Banker: Kleinere Boni, höhere Gehälter

20. August 2013, 17:43
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Europas Finanzinstitute bessern Fixgehälter ihrer Manager kräftig auf

Wien - Es sollte ein klares Signal gegen das Ausufern von Managergehältern sein: Das EU-Parlament deckelte heuer die Boni für Banker. Die begehrten Sonderzahlungen dürfen ab kommendem Jahr das Grundgehalt nicht mehr übertreffen. Nun folgt die Gegenreaktion der Branche, vor der viele Experten warnten: Die Finanzinstitute wollen die Fixgehälter der betroffenen Mitarbeiter erhöhen.

Rund ein Viertel der Banken in Europa plant diese noch in diesem Jahr anzuheben, geht aus einer aktuellen Studie des Beraters Mercer hervor, der dazu weltweit 78 Finanzdienstleister befragte, davon 36 europäische. 2014 wollen sogar 57 Prozent der Institute mehr bezahlen. Bei vielen geht im Zuge der Beschneidung exzessiver Boni die Angst vor einer Abwanderung von Spitzenpersonal um. Doch je höher das Grundgehalt, desto weniger flexibel können die Konzerne auf schwankende Einnahmen reagieren. Ob sich gute Leute deswegen halten lassen, bleibt offen.

Kreative Vergütungsmodelle

75 Prozent der Befragten arbeiten laut der Untersuchung bereits an der Entwicklung neuer "kreativer" Vergütungsmodelle. 89 Prozent gehen davon aus, dass sich der Fokus weg vom reinen Gehalt hin zu anderen, nicht monetären Leistungen für Mitarbeiter bewegen wird. Diese reichen von neuen Arbeitszeitmodellen über Trainings bis zur Karriereförderung.

Die Boni-Regelungen machten es unter Umständen zu teuer, laufend neue Talente ins Haus zu holen. Viele Banken konzentrierten sich daher darauf, Fähigkeiten der bestehenden Belegschaft zu fördern und diese an sich zu binden, sagt Bernd Thomaszi, Leiter der Vergütungsberatung bei Mercer.

Nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung beeinträchtigen gedeckelte Managersaläre Europas Wettbewerbsfähigkeit nicht. Ein solcher Schritt setze vielmehr Anreize, um langfristige Ziele der Konzerne zu verfolgen und Risiken zu internalisieren, hieß es zuletzt. Die Institute selbst werten dies freilich anders: 93 Prozent der Befragten erwarten, dass die neuen Vorschriften Wettbewerbsvorteile global verschieben. Allein 18 Prozent sehen sich dadurch selbst profitieren. Und 76 Prozent gaben an, dass die eingegrenzten Boni ihre Fähigkeiten einschränken, nach Leistungskriterien zu vergüten.

Auch in der Finanzmetropole London droht der Schuss nun nach hinten loszugehen. In Großbritannien haben zwei Drittel der Finanzdienstleister einer Umfrage zufolge die Gehälter ihrer Mitarbeiter im Schnitt um 20 Prozent erhöht, also gerade noch rechtzeitig, bevor die Bonusobergrenze in der EU in Kraft tritt, erhob Robert Half Financial Services. Mehr als 90 Prozent fürchteten, dass ihnen ausländische Konkurrenten ansonsten ihre Mitarbeiter abspenstig machen. (vk, DER STANDARD, 21.8.2013)

  • Boni sind das Schlagobers-Hauberl der Finanzbranche. Die EU gebietet über allzu exzessiven Genuss Einhalt.
    foto: standard/cremer

    Boni sind das Schlagobers-Hauberl der Finanzbranche. Die EU gebietet über allzu exzessiven Genuss Einhalt.

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