"Pflegevorsorge soll Sicherheit vermitteln"

8. Oktober 2013, 16:50
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Im Pflegefall springt in Österreich der Staat in die Bresche, entsprechende Produkte haben sich mittlerweile auch die Versicherer ausgedacht

Es ist ein Thema, an das keiner gerne denkt: Im Alter einmal so krank zu sein, dass man pflegebedürftig wird und auf die Hilfe Anderer angewiesen ist. Wenn der Alltag nicht mehr alleine zu bewältigen ist, springt in Österreich der Staat in die Bresche: Rund 440.000 Menschen beziehen hierzulande Pflegegeld, Tendenz mit zunehmender Lebenserwartung steigend. Für das Jahr 2050 etwa rechnet eine Studie der Wirtschaftsuniversität mit rund einer Million pflege- bzw. betreuungsbedürftigen Menschen in Österreich. In sieben Pflegestufen wird Geld ausgeschüttet, das für den errechneten Pflegebedarf herangezogen wird. Besonders in den niedrigen Pflegestufen ist das jedoch so wenig, dass oft das eigene Vermögen oder das der Kinder herangezogen wird, um zusätzlich anfallende Kosten zu decken.

Mittlerweile haben auch Versicherungen erkannt, dass hier Bedarf gegeben ist. Sie bieten eigene Pflegeversicherungen an, die für den Fall des Falles absichern sollen. Doch nicht für jeden ist jede Versicherung geeignet, zumal sich die Konditionen der Angebote oft grundlegend unterscheiden, sagt Gabi Kreindl vom Verein für Konsumenteninformation im Gespräch mit derStandard.at: "Es gibt Produkte, die nur den schweren Pflegefall abdecken, und andere, die auch schon ab Pflegestufe eins grundlegende Leistungen bringen." Zudem decken sich die Pflegestufen der Versicherer oft nicht mit jenen des Staates, sodass eigene Kriterien, ab welchem Pflegefall gezahlt wird, die Sache zusätzlich undurchschaubarer machen.

Nachdenken über die Zukunft

Grundlegend, so Kreindl, sei es wichtig, sich ab einem gewissen Alter einmal hinzusetzen und sich zu überlegen, welche Voraussetzungen da sind und was passieren soll, wenn man später einmal wirklich zum Pflegefall wird. "Da ist jede Situation individuell verschieden. Ich muss wissen, wann ich mit Leistungen aus dem Versicherungsprodukt rechnen kann und wann es mir wichtig ist. Brauche ich das nur für den Worst Case, weil mich Verwandte oder ein anderes soziales Netzwerk auffangen oder will ich in jedem Fall eine Leistung, weil die Familie ausfällt?" Das mit den eigenen Kindern oder Vertrauten zu besprechen bringe schon einmal einen ersten Hinweis darauf, welche Versicherung überhaupt in Frage kommt.

Ist die Entscheidung, für den Pflegefall vorzusorgen, einmal gefallen, empfiehlt die VKI-Expertin, einen unabhängigen Versicherungsmakler zu Rate zu ziehen. "Die Produkte sind sehr unterschiedlich, das ist für den einzelnen Verbraucher schwierig, zu vergleichen. Am besten überlegt man sich schon im Vorfeld, welche Schwerpunkte einem wichtig sind, und lässt sich dann zielgerichtet beraten." Wichtig dabei: Die Überlegungen, für einen Pflegefall im Alter vorzusorgen, nicht zu spät anzusetzen. Viele Versicherungen haben ein Alterslimit, bis zu dem sie Kunden annehmen. Zudem könnten einen die privaten Versicherer auch ablehnen, so Kreindl: "Wenn schon beim dem aktuellen Gesundheitszustand Andeutungen da sind, dass man später pflegebedürftig werden könnte, steigt die Versicherung vielleicht nicht ein."

Eigenständiges Produkt

Grundsätzlich gibt es in Österreich mehrere Versicherungen, die Pflegevorsorge als eigenständiges Produkt anbieten. Die Höhe der Prämien richtet sich dabei nach dem Eintrittsalter und den Leistungen, die im Pflegefall später abgedeckt werden sollen. Laut einer Erhebung des VKI vom Jänner 2013 variiert die Bandbreite der monatlichen Prämien dabei von sieben bis 185 Euro, je nach Abschlussalter und Geschlecht.

Die Auszahlung bewegt sich dann abhängig von der Pflegestufe zwischen 38 Euro bei Pflegestufe eins (Wiener Städtische) bis hin zu 2.000 Euro in der siebten Pflegestufe (Uniqua). Achtung: Während einige Versicherungen bereits ab Pflegestufe eins in die Bresche springen, zahlen andere erst mit höherer Pflegebedürftigkeit aus. Zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit ziehen manche Anbietern die Kriterien des Bundespflegegesetz heran, andere Versicherungen bemessen die Pflegestufe danach, welche Tätigkeiten des täglichen Lebens nicht mehr ohne fremde Hilfe verrichtet werden können. In jedem Fall ist man hier auf die Einschätzung eines Sachverständigen angewiesen.

Pflegezusatz bei der Versicherung

Wer bereits eine Lebens- oder private Krankenversicherung hat, kann auch bei seinem Anbieter nachfragen, ob ein Pflegezusatz zu den bereits bestehenden Versicherungsprodukten möglich ist. Doch auch hier gibt es Haken, warnt der VKI: Um Geld aus dieser Versicherung zu beziehen, müssen sämtliche Zahlungen belegt werden, zudem wird die Arbeit, die pflegende Angehörige leisten, nicht entlohnt. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Pflegevorsorge schon in jüngeren Jahren als Zusatztarif zu einer Pensionsvorsorge abzuschließen. Hier ist auf eine längere Laufzeit zu achten, die den Pflegefall auch nach Erreichen des offiziellen Pensionsalters abdeckt.

VKI-Expertin Kreindl rät allerdings davon ab, Versicherungsprodukte zu vermischen. "Wenn ich Versicherung und Kapitalvorsorge verbinde, weiß ich nicht, wie viel meiner Prämie wofür verwendet wird." Wer keine eigene Pflegeversicherung wolle, könne auch anderweitige Ersparnisse, etwa aus dem Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung, im Pflegefall einsetzen. In jedem Fall solle man sich das jeweilige Versicherungsprodukt genau anschauen, bevor man eine Pflegevorsorge abschließt, so Kreindl: "Wenn man sich bereit erklärt, dafür eine Prämie hinzulegen, sollte man auch wissen, welches Risiko abgedeckt ist. Wenn ich aus meinem Umfeld im Pflegefall eher keine Leistung erwarten kann, sollte mir eine Pflegeversicherung auf jeden Fall die Sicherheit vermitteln, dass mir das jemand abnimmt." (Barbara Oberrauter, derStandard.at, 8.10.2013)

  • Der Blick in die Zukunft ist den Menschen glücklicherweise nicht vergönnt.
    foto: ap/rodan

    Der Blick in die Zukunft ist den Menschen glücklicherweise nicht vergönnt.

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