Überkapazitäten zwingen Lenzing zum Sparen

21. August 2013, 17:27
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Die auf Fasern aus Zellstoff spezialisierte Lenzing AG sieht noch kein Ende des Preisdrucks

Wien - "Sparen an allen Ecken und Enden." Damit will Peter Untersperger, Vorstandschef der oberösterreichischen Lenzing AG, die augenblicklich schwierige Situation auf dem Weltfasermarkt durchtauchen. 16 Mio. Euro wurden im ersten Halbjahr bereits eingespart, bis Jahresende will man auf die doppelte Summe kommen. Das Programm, das viele kleine Maßnahmen beinhalte, soll über 2014 hinaus prolongiert werden. Ein Jobabbau sei nicht geplant.

Der Weltfasermarkt ist derzeit geprägt von Überkapazitäten: Trotz steigenden Faserverbrauchs kann die neu auf den Markt kommende Menge nicht abgesetzt werden. Das hat unter anderem mit guten Baumwollernten zu tun, die es in den vergangenen drei Jahren gegeben hat, und mit vielen Millionen Tonnen an zusätzlichen Produktionskapazitäten für Viscose, die zuletzt aus dem Boden gestampft worden sind.

Lenzing ist einer der weltgrößten Hersteller von Viscose, die aus Zellulose gewonnen wird. Als Weltmarktführer konnten die Oberösterreicher bisher auch in einem gewissen Ausmaß die Preise bestimmen. Das geht nun nicht mehr so einfach, jedenfalls nicht beim Massenprodukt Viscose.

Trotz eines Rekordfaserversands im ersten Halbjahr 2013 von 438.000 Tonnen (plus zwölf Prozent) hat Lenzing im Berichtszeitraum einen kräftigen Umsatz- und einen noch kräftigeren Ergebnisrückgang hinnehmen müssen (siehe Grafik). Die Verkaufspreise sind das vierte Quartal in Folge gesunken - von durchschnittlich 1,95 Euro je Kilogramm im dritten Quartal 2012 auf 1,75 Euro im zweiten Quartal 2013. Ein Ende des Preisverfalls sei noch nicht in Sicht, wie der Lenzing-Chef bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am Mittwoch sagte. In den nächsten Monaten wird ein weiterer Preisrückgang auf durchschnittlich 1,70 Euro je Kilogramm erwartet.

Stärker als bisher will sich Lenzing auf die Produktion von Prämiumfasern für Spezialanwendungen (Tencel, Modal) verlegen. In Viscose will man nur mehr investiert, "wenn die Marge stimmt," wie Untersperger sagte. Die Gesamtinvestitionen werden gekappt, von 346 Mio. Euro im Vorjahr auf heuer 260 Mio. Euro.

Bei der Ergebnisprognose bleibt Lenzing mehr oder weniger auf Linie. Der Umsatz werde aus heutiger Sicht bei rund zwei Mrd. Euro zu liegen kommen und nicht, wie ursprünglich erwartet, 2,15 bis 2,25 Mrd. Euro betragen. Das habe aber mit dem Verkauf der Plastiktochter zu tun, wie Finanzvorstand Thomas Winkler sagte. Den Betriebsgewinn (Ebit) erwartet das Unternehmen nun bei 160 Mio. Euro. Ursprünglich hatte das Unternehmen einen Korridor von 140 bis 170 Mio. Euro genannt. (Günther Strobl, DER STANDARD, 22.8.2013)

  • Peter Untersperger, Chef der Lenzing AG.
    foto: apa/helmut fohringer

    Peter Untersperger, Chef der Lenzing AG.

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