Erste-Klasse-Ticket für die Medizin

3. Oktober 2013, 16:42
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1,6 Millionen Österreicher haben eine Sonderklasse-Versicherung. Mit welchen Prämien man rechnen muss und was man vor dem Abschluss beachten sollte

Man braucht sie nicht unbedingt, doch der zusätzliche Komfort spricht für ein Drittel der Österreicher dafür: eine private Krankenversicherung mit Goodies wie Ein- oder Zweibettzimmer und Menüwahl im Krankenhaus sowie je nach Tarif Kostenübernahme für Privatärzte und alternative Heilmethoden.

Fest steht: Im Gegensatz zur staatlichen Unfallversicherung gibt es in der gesetzlichen Krankenversicherung keine Versicherungslücken, sagt Andrea Morawetz, Pressesprecherin des Vereins für Konsumenteninformation (VKI): "Die gesetzliche Krankenversicherung bietet eine gute Grundlage, sie reicht aus."

Sonderklasse beliebt

35 Prozent der Österreicher haben laut Versicherungsverband Österreich (VVO) eine private Krankenversicherung abgeschlossen. Am beliebtesten ist die Sonderklasse-Versicherung mit 1,6 Millionen Versicherten im Jahr 2012. Zwei Drittel von ihnen haben eine Volldeckung, ein Drittel einen Teilschutz in der Krankenhauskosten-Versicherung.

Das bedeutet: Die Versicherung übernimmt bei einem Krankenhausaufenthalt die Mehrkosten für die Unterbringung in einem komfortableren Ein- oder Zweibettzimmer und je nach Tarif auch die Kosten für den gewählten Arzt.

Die restlichen 16 Prozent der Bevölkerung mit Zusatzkrankenversicherung verteilen sich auf andere Varianten, etwa eine Taggeldversicherung. Dabei erhalten die Versicherten pro Tag Spitalsaufenthalt einen gewissen fixen Tagesbetrag. Eine Variante, die vor allem von Freiberuflern gerne gewählt wird, um einen Verdienstentgang im Krankheitsfall auszugleichen.

Kosten einer Zusatzkrankenversicherung

Acht Versicherungsunternehmen buhlen in Österreich derzeit um die Gunst der Versicherungswilligen in der Krankenversicherung. Die größen Player am Markt sind laut VVO Uniqa, Wiener Städtische, Merkur Versicherung, Generali Versicherung und Allianz. Daneben haben auch noch MuKi, Wüstenrot und Donau Versicherung Angebote, sie teilten sich im Vorjahr aber insgesamt nur zwei Prozent des Kuchens im Krankenversicherungsbereich.

Je nach Alter und Produktvariante muss eine Zusatzkrankenversicherung gar nicht teuer sein. "Der Einstieg in eine private Krankenversicherung ist für Kinder ab etwa fünf Euro, für Erwachsene ab zehn Euro monatlich möglich. Dabei handelt es sich um das Produkt Sonderklasse nach Unfall", sagt Versicherungsmaklerin Elisabeth Schörg. Damit sind unfallbedingte Krankenhausaufenthalte abgedeckt, man erhält entweder einen Krankenhauskostenersatz für die Sonderklasse oder Taggeld.

Mit Selbstbehalt günstiger

Sparen kann man mit Tarifen mit Selbstbehalt, je nach Anbieter sind laut VKI ca. 30 bis 60 Prozent Rabatt drinnen. "Die Kosten für Sonderklasse betragen für einen gesunden 20-Jährigen rund 45 Euro monatlich mit Selbstbehalt, 80 Euro monatlich ohne Selbstbehalt. Ein gesunder 40-Jähriger bezahlt im Vergleich dazu ca. 75 Euro monatlich mit Selbstbehalt bzw. 120 Euro monatlich ohne Selbstbehalt", so Schörg. Auch Gruppenversicherungen über den Arbeitgeber oder Familienversicherungen sind im Vergleich zu Einzelverträgen billiger.

Je älter man ist und umso mehr man abgesichert sein möchte, umso teurer wird es: "Möchte ein gesunder 60-Jähriger ein Vollschutz-Produkt (Sonderklasse mit Privatarzt und Zahntarif) in der privaten Krankenversicherung abschließen, ist ein Schutz ab einer Monatsprämie von 280 Euro monatlich möglich." Die Bandbreite sei laut der Versicherungsmaklerin aber nach oben hin offen, je nachdem, welche Zusatzbausteine, wie zum Beispiel Krankenhaustaggeld, Reisetarif, Einbettzimmer etc. gewählt werden und ob es Zuschläge (etwa wegen Vorerkrankungen) gibt.

Gesundheitsprüfung vorab

Zu beachten ist, dass sich alle Zahlen auf einen normalen Gesundheitszustand beziehen, vorbehaltlich Gesundheitsprüfung. Denn ob man überhaupt als Kunde angenommen wird, entscheidet der Versicherer. Um Risiko und Prämie kalkulieren zu können, muss vorab ein Fragebogen zum Gesundheitszustand ausgefüllt werden.

Je nach Krankheitsgeschichte sind Zusatzprämien oder ein eingeschränkter Versicherungsschutz möglich, der eine bestimmte Krankheit ausschließt. Oder es kommt womöglich gar nicht zum Abschluss. Da es sich ja um eine freiwillige Versicherung handelt, können sich die Versicherer ihre Kunden selbst aussuchen.

Wie unterschiedlich Vorerkrankungen bewertet werden, zeigte ein Test des VKI im Jahre 2011. Testpersonen mit teils erheblichen, aber keinesfalls bedrohlichen Krankheiten fragten bei unterschiedlichen Versicherungsunternehmen nach Anträgen für Sonderklasse- und Privatarzt-Tarifen. Das Ergebnis war keinesfalls einheitlich, mache Testpersonen wurden bei dem einem Versicherer angenommen, bei dem anderen abgelehnt, mal gab es zusätzliche Wartezeiten und Prämienzuschlage, mal wieder nicht. "Wer Vorerkrankungen hat und sich krankenversichern möchte, sollte unbedingt bei allen Anbietern anklopfen", rät der VKI.

Gut überlegen

"Private Krankenversicherungen machen eher langfristig Sinn", sagt Morawetz. Im Unterschied zu Kasko- oder Unfallversicherungen darf dem Versicherten im Schadenfall nämlich nicht gekündigt werden. Ausnahmen gibt es bei Krankengeldversicherungen, Gruppenversicherungen und kurzfristigen Versicherungsverträgen. Der Kunde hat zwar ein Kündigungsrecht, möchte er dann aber später wieder in die private Krankenversicherung einbezogen werden, muss er sich erneut einer Gesundheitsprüfung unterziehen. "Das hindert viele daran, das Produkt freier handzuhaben."

Flunkern bei den Gesundheitsfragen ist übrigens nicht ratsam. Der Versicherer hat nämlich ein Rücktrittsrecht über drei Jahre bei falschen oder unvollständigen Angaben. Weiters gibt es auch Wartezeiten (in der Regel drei Monate, aber beispielsweise neun Monate bei Schwangerschaft), die den Beginn des Versicherungsschutzes nach hinten verschieben. Damit will das Versicherungsunternehmen ausschließen, dass eine Versicherung erst im Bedarfsfall abgeschlossen wird.

"Unser Rat: Wenn man eine private Krankenversicherung abschließt, sollte man sich das gut überlegen", sagt Moratwetz. "Da die Prämien für eine Zusatzkrankenversicherung recht hoch sind, ist es wichtig zu prüfen, ob man sich diese Versicherung für das ganze Leben leisten will." Auch bei Zusätzen wie Wellness und Vorsorge solle man das Kosten-Nutzen-Verhältnis hinterfragen. (Sonja Tautermann, derStandard.at, 3.10.2013)

  • Jeder Dritte in Österreich zahlt für eine Zusatzversicherung.
    foto: dpa/gentsch

    Jeder Dritte in Österreich zahlt für eine Zusatzversicherung.

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