Betreiber von Snowdens E-Mail-Dienst könnte angeklagt werden

22. August 2013, 14:30
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Die Behörden sollen dem Gründer von Lavabit mehrfach mit Gefängnis gedroht haben

Offiziell darf Ladar Levison, Gründer des kürzlich eingestellten E-Mail-Dienstes Lavabit, nichts zu Anfragen und Auflagen Seitens der Behörden sagen. Weil er die Zusammenarbeit mit den Verfolgern von Edward Snowden verweigert, droht ihm nun eine Anklage.

Snowden, der das NSA-Spähprogramm Prism und ihr britisches Gegenstück Tempora auffliegen ließ, hatte ein Konto bei Lavabit. Dort wird sämtliche E-Mail-Kommunikation standardmäßig verschlüsselt.

Levison widersetzt sich Beschluss

Nun berichtet NBC, dass ein Geheimgericht per Beschluss die Herausgabe von Nutzerdaten gefordert hatte, Levison sich jedoch weigert, dem nachzukommen. Weiters spricht NBC davon, dass sich die US-Staatsanwaltschaft in Alexandria per Brief an Levisons Anwalt gewandt und ihm bereits die Verletzung des Beschlusses vorgeworfen hatte. "Für diese Handlung könnte ich verhaftet werden", hatte Levison dem Sender mitgeteilt.

In der Tat droht ihm für seinen Widerstand eine Anklage, der eine Haftstrafe folgen könnte. Der Lavabit-Gründer möchte sich juristisch zur Wehr setzen und sieht in dem Gerichtsbeschluss einen Bruch der US-Verfassung.

Behörden wollten Generalüberwachung

Dass er, wie er in eigenen Worten auf die Lavabit-Homepage geschrieben hatte, nicht "zum Komplizen bei Verbrechen gegen das amerikanische Volk" werden wolle, hat aber nicht allein mit Snowden zu tun. Die Entscheidung zur schnellen Schließung hätte er getroffen, weil er sonst die Privatsphäre aller Lavabit-Nutzer gefährdet hätte. 10.000 Kunden soll das Unternehmen zuletzt gehabt haben.

Spezifischen Anordnungen, die sich gezielt auf einzelne Nutzer bezogen hätten, wäre er in der Vergangenheit allerdings gefolgt. Der Gerichtsbeschluss, der auf Snowdens Kundenverhältnis zurückzuführen ist, soll jedoch Mithilfe bei der Überwachung all seiner Nutzer verlangt haben.

Gefängnisdrohungen

Im Geheimen dürfte die juristische Auseinandersetzung zwischen seinem Anwalt und den US-Behörden schon länger stattfinden – nämlich seit die Strafverfolger wissen, dass Snowden einer seiner Kunden war. Bei der Anmeldung am Moskauer Flughafen Scherementjewo soll der Whistleblower die E-Mail-Adresse edsnowden@lavabit.com angegeben haben.

Levison verrät, dass ihm in den vergangenen sechs Wochen mehrfach mit Gefängnis gedroht worden war. Er sammelt nun Geld, um Rechtsberatung und Verteidigung zu finanzieren und hat bereits mehr als 90.000 Dollar in wenigen Tagen dafür lukriert. Zu seinen Unterstützern gehört auch der texanische Kongressabgeordnete und ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Ron Paul.

"Werde weiter schreien"

"Ich werde weiter so laut schreien, wie ich kann, so lange die Leute zuhören", sagt der Geschäftsmann gegenüber RT.com. "Meine größte Angst war es, dass es niemanden interessiert, wenn ich meinen Dienst (Anm.: Lavabit) schließe. Meine größte Hoffnung war es, dass sich etwas zum Positiven verändert." (gpi, derStandard.at, 22.08.2013)

  • Der Widerstand gegen den Gerichtsbeschluss könnte Levison ins Gefängnis bringen.
 
    foto: ladar levison/facebook

    Der Widerstand gegen den Gerichtsbeschluss könnte Levison ins Gefängnis bringen.

     

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