Neue Plattform will Jugendliche bei Coming-out unterstützen

19. August 2013, 18:37
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Homosexuelle Jugendliche leiden in Österreich häufig unter Mobbing - Videobotschaften im Rahmen des Projekts "Es wird besser" sollen ihnen Hoffnung geben

Eine homo- oder bisexuelle Orientierung geht sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für Depressionen und Suizid einher. Auch Panikattacken, Alkohol- und Drogenabhängigkeit kommen signifikant öfter vor. Das belegen internationale Studien. Besonders die Schule ist ein Ort, an dem Homophobie und Mobbing alltäglich sind. Genau in diese Zeit fällt jedoch die sensible Phase, in der sich Jugendliche mit ihrer Sexualität auseinandersetzen und ihr Coming-out haben.

Barack Obama als prominentester Unterstützer

Ein neues Projekt in Österreich will Betroffenen mit Videobotschaften nun Mut machen. "Es wird besser" startete am 19. August. Die Idee kommt aus den USA: Journalist Dan Savage startete das Projekt im Jahr 2010 nach einer Reihe von Suiziden unter homosexuellen Teenagern unter dem Titel "It gets better". Präsident Barack Obama, die damalige Außenministerin Hillary Clinton und Schauspielerin Anne Hathaway beteiligten sich.

Homophobie und Mobbing an österreichischen Schulen

Laut Martin Plöderl, Experte für Suizidprävention von der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg, leiden die Jugendlichen vor allem am Minoritätenstress, also Diskriminierung und Gewalt, die durch Homo- oder Bisexualität motiviert ist: "Die Jugendlichen erhalten weniger soziale Unterstützung. Das macht krank."

Eine Untersuchung hat zum Beispiel gezeigt, dass 14 Prozent der homo- und bisexuellen Teilnehmer einen Suizidversuch hinter sich haben, verglichen mit einem Prozent der heterosexuellen Teilnehmer. Gründe dafür sind erlebte Diskriminierung, Angst vor Ablehnung, Stress, der mit der Geheimhaltung der sexuellen Orientierung verbunden ist, Selbstabwertungen und Isolation. Besonders groß wird der Druck, wenn die Jugendlichen nach ihrem Coming-out keine Unterstützung durch ihre Familie erfahren.

Das Peer-Education-Projekt "peerconnexion" der Homosexuelleninitiative (HOSI) Wien setzt genau bei dieser Altersgruppe an: Männer und Frauen verschiedener sexueller Orientierungen besuchen Schulen und beantworten Fragen zu Homosexualität. "In den vergangenen zwei Jahren hatten wir um 50 Prozent mehr Anfragen", berichtet Mitarbeiterin Cécile Balbous. Sie sei immer wieder überrascht, mit wie viel Unwissen und Berührungsängsten sie bei ihrer Arbeit konfrontiert ist.

Fehlende Unterstützung der Familie

"Bei uns rufen auch immer wieder Eltern an, weil sie glauben, dass ihre Kinder 'therapiert', also heterosexuell werden können", berichtet Hikmet Kayahan, Koordinator der Beratungsstelle Courage, die jährlich mehr als 1.000 Menschen in Wien, Graz oder Innsbruck berät.

Kayahan berichtet jedoch auch gerne von positiven Erlebnissen, wie zum Beispiel über einen Transgender-Jungendlichen, der nach den Sommerferien als Frau in die Berufsschule zurückkehren wollte. Dieser Schritt wurde gemeinsam mit Lehrern und Psychologen vorbereitet. Seine Kollegen zeigten im Gespräch schließlich viel Verständnis, meint der Courage-Mitarbeiter.

Kayahan bemerkt zudem eine Veränderung der Grundstimmung: So würden immer mehr Eltern bei Courage anrufen, weil sie sich auf das Coming-out ihres Kindes vorbereiten und es dabei so gut wie möglich unterstützen wollen. "Vor zehn Jahren war das die absolute Ausnahme", berichtet er.

Die wichtigste Suizidprävention sei der Abbau von Homophobie in der Gesellschaft, betont Cécile Balbous. Und dazu gehört ihrer Meinung nach der Ausbau der gesetzlichen Gleichstellung: "Es reicht nicht nur, sich outen zu können." (derStandard.at, 19.8.2013)

  • Die wichtigste Suizidprävention sei der Abbau von Homophobie in der Gesellschaft, sagt HOSI-Mitarbeiterin Cécile Balbous.
    foto: der standard/heidi seywald

    Die wichtigste Suizidprävention sei der Abbau von Homophobie in der Gesellschaft, sagt HOSI-Mitarbeiterin Cécile Balbous.

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