Ruf nach Führungsstärke und Reformen

Rezension19. August 2013, 16:24
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Hannes Androsch hat mit seinen 75 Jahren den Status des weisen Patriarchen errungen, den er nur mit Hugo Portisch teilen muss. So ist es kein Zufall, dass der Exfinanzminister, Exbankdirektor, Unternehmer und Investor in seinem neuen Buch Das Ende der Bequemlichkeit gern seinen elf Jahre älteren Journalistenkollegen zitiert. Ebenso wie Portisch in Was jetzt versucht Androsch mit seinen sieben Thesen den großen Wurf, geht weit in die Geschichte Österreichs zurück und betrachtet das Land vor allem aus einer europäischen und internationalen Perspektive. Dabei zeigt er sich vorsichtig optimistisch über Österreichs und Europas Zukunftsaussichten, fordert aber dringend jene Führungsstärke von der Politik, die nicht nur er heute dringend vermisst.

Wenig von Androschs Reformvorschlägen ist wirklich neu: Er fordert mehr Geld für Bildung, weniger Macht den Bundesländern und eine konsequente EU-Ausrichtung ohne irgendein Zugeständnis an den Populismus. Auch seine konkreten Empfehlungen sind - mit Ausnahme der Bildung, mit der er sich im Zuge des Bildungsvolksbegehrens intensiv auseinandergesetzt hat - eher dünn gesät. Auffallend ist sein Eintreten für eine enge, aber selbstbewusste Beziehung mit dem großen Nachbarn Deutschland. Und dass Androsch 30 Jahre nach Ende seiner politischen Laufbahn mit der Politik der SPÖ nicht mehr viel am Hut hat, sondern ein Verfechter eines sozial abgefederten Wirtschaftsliberalismus ist, sollte eigentlich niemanden mehr überraschen.

Die konkreten politischen Empfehlungen zum Androsch-Essay liefert der Band Österreich 2050 - FIT für die Zukunft des Rats für Forschung und Technologieentwicklung: Zahlen, Grafiken und Maßnahmen, verfasst von führenden Experten, die alle vernünftig klingen und doch wohl Zukunftsmusik bleiben werden. (Eric Frey, DER STANDARD, 20.8.2013)

  • Hannes Androsch: "Das Ende der Bequemlichkeit". Brandstätter-Verlag 2013, 144 Seiten.
"Österreich 2050 - FIT für die Zukunft". Holzhausen-Verlag 2013, 272 Seiten.
    foto: brandstätter-verlag

    Hannes Androsch: "Das Ende der Bequemlichkeit". Brandstätter-Verlag 2013, 144 Seiten.

    "Österreich 2050 - FIT für die Zukunft". Holzhausen-Verlag 2013, 272 Seiten.

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