Die Systemerhalter

19. August 2013, 18:03
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Im TV kollidiert Pflichtprogramm mit herausragender Fernsehunterhaltung wie "Top of the Lake"

Für herausragende Ereignisse auf dem Gebiet der Fernsehserienunterhaltung sorgen heutzutage zum Beispiel: eine eta­blierte Filmregisseurin und ihr früherer Koautor. Die beiden, Jane Campion und Gerard Lee, denken sich einen über sechs Episoden reichenden Thriller aus – und ungewöhnliche (Frauen-)Figuren. Angesiedelt wird das Unternehmen mit dem Titel "Top of The Lake" in einem markanten neuseeländischen Landstrich. Neben der (vorübergehend schlohweißen) Übertreibungskünstlerin Holly Hun­ter brillieren vor der Kamera der schottische Charakterkopf Peter Mullan mit einschüchternden grauen Zotteln und vor allem eine gestählte Elizabeth Moss ("Mad Men").

Die BBC strahlte am Wochenende das Staffelfinale aus. Aber es kann im Fernsehen nicht nur Highlights geben, sondern auch: die Pflicht, die Routine, die Wiederholung und Variation des Immergleichen, die dem Medium eingeschrieben ist (wer derzeit ans deutschsprachige Öffi- und Kabelkanalnetz angeschlossen ist, weiß sofort, was gemeint ist).

Auch für die Herstellung dieses Pflichtteils gibt es bewährte Fachleute. Ihre Namen liest man, ohne es zu merken, beinahe täglich. "Dick Wolf" steht da in Blockbuchstaben im Vorspann von "Criminal Intent", vor allem jedoch seit 1990 über "Law & Order" und dessen zahlreichen Ablegern. Wolf produziert diese US-Krimiserien fürs Traditionsunternehmen NBC. Klassische, auch inhaltlich systemerhaltende Serienware ist das, die dann ärgerlich im Wohnzimmer herumsteht wie ein mit den Jahren nicht schöner gewordenes, aber doch auch praktisches Möbelstück. Aber an manchen Abenden schaut da sogar einer wie Jeremy Irons vorbei. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 20.8.2013)

  • Schauspielerin Holly Hunter und Regisseurin Jane Campion bei der Präsentation von "Top of the Lake" auf der Berlinale 2013.
    foto: epa

    Schauspielerin Holly Hunter und Regisseurin Jane Campion bei der Präsentation von "Top of the Lake" auf der Berlinale 2013.

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