Schweiz und Italien streiten um Abschuss von Braunbären

21. August 2013, 13:11
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Schweizer Behörden riefen Italiener zur Erschießung der Tiere auf

Trient - Braunbären sorgen aktuell für Zündstoff zwischen der Schweiz und Italien. Der Kanton Graubünden hat Italien aufgefordert, Braunbären zu erschießen, die ein Sicherheitsrisiko darstellen, bevor sie in Schweizer Gebiet eindringen, berichtete die Tageszeitung "La Repubblica" am Dienstag. Ansonsten müsse der Kanton Graubünden die aus dem Trentino kommenden Tiere selbst töten.

In Graubünden waren innerhalb von fünf Jahren zwei aus Italien eingewanderte Braunbären erlegt worden. Der Braunbär M13 war im Februar abgeschossen worden, nachdem er nach dem Winterschlaf seine Nahrung immer wieder in Siedlungen gesucht. Er sei Menschen am Tag gefolgt und habe trotz wiederholter Vergrämungsaktionen keine Scheu mehr gezeigt, hatten die Behörden des Bundes und des Kantons Graubünden mitgeteilt. M13 war im vergangenen Jahr auch in Tirol unterwegs gewesen und hatte die Polizei im April indirekt zu einer Leiche geführt: Auf der Suche nach M13 entdeckten die Beamten in Spiss im Bezirk Landeck einen durch Gewalt ums Leben gekommenen 40-jährigen Südtiroler.

Erschießung nur in Extremfällen

Ebenfalls abgeschossen wurde Mitte April 2008 der ebenfalls aus Oberitalien eingewanderten Bären JJ3. Das Tier hatte den Winterschlaf in Graubünden verbracht und nach dem Erwachen zu oft Nahrung in bewohnten Gebieten gesucht.

Nach Angaben des italienischen Zoologie-Professors Luigi Boitani, Sprecher des Tierschutznetzwerks "Large Carnivore Initiative for Europe" müssten die Länder der Alpenkonvention, darunter auch Österreich, ein gemeinsames Protokoll entwerfen, um zu bestimmen, nach welchen Kriterien ein Braunbär als gefährlich eingestuft werden soll. "Um zu verhindern, dass die Tiere die Grenzen überschreiten, muss man gemeinsame Initiativen ergreifen. Die Erschießung darf nur in absolut extremen Fällen erfolgen", sagte Boitani.

In Südtirol waren die Braunbären seit den 1930er-Jahren ausgerottet. 1999 begann ein Interreg-Projekt, unterstützt von der Europäischen Gemeinschaft, mit dem Ziel, die im nordwestlichen Trentino heimische Braunbärenpopulation als letzte innerhalb der Alpen zu erhalten. (APA, 21.8.2013)

  • Wüssten Bären, wie gefährlich nationalstaatliche Grenzen für sie sind, würden sie sich vielleicht anders verhalten.
    foto: horst ossinger dpa/lhe

    Wüssten Bären, wie gefährlich nationalstaatliche Grenzen für sie sind, würden sie sich vielleicht anders verhalten.

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