"Es wird Nerven kosten": Wiener U4 wird ab 2016 gesperrt und saniert

21. August 2013, 11:51
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Von Mai bis September 2016 zwischen Hütteldorf und Schönbrunn - Juli und August 2017 zwischen Margaretengürtel und Kettenbrückengasse - Linie wird ab 2014 um 335 Millionen Euro modernisiert

Passagiere der Wiener U-Bahn-Linie U4 brauchen oft gute Nerven, gilt diese doch als besonders störanfällig. Grund sind in vielen Fällen Schäden an Gleisen und Gleisuntergrund - diese sollen nun im großen Stil ausgebessert werden: Am Mittwoch gaben die Wiener Linien das Programm für eine umfassende Sanierung des Wiental-Abschnitts zwischen Hütteldorf und Stadtpark in den kommenden Jahren bekannt.

Um die Arbeiten durchzuführen, wird es unter anderem zwei Teilsperren geben: Von Mai bis September 2016 fahren keine Züge zwischen Hütteldorf und Schönbrunn, wobei die Station Hietzing im Mai und Juni noch angefahren wird. Im Juli und August 2017 wird der Verkehr zwischen Margaretengürtel und Kettenbrückengasse eingestellt. Für beide Sperren wird ein Konzept für den Ersatzverkehr erarbeitet.

Sechs Jahre währende Arbeiten

Die Arbeiten auf der "grünen Linie", die zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt fährt, starten im Frühjahr 2014 und sollen bis 2020 dauern. Auf dem Plan des sogenannten Projekts "NEU4" steht zwar die Sanierung der gesamten Strecke, jedoch konzentrieren sich die Arbeiten vor allem auf den westlichen Teil zwischen den Stationen Stadtpark und Hütteldorf.

Unter anderem sollen die Stationsgebäude modernisiert sowie Stellwerke, Gleise und Gleisuntergrund erneuert werden. Insgesamt investieren Stadt Wien und Wiener Linien 335 Millionen Euro in das Großvorhaben, berichtete die für die Verkehrsbetriebe zuständige Stadträtin Renate Brauner (SPÖ).

Unpünktlichste Linie

"Die U4 fährt auf einer sehr alten Trasse, nämlich auf der Strecke der alten Stadtbahn", erklärte Brauner den Grund für die Sanierung. Das führt auch dazu, dass die U4 immer wieder von Störungen betroffen ist, was auch die Statistik unterstreicht.

Die Gesamtpünktlichkeit der Wiener Untergrundbahn liegt bei mehr als 99 Prozent, bei der U4 jedoch nur bei etwas mehr als 98 Prozent. Anlassfälle für Störungen gebe es auf der U4 gar nicht mehr als auf anderen Linien, so Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer, aber: "Die Behebung dauert länger." Grund dafür ist auch, dass es keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Im Gegensatz zu anderen Linien können Störungen durch einen Gleiswechsel nicht umfahren werden. Aus diesem Grund werden in den nächsten Jahren auch Gleisverbindungen neu eingebaut.

"Fit für die nächsten 40, 50 Jahre"

Erste Vorarbeiten haben schon begonnen, berichtete Brauner, richtig los geht es im kommenden Frühjahr. 2014 werden die Bauarbeiten noch keine Auswirkungen auf den Fahrbetrieb haben, versprachen die Wiener Linien. Erst ab 2015 wird es zu Einschränkungen kommen. Durch die Sanierung der Stationen werde es dann "punktuelle" Bahnsteigsperren bzw. in Einzelfällen möglicherweise ab 2016 auch Stationssperren am Wochenende geben, so Steinbauer. Die größten Auswirkungen werden jedoch die beiden Teilsperren der U4 haben.

Die Modernisierungsarbeiten dauern bis 2020. Dann soll die U4 "fit für die nächsten 40, 50 Jahre" sein, wie Steinbauer sagte. "Es ist ein Jahrhundertprojekt", beschrieb Brauner die Dimension des Vorhabens. "Es wird nicht nur viel Geld kosten. Es wird auch Nerven kosten", hoffte sie auch auf der Verständnis der Wiener. Denn immerhin handelt es sich bei der U4 um die "drittstärkste Linie" mit im Schnitt 112 Millionen Fahrgästen pro Jahr.

Während der beiden Teilsperren wird ein Ersatzverkehr eingerichtet. Details müssten noch mit den Bezirken besprochen werden, so Steinbauer. Man werde aber "zeitgerecht" darüber informieren. Einige Möglichkeiten nannte er aber bereits: 2016 sei die S-Bahn-Verbindung zwischen Hütteldorf und Westbahnhof eine "brauchbare Alternative". Diesbezüglich gebe es Gespräche mit den ÖBB. Auch Busse, die derzeit in Hietzing enden, könnten weitergeführt werden und die Straßenbahnlinie 49 benutzt werden. Bei der zweiten Teilsperre 2017 könnten Passagiere auf die Linien U3 und U6 ausweichen.

Kritik von Hietzinger Seite

Die Sanierungsankündigung blieb nicht lange ohne Kritik: Silke Kobald, ÖVP-Vorsteherin des betroffenen Bezirks Hietzing, fordert eine Überarbeitung der Zeitpläne für die Sanierung. Es sei unerlässlich, dass die Bauarbeiten rascher erledigt werden und vor allem auf dem besonders wichtigen Teil Hietzing-Schönbrunn wesentlich verkürzt werden, so Kobald in einer Aussendung. Eine fünfmonatige Sperre vor allem im Bereich zwischen Kennedybrücke und Schönbrunn sei für die Fahrgäste inakzeptabel, da bei der Einrichtung eines Schienenersatzverkehrs lange Wartezeiten und Störungen vorprogrammiert seien.

Zudem fordert Kobald, eine Verlängerung der U4. "Jetzt im Zuge der Komplettsanierung ist der Zeitpunkt da, auch die dringend notwendige Verlängerung der U4 nach Auhof und darüber hinaus einzuplanen und bei den kommenden Arbeiten die Endstelle in Hütteldorf mit den nötigen Abzweigungen zu versehen." (APA/red, derStandard.at, 21.8.2013)

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  • Nächtliche Gleisbauarbeiten an der U4. Für die Komplettsanierung 2016 und 2017 genügen Nachtarbeiten nicht mehr, die Strecke muss auf Teilabschnitten gesperrt werden.
    foto: helmut fohringer

    Nächtliche Gleisbauarbeiten an der U4. Für die Komplettsanierung 2016 und 2017 genügen Nachtarbeiten nicht mehr, die Strecke muss auf Teilabschnitten gesperrt werden.

  • Die geplanten Sperren in den Jahren 2016 und 2017.
    grafik: wiener linien/apa

    Die geplanten Sperren in den Jahren 2016 und 2017.

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