewältigen, haben nach unserer Befragung immerhin fünf Prozent der Arbeitnehmer in den letzten zwölf Monaten Medikamente wie beispielsweise Psychopharmaka oder Amphetamine zur Leistungssteigerung bei der Arbeit eingenommen. Bei den unter 30-Jährigen trifft dies immerhin auf jeden Zwölften zu", sagte Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. Die Dunkelziffer dürfte noch erheblich höher sein.

Arbeitsdruck als Mitursache

Den Weg in die Sucht ebnen in den Augen der Krankenkasse Faktoren wie "Leistungsdruck, die Verdichtung der Arbeit oder die Erwartung, dass Beschäftigte ständig erreichbar sind und schnell reagieren". Einen wirksamen Hebel sieht die AOK auf der Präventivebene und mit Hilfe von Beratungsstellen. Aufklärungsarbeit könnten etwa Dienstvereinbarungen bringen, die Handlungsmuster für den Umgang mit Alkohol und anderen Suchtmitteln am Arbeitsplatz aufzeigen. (red, derStandard.at, 22.8.2013)

  • Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland haben laut Krankenkassen Probleme mit Alkohol, auf dem Vormarsch sind auch aufputschende Mittel.
    foto: apa/dpa/leonhardt

    Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland haben laut Krankenkassen Probleme mit Alkohol, auf dem Vormarsch sind auch aufputschende Mittel.

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