Römerwall an der Grenze zum Welterbe

20. August 2013, 15:50
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Der Grenzwall der Römer entlang der Donau, soll Welterbe werden - Um die Interessen von sieben Ländern unter einen Hut zu bringen, wird an der Donau-Uni Krems eine Strategie entwickelt

Jenseits des Römischen Reichs, in Mittel- und Südosteuropa, lag das "Barbaricum". Am Übergang zur Welt der "Barbaren" legten die alten Römer im Lauf von Jahrhunderten ein rund 5000 Kilometer langes Grenzsicherungssystem an, den sogenannten Limes. Er bestand aus einem mehr oder weniger dicht geknüpften Band aus Kastellen, Wachtürmen, Siedlungen oder Steinmauern und diente vor allem als militärisches Frühwarnsystem und Zollgrenze.

Kleine Teile dieser zum Teil mehr als zwei Jahrtausende alten Grenzanlage finden sich bereits auf der Welterbeliste der Unesco: der Hadrianswall und der Antoninuswall in Schottland sowie der 550 Kilometer lange obergermanisch-rätische Limes zwischen Rhein und Donau in Deutschland.

Die Fortsetzung dieses längsten archäologischen Denkmals in Europa bis zum Schwarzen Meer bildet der Donau-Limes. "Es wäre konsequent, auch diese 2800 Kilometer lange Grenze entlang der Donau in die Welterbeliste einzutragen", meint der Architekt Christian Hanus von der Donau Universität Krems. Um in die Liste der großen (Kultur-)Schätze der Menschheit Eingang zu finden, reicht es aber nicht, dass sich Experten auf der ganzen Welt über die Bedeutung eines Kulturdenkmals einig sind. Als Basis für eine Entscheidung müssen zunächst umfangreiche Nominierungsgrundlagen für das Welterbekomitee erarbeitet werden - und das ist im Fall des Donau-Limes wegen der vielen beteiligten Staaten mit ihren unterschiedlichen Rechtssystemen und Kulturen eine ziemliche Herausforderung.

Allein in Österreich befinden sich 21 archäologische Stätten von Carnuntum über das Kastell in Traismauer bis zur Römersiedlung Mautern. Dazu kommen Überreste des historischen Grenzsystems in Ungarn, Kroatien, Bulgarien, Serbien, Rumänien und die Slowakei. In all diesen Ländern arbeitet man bereits seit Jahren an den nötigen Einreichungen. Unter der Leitung von Christian Hanus vom Department für Bauen und Umwelt ist auch die Donau-Universität Krems an diesem transnationalen Großvorhaben beteiligt. "Zu unseren Aufgaben gehört es nicht nur, den aktuellen Forschungsstand aufzuarbeiten, sondern auch einen nationenübergreifenden Managementplan zur touristischen Erschließung des Donau-Limes zu entwickeln", berichtet Hanus.

Das Projektteam ist eine ausgesprochen multidisziplinäre Gruppe: "Hier arbeiten Denkmalpfleger, Archäologen, Ökonomen, Geologen, Historiker, Politologen, Juristen, Touristiker und sogar Militärs zusammen, um mögliche Interessenkonflikte bereits im Vorfeld zu bereinigen und die angestrebte Eintragung auf stabile Beine zu stellen", erläutert Hanus. So ist auch der militärische Kulturgüterschutz ein wichtiges Thema, befinden sich die antiken Wachtürme und Festigungsanlagen doch an noch heute strategisch interessanten Orten.

Weg von nationalem Wettlauf

Früher gab es weniger Zusammenarbeit, wenn es um die Aufnahme in die exquisite Welterbeliste ging: "Lange Zeit standen hier nationale Interessen im Vordergrund", sagt Peter Strasser, Jurist, Volkskundler und Projektmitarbeiter. "Da ging es vor allem darum, wer die größte Kathedrale, die schönste Altstadt etc. auf der Liste hat. Das führte dazu, dass sich darauf immer mehr einzelne nationale Denkmäler ansammelten." Und diese waren zum Großteil europäischer und christlicher Herkunft. So wurde aus der Welterbeliste mehr und mehr eine christliche "Europaerbeliste".

Deshalb leitete das Welterbekomitee bereits 1994 mit der "Global Strategy" eine Gegenbewegung ein, "die allerdings erst langsam in Gang kommt, weil sich die einzelnen Staaten nur schwer vom nationalen Wettbewerbsdenken lösen können", so Strasser. Immerhin wurden damals die Kategorien des "transnationalen" und des "seriellen" Welterbes geschaffen. Stätten, die wie der Donau-Limes beides vereinen, haben deshalb gute Chancen auf eine Aufnahme.

Die große Herausforderung ist vor allem die Heterogenität der einreichenden Gruppe. "Eine lineare Einreichung von mehreren Ländern funktioniert wie ein Zug: Entgleist ein Waggon, kann der ganze Zug kippen", sagt Strasser. So könnte etwa ein Kreisverkehr oder ein Einkaufszentrum an oder über einer der vielen archäologischen Stätten das gesamte Projekt gefährden. Unterschiedlich sind nicht nur die finanziellen Möglichkeiten, der Siedlungsdruck und die rechtlichen Grundlagen in den einzelnen Ländern am Donau-Limes. Auch die Zahl der Fundstellen, die man zu schützen in der Lage ist, variiert von Land zu Land. So gibt es etwa in Ungarn an die 150, in der Slowakei - die außerhalb des Limes lag und nur von einem kurzen Abschnitt der Donau durchflossen wird - dagegen lediglich zwei.

"Diese Vielfalt erschwert zwar die Einreichung, aber sie macht den Donau-Limes auch zu einem unvergleichlichen Gesamtdenkmal, das durch unterschiedlichste Kulturen, Klimazonen und politische Gebiete führt", betont Strasser. Auf den geplanten "transnationalen Donau-Limes-Kulturfernwanderweg" wird man noch einige Jahre warten müssen. Möglicherweise aber wächst hier eine ernsthafte Konkurrenz zum Jakobsweg heran - der übrigens schon längst einen Platz auf der begehrten Welterbeliste hat. (Doris Griesser, DER STANDARD, 21.8.2013)

  • Die Stadtmauern von Favianis (Mautern) zählen zu den markantesten archäologischen Stätten des österreichischen Donau-Limes. Die gesamte Grenzanlage unter Unesco-Schutz zu stellen ist ein diffiziles Unterfangen.
    foto: hanus

    Die Stadtmauern von Favianis (Mautern) zählen zu den markantesten archäologischen Stätten des österreichischen Donau-Limes. Die gesamte Grenzanlage unter Unesco-Schutz zu stellen ist ein diffiziles Unterfangen.

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