Privater Unfallschutz: Auf Preis und Leistung schauen

26. September 2013, 12:37
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Ob Privatvorsorge für Unfälle sinnvoll ist, obliegt einer vorsichtigen Wahl der Versicherung und der Abwägung, ob man bei Freizeitunfällen monetäre Entschädigung braucht

In Österreich sind grundsätzlich alle Arbeitnehmer und selbstständig Erwerbstätigen sowie Kindergartenkinder (im verpflichtenden Kindergartenjahr), Schüler und Studenten an Universitäten und Fachhochschulen per Gesetz unfallversichert. Die staatliche Unfallversicherung deckt Unfälle während sowie auf dem Weg von und zur Arbeit und Berufskrankheiten. Auch die Arbeit bei freiwilligen Hilfsorganisationen wird von der Sozialversicherung gedeckt.

"Wir setzen auf vier Säulen", erklärt Andreas Lexer von der AUVA, Österreichs größter sozialer Unfallversicherung. "Zuerst Prävention, das heißt, wir bemühen uns darum, dass sich die Leute erst gar nicht wehtun. Wenn doch etwas passiert, kommt man in eines unserer Unfallkrankenhäuser, zum Beispiel ins Lorenz Böhler, erhält die beste Rehabilitation in Österreich, und am Schluss bemühen wir uns immer, die Menschen wieder ins Berufsleben einzugliedern. Wenn man nicht mehr arbeiten kann, gibt es bis zu einer lebenslangen Rente."

Private Anbieter

Manche Menschen möchten aber auch bei Freizeitunfällen gesichert sein. Wobei gesichert im Falle der privaten Unfallversicherungen eine monetäre Entschädigung bedeutet. Jeder private Versicherungsanbieter bietet auch private Unfallversicherungen an. "Sie decken, wenn Sie Glück haben, den Freizeitbereich ab", meint Lexer. Als Kernleistung wird die finanzielle Absicherung nach Freizeitunfällen verkauft. "Für die medizinische Versorgung sind die Krankenversicherungen zuständig." Diese Kosten sind durch die soziale Krankenversicherung bereits gedeckt.

Wer allerdings Angebote wie die Deckung von Bergungs-, Rückhol- und Nottransporten, Zuschüsse zu kosmetischen Operationen oder Hinterbliebenenleistungen versichert haben möchte, sollte sich gut beraten lassen. In einer AK-Studie zu privaten Unfallversicherungen von 2005 wurde allerdings die Beratungsleistung der Versicherer bekrittelt, nur die Hälfte der geführten Gespräche war zufriedenstellend.

Vergleiche sind unumgänglich

Gerade bei privaten Unfallversicherungen, bei denen es sich um beratungsintensive Produkte handelt, sollte nicht nur der Preis verglichen werden, sondern auch die Leistung. Bei der Prämienhöhe muss man die Summe der Einzahlungen und das Risiko beachten. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung kann beispielsweise nicht ausgezahlt werden, wenn der Versicherte erst seit kurzem im Beruf steht. Auch richtet sich die Prämie nach der Berufsgruppe: Ein Bauarbeiter zahlt mehr als ein kaufmännischer Angestellter. Manche Berufsgruppen wie Künstler und Fotomodelle werden gar nicht erst als Kunden angenommen. Hier lautet die gute Nachricht: Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt bei Berufsunfähigkeit Renten aus. Trotzdem, bei derartiger Komplexität kommt man an einer fundierten Beratung nicht vorbei.

Auf Kundensuche bei Schulbeginn

Private Versicherungsanbieter schnüren oft Angebote, die auf das Alter ihrer Kunden zugeschnitten sind. Hier fallen besonders Produkte für Kinder und Senioren ins Auge. Gerade jetzt zu Schulbeginn bewerben Versicherungen verstärkt Unfallversicherungen für Schüler. Rund 1,3 Millionen österreichische Schüler und Studierende sind derzeit bei der AUVA, einer der vier sozialen Unfallversicherungen, versichert. Die Unfallversicherung für Schüler und Studenten deckt nicht nur Unfälle im Schulalltag selbst. "Wir decken auch Wegunfälle und Veranstaltungen wie Skiausflüge mit der Schule", ergänzt Andreas Lexer. Wer die Freizeit seines Kindes ebenfalls versichert sehen will, muss zu privaten Anbietern greifen. Auch hier gilt: vergleichen und beraten lassen. In jedem Fall sollte darauf geachtet werden, dass auch in der Ferienzeit der Schutz der Versicherung gilt. (Madeleine Harbich, derStandard.at, 26.9.2013)

Wissen: Unfallversicherungen

Der Versicherungsverband Österreich (VVO) listet in seinem Jahresbericht 2012 insgesamt 31 Anbieter privater Unfallversicherungen. Laut VVO ist die Uniqa Österreich Versicherungen AG Marktführer mit 18 Prozent, die Generali Versicherung AG hält 13 Prozent und die Wiener Städtische Versicherung AG Vienna Insurance Group 10 Prozent der Marktanteile an privaten Unfallversicherungen 2012 in Österreich. Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Österreich sind AUVA (circa vier Millionen Versicherte), SVB (Land- und Forstwirtschaft), VAEB (Eisenbahnen, ÖBB und Wiener Linien) und BVA (öffentlich Bedienstete).

  • "In der Freizeit sind Unfälle nicht versichert."
    foto: apa/gindl

    "In der Freizeit sind Unfälle nicht versichert."

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