Auch Ärzte in Österreich sollen Patientendaten verkaufen

19. August 2013, 14:36
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Ärztekammer kündigt Konsequenzen an - Update: Apotheker weisen Vorwürfe zurück

Nicht nur in Deutschland sollen Patientendaten an Marktforschungsunternehmen verkauft worden sein. Eine Sprecherin der österreichischen Niederlassung der US-Firma IMS Health Inc. bestätigte am Montag im Ö1-"Mittagsjournal", dass österreichische Ärzte Daten von Medikamentenverschreibungen an das Unternehmen verkaufen. 350 heimische Mediziner sollen demnach mit der Firma kooperieren. Die Ärztekammer kündigt Konsequenzen an. Apotheker haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

Verschlüsselte Daten

Eine Sprecherin von IMS Österreich versicherte, dass die Daten durch ein Dritt-Unternehmen verschlüsselt würden und die Verschlüsselung anders als in Deutschland vorgenommen werde. Sie betonte auch, dass Rückschlüsse auf die einzelnen Patienten "absolut nicht" möglich wären. Gleichzeitig gestand sie aber auch zu, dass die Daten differenziert werden nach Altersgruppen und Geschlecht.

"Nicht rechtskonform" ohne Anonymisierung

Ärztekammer-Vizepräsident Karl Forstner erklärte dazu, wenn die Daten verschlüssel und nicht gänzlich anonymisiert weitergegeben werden, sei das "nicht rechtskonform". Persönlich hält der Kammer-Präsident die Vorgangsweise dieser Ärzte für "ethisch bedenklich". Für ihn ist diese Form der wirtschaftlichen Beeinflussung von Ärzten auch unzulässig. "Patienten sollen das bekommen, was sie brauchen, und nicht, was die Pharma-Industrie allenfalls sich wünscht." Die Ärztekammer wolle jedenfalls eruieren, welche Daten genau weitergegeben wurden und inwieweit das rechtskonform ist.

Update: Apotheker weisen Vorwürfe zurück

Die Apothekerkammer und die Pharmazeutische Gehaltskasse haben inzwischen in einer Stellungnahme erklärt, dass in Österreich von den beiden Institutionen keine Medikamentendaten an Privatunternehmen weitergegeben würden. In Deutschland sind die Apothekerrechenzentren, die die Daten nicht ausreichend verschlüsselt weitergegeben haben sollen, in privater Hand, in Österreich nicht.

Nur produktspezifische Absatzzahlen

"Ich kann einen derartigen Datenskandal für Österreich ausschließen", erklärte Gottfried Bahr, Obmann der Pharmazeutischen Gehaltskasse, die Rezeptverrechnung zwischen den öffentlichen Apotheken und den Krankenversicherungsträgern abwickelt. Apothekerkammer-Präsident Max Wellan versicherte, dass sich die Apothekerschaft immer für höchste Standards im Datenschutz eingesetzt habe. Die Firma IMS Health erhalte bei ihren Erhebungen in einzelnen Apotheken ausschließlich produktspezifische Absatzzahlen, aus denen nicht einmal ersichtlich ist, wie viele Kunden, geschweige denn welche Kunden die Apotheke aufsuchen.

Österreich in Sachen Datenschutz eine Insel der Seligen ?

Gesundheitsminister Alois Stöger forderte die Ärztekammer auf, die Vorwürfe des Verkaufs von Medikamentendaten der Patienten restlos aufzuklären, wie sein Sprecher erklärte. Gleichzeitig betonte er, dass der Datenschutz oberste Priorität habe. ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger meinte gegenüber der APA, dass man sich auch im Lichte der Bespitzelung des US-Geheimdienstes NSA fragen müsse, ob Österreich in Sachen Datenschutz eine Insel der Seligen sei oder ob man nicht in Bezug auf die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) beim Datenschutz weiter nachschärfen müsse.

Rechtliche Konsequenzen gefordert

Der SPÖ-Konsumentenschutzsprecher und Vorsitzende des Datenschutzrates, Johann Maier, sowie Team-Stronach-Gesundheitssprecherin Martina Schenk fordern Stöger und die Ärztekammer auf, gegen die betroffenen Ärzte vorzugehen. Die FPÖ forderte als Konsequenz aus dem deutschen Vorfall Gesundheitsminister Alois Stöger auf, das schon beschlossene und im Aufbau befindliche Projekt der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) sofort zu stoppen. (APA, derStandard.at, 19.8.2013)

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