Hohe Umweltgift-Belastung lässt arktische Eismöwen früher sterben

25. August 2013, 18:12
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Vögel mit geringerer Belastung durch chlororganische Verbindungen haben dagegen eine besonders hohe Überlebenschance

London  - Organische Schadstoffe in ihrer Umwelt bedrohen das Leben arktischer Eismöwen. Bei besonders belasteten Vögeln sinke die Überlebensrate, berichten norwegische Wissenschafter über eine Eismöwen-Population auf der Bäreninsel in der Barentssee. Vor allem weibliche Eismöwen seien gefährdet, schreiben sie in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Paradoxerweise haben Vögel mit einer geringen Belastung dagegen eine besonders hohe Überlebenschance. Die genauen Mechanismen und die Auswirkungen auf die Population sind noch nicht vollständig verstanden.

Kjell Einar Erikstad vom Norwegian Institute for Nature Research (Tromso/Norwegen) und seine Mitarbeiter hatten im Jahr 1997 insgesamt 111 ausgewachsene Eismöwen (Larus hyperboreus) beringt. Sie entnahmen den Tieren eine Blutprobe und ermittelten, wie stark sie mit chlororganischen Verbindungen belastet waren. In den folgenden sieben Jahren prüften die Forscher, wie viele der Vögel noch lebten. Sie stellten fest, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit bei sehr stark belasteten Tieren sank.

Chlororganische Verbindungen sind in vielen Produkten der chemischen Industrie enthalten, etwa in Pestiziden, Holzschutzmitteln und vielen Kunststoffen. Sie werden wie auch andere Schadstoffe von Meeresströmungen oder großen Eismassen in die Arktis transportiert.

Eismöwen-Population geschrumpft

Bei Seevögeln und anderen Tieren vor allem auf den oberen Stufen der Nahrungskette sammeln sich diese Schadstoffe im Körper an. Zählungen in der Region haben ergeben, dass die Eismöwen-Population der Bäreninsel zwischen 1987 und 2010 erheblich geschrumpft ist - um etwa acht Prozent pro Jahr, heißt es in der Studie.

Bei Weibchen wirken sich der Untersuchung zufolge schon geringere Schadstoffkonzentrationen als bei Männchen negativ aus. Möglicherweise riefen die Substanzen über das geschlechtsspezifische Hormonsystem unterschiedliche Reaktionen hervor, vermuten die Forscher. Denkbar sei etwa, dass männliche Eismöwen bei hoher Schadstoffbelastung die Fortpflanzung einstellten und sich mehr um das eigene Überleben kümmerten.

Paradoxer Effekt

Gering belastete Eismöwen hatten der Untersuchung zufolge erstaunlicherweise eine besonders hohe Überlebenschance. Sie lag sogar höher als in anderen, weniger belasteten Eismöwen-Populationen. Warum das so ist, können die Forscher nicht sicher erklären. Möglicherweise sterben infolge der Schadstoff-Belastung in erster Linie die empfindlicheren Tiere, so dass über die Jahrzehnte eine Population mit besonders starken und wenig empfindlichen Tiere entstehe, vermuten die Forscher. (APA/red, derstandard.at, 25.08.2013)

  • Hohe Belastungen durch chlororganische Verbindungen lassen bei arktischen Eismöwen die Überlebensrate sinken. Geringer belastete Vögel leben dagegen durchschnittlich länger.
    foto: u.s. fish and wildlife service/sowls

    Hohe Belastungen durch chlororganische Verbindungen lassen bei arktischen Eismöwen die Überlebensrate sinken. Geringer belastete Vögel leben dagegen durchschnittlich länger.

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