Gut versichert bis auf den letzten Zahn

20. September 2013, 10:01
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Zahnversicherungen gelten als verhältnismäßig unattraktiv. Wer sich dafür interessiert, sollte die Produkte genau unter die Lupe nehmen

"Vor dem Schlafen, nach dem Essen, Zähne putzen nicht vergessen!", erzählten die Pädagoginnen in den Kindergärten schon in den 80er Jahren. Wer sich daran gehalten hat, regelmäßig zur Mundhygiene gegangen ist und nicht mit völlig desaströsen Zahngenen gesegnet ist, wird Folgendes nicht ahnen, der Rest weiß Bescheid: Zahnarztbesuche kommen uns in den meisten Fällen teuer.

Die Grenzen der Sozialversicherung

Selbstverständlich deckt die gesetzliche Krankenversicherung auch Leistungen der Zahnärzte ab. Im Prinzip allerdings nur die Basis, und das auf einem ziemlich niedrigen Niveau. Soll heißen, Amalgam- und Keramikzahnfüllungen sind gedeckt, Brücken, Kronen, Implantate und Co. nicht. Wer also ein bisschen über die Basis hinaus versorgt werden will, wird um Privatleistung nicht herumkommen. Natürlich gilt es vorher noch zu klären: Zahlt es sich für mich aus, diese Kosten über eine private Zahnversicherung abzudecken, oder bezahle ich die Leistung dann, wenn sie anfällt, aus der eigenen Tasche?

Eigene Tasche oder Zahnversicherung

In Österreich sind private Zahnversicherungen nur sehr wenig verbreitet. "Mit Deutschland ist die Situation hier nicht vergleichbar", sagt Jörg Krainhöfner Kammeramtsdirektor der österreichischen Zahnärztekammer. Im Nachbarland sei das Angebot an Zahnversicherungen vielfältig, das Angebot der Krankenversicherungen ebenso schmal wie bei uns. Hierzulande wird man oft verpflichtet gleichzeitig mit einer Zahnzusatzversicherung eine private Krankenversicherung abzuschließen.

Der eine braucht's, der andere nicht

Zahnzusatzversicherungen sind definitiv nicht für jeden geeignet. Bei hervorragender Zahngesundheit handelt es sich bei einer Zahnversicherung wahrscheinlich um keine gute Investition. Sind die Zähne ein Desaster, wird einen die Versicherung mit großer Wahrscheinlichkeit ablehnen, im besten Fall schnalzen dann nur die Prämien kräftig in die Höhe.

Auszahlen wird sich so eine Versicherung also für Patienten, die bereits etliche Plomben und/oder Wurzelbehandlungen hinter sich haben. Dass für sie später Kronen oder gar Implantate zum Thema werden, ist eher wahrscheinlich. Aber: "Sinn macht es nur, wenn wirklich alle möglichen Leistungen inkludiert sind. Mit Ausschluss von einzelnen Leistungen könnten zusätzliche Kosten zustande kommen", so Krainhöfner. Darüber hinaus spiele auch der Preis eine Rolle: "Denkbar wäre eine Variante, die einen fixen Zuschuss für einzelne Leistungen bietet, den Rest bezahlt man dann mit Selbstbehalt."

Wenig Leistungsausschlüsse

Wichtig sind also möglichst wenige Leistungsausschlüsse und Obergrenzen. In jedem Fall sollte man sich vor dem Abschluss einer teuren Zahnversicherung gut beraten lassen und im Zweifelsfall zweimal nachfragen.

Angeboten werden die sogenannten Zahnzusatzversicherungen, die eben nur im Zusammenhang mit einer privaten Krankenversicherung erworben werden können, von allen großen österreichischen Versicherungsanbietern wie Uniqa, Wiener Städtische, Generali und Allianz. Die monatlichen Prämien von Zahnzusatzversicherungen belaufen sich etwa bei der Uniqa auf rund 50 bis 100 Euro pro Monat für Erwachsene ab 18 Jahren. Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Tarife. (Madeleine Harbich, derStandard.at, 20.9.2013) 

  • Ein schönes Lächeln kann teuer kommen.
    foto: ap/wiedl

    Ein schönes Lächeln kann teuer kommen.

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