Jus-Blog Groklaw schließt wegen NSA-Überwachung

21. August 2013, 10:10
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Nach zehn Jahren - Vertraulichkeit wegen E-Mail-Bespitzelung nicht mehr gegeben

Weil die NSA-Überwachung für sie die Grenzen des Erträglichen überschritten hat, hat die Gründerin Pamela Jones die Prozess-Doku-Plattform Groklaw eingestellt.

Seit zehn Jahren online

Groklaw war 2003 gegründet worden, Jones widmete sich zu Beginn der akribischen Verfolgung der Prozesse, die der Unix-Distributor SCO anzettelte, um sich Rechte am Linux-Sourcecode zu sichern. Seitdem begleitete Groklaw auch zahlreiche weitere Verfahren – darunter auch die große patentrechtliche Auseinandersetzung zwischen Apple und Samsung – und liefert Akten, Chronik und Analysen.

Mit der Zeit gesellten sich immer mehr Mitstreiter hinzu, die Drucksachen aus dem Gerichtssaal lieferten, Protokolle verfassten oder auf andere Weise zuarbeiteten. Auch mit der Presse arbeitete die Plattform zusammen. Der Schwerpunkt blieb auf US-Verfahren, die das Thema Open Source oder die Free Software Foundation tangierten, wie Heise erklärt. 2007 erhielt man eine Auszeichnung der Free Software Foundation 2008 den Prix Ars Electronica. 2011 übernahm Mark Webbink, einst leitender Anwalt bei Red Hat, das Steuer.

Keine Vertraulichkeit mehr

Unter den Bedingungen, die die aktuelle US-Gesetzgebung und NSA-Überwachung schaffen würden, könne sie Groklaw nicht weiter betreiben, schreibt Jones in einem ausführlichen Abschiedsposting.

E-Mails von ausländischen Servern würden gelesen, verschlüsselte Nachrichten fünf Jahre aufbewahrt, wohl in der Hoffnung, sie rechtzeitig dechiffrieren zu können, mahnt Jones. Doch Groklaw sei existenziell auf diese Kommunikationsform angewiesen. Mit der Überwachung würde der Grundsatz der Vertraulichkeit völlig untergraben.

Die Juristin vergleicht die Situation mit einem Einbruch in ihrer einstigen Wohnung in New York. Es war weniger der Verlust weniger Wertsachen, der ihr prägend in Erinnerung geblieben war, sondern – so schildert sie – die Verletzung der eigenen Privatsphäre durch einen Unbekannten, der ungefragt in ihren persönlichen Dingen gewühlt hatte. Ein Gefühl, das sie nun erneut beschleicht.

E-Mail-Account in die Schweiz verlagert

Jones versucht nun, ihre Nutzung des Internets auf das Notwendigste zu beschränken. Ihren E-Mail-Account hat sie von den Vereinigten Staaten zum Schweizer Dienst MyKolab verlagert. (red, derStandard.at, 21.08.2013)

  • Weil die Überwachung durch die NSA Vertraulichkeit unmöglich macht, schließt Gründerin Pamela Jones Groklaw nach zehn Jahren.
    foto: nyobe / sxc.hu/photo/662944

    Weil die Überwachung durch die NSA Vertraulichkeit unmöglich macht, schließt Gründerin Pamela Jones Groklaw nach zehn Jahren.

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