Britische Kriegsschiffe erreichen Gibraltar

  • Die britische Fregatte HMS Westminster legt am Hafen von Gibraltar an.
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    foto: reuters/jon nazca

    Die britische Fregatte HMS Westminster legt am Hafen von Gibraltar an.

Spanien bewertet Verlegung der britischen Schiffe als Provokation

Gibraltar/London/Madrid - Im Streit mit Spanien um Gibraltar ist am Montag ein britisches Kriegsschiff im Hafen des Überseegebiets angekommen. Die Fregatte HMS Westminster sei im Rahmen eines lange geplanten Marine-Manövers unter dem Namen "Cougar 13" im Mittelmeer, teilte die britische Regierung mit. Einwohner Gibraltars begrüßten das einlaufende Schiff und schwenkten "Union-Jack"-Fahnen. Indes schaltete sich auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso in den wegen Fischereifragen neu aufgeflammten Konflikt ein.

Wie das britische Verteidigungsministerium betonte, hat die Mission des Kriegsschiffs nichts mit dem aktuellen Streit zu tun. Spanien wertet die Verlegung dennoch als Provokation, da es die britische Oberhoheit über die Kolonie bestreitet.

Proteste spanischer Fischer

Tags zuvor hatten spanische Fischer mit ihren Kuttern auf dem Meer gegen die Regierung von Gibraltar protestiert. Die Regierung des britischen Überseegebietes hatte 70 große Betonblöcke ins Meer gelassen und damit ein künstliches Riff erzeugt. Nach Angaben der Regierung war dies nötig, um die Fanggründe vor Gibraltar zu sichern. Nach Meinung Madrids war die Aktion gegen spanische Fischer gerichtet, die dort nun nicht mehr ihre Fangnetze auswerfen können. Madrid reagierte mit verschärften Grenzkontrollen bei der Einreise aus Gibraltar und begründete dies unter anderem mit Angst vor Zigarettenschmuggel.

Barroso will mit Rajoy telefonieren

EU-Kommissionspräsident Barroso kündigte am heutigen Montag an, in dem Konflikt mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy telefonieren zu wollen. Ein Sprecher der EU-Kommission stellte klar, dass spanische Pläne zur Einführung einer Steuer oder Gebühr für den Grenzübertritt zu Gibraltar "illegal und nicht in Einklang mit EU-Recht" wären. Außerdem kündigte die EU-Kommission für September die Entsendung von "Rechtsberatern" an die Grenze zwischen Spanien und Gibraltar an.

Gebühren für Grenzübergang

Der spanische Außenminister Jose Manuel Garcia-Margallo hatte eine Gebühr von 50 Euro pro Grenzübertritt in beide Richtungen vorgeschlagen. Das Geld sollte an spanische Fischer gehen, die wegen eines künstlich angelegten Riffs vor Gibraltar Einbußen hinnehmen müssten. Nach Ansicht von Beobachtern würde sich Spanien mit dieser Maßnahme jedoch ins eigene Fleisch schneiden, da die umliegenden spanischen Gemeinden stark von der Wirtschaft der Freihandelszone Gibraltar abhängig sind. Viele Andalusier pendeln zur Arbeit nach Gibraltar.

Cameron fordert EU-Beobachter

Die EU war vom britischen Premier David Cameron zu Hilfe gerufen worden. Er forderte die EU-Kommission auf, möglichst rasch Beobachter nach Gibraltar zu schicken. Die durch die spanischen Kontrollen entstehenden stundenlangen Wartezeiten an der Grenze seien nämlich unverhältnismäßig und ein Verstoß gegen die EU-Reisefreiheit.

Die EU-Kommission betonte, dass es sich um einen bilateralen Konflikt handle, der auch von den beiden EU-Staaten gelöst werden müsse. "Die Kommission erwartet, dass die beiden EU-Staaten einen Dialog führen", sagte Kommissionssprecher Olivier Bailly.

Der Chefminister von Gibraltar, Fabian Picardo, warf der spanischen Regierung vor, den Konflikt absichtlich zu schüren, um von den eigenen Korruptions- und Schwarzgeldaffären abzulenken. Die Errichtung des künstlichen Riffs sei erforderlich gewesen, damit sich die Meeresfauna in dem überfischten Gebiet erhole. Die spanische Reaktion darauf sei "völlig überzogen" und schade auch jenen Tausenden Spaniern, die in Gibraltar arbeiteten, argumentierte Picardo in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Montag).

Britischer Felszipfel

Das von 30.000 Menschen bewohnte autonome britische Überseegebiet Gibraltar ist auf dem Landweg nur über spanisches Territorium erreichbar. Der Felszipfel an der Südspitze der Iberischen Halbinsel gehört seit rund 300 Jahren zu Großbritannien, wird aber von Spanien beansprucht. Er wurde durch den Friedensschluss von Utrecht im Spanischen Erbfolgekrieg an London abgetreten. (APA, 19.8.2013)

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SYRIEN!!!

Jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Gibraltar ist nur ein Vorwand ... die sind auf dem Weg nach Syrien!!!

Die Engländer haben sich -soweit historisch nachvollziehbar- noch nie um die Rechte anderer gekümmert

und werden das auch zukünftig nicht.
Als "splendid Isolation" erlebten sie das angenehme Sein, das von der Arbeitsleistung anderer profitierte, das eigene Steuern verzichtbar machte und jeden britischen Arsch über jedes koloniales Superhirn stellte.
"I want my Money back" !!!!!
Genau das sollten doch bitte unsere InteressensvertreterInnen endlich in Brüssel einmal einfordern!

Größe & Geschäft machts aus

Bei Hongkong und Macao war die UK-Regierung etwas weniger großmaulig als sie dies bei Gibraltar oder Falkland sind.

"Bei Hongkong und Macao war die UK-Regierung etwas weniger großmaulig "

.
besonders bei Macao!

(Ihre kenntnisse der materie bewegen sich wohl eher im vorschul-niveau?....)

In Hongkong gab es einen Vertrag und Macao war portugiesische Kolonie.

Bei Gibraltar gibts auch einen Vertrag, der klipp und klar besagt, dass der Felsen den Briten gehört.

Zu den Falklands tönen die Briten eigentlich kaum wirklich rum - insbesondere, wenn man Lautstärke und Pathos mit der Art vergleicht, mit der sich zB die Argentinier dem Thema nähern.

Kriegsschiffe?

Was sollen denn die da machen? Auf Spanier schießen? Spanische Fischerboote versenken? Englische Politiker leben anscheinend noch immer im 19. Jahrhundert als man derartige Probleme noch mit der Marine lösen konnte!

eine fürchterliche Geste Anno Stehkragen

So etwas kann doch nur potentiellen Knopfdrückern einfallen.

also wenn man mit 70 Betonblöcken die Lebensgrundlage von den Fischern bedrohen kann, müssen das wohl gewaltige Blöcke sein. Das Meer sollte doch wirklich groß genug sein, oder?

;-)

Auf einmal wendet sich GB an die EU, ansonsten ist ihnen diese allerdings egal und es wird gegen fast alles Einspruch erhoben und Sonderregelungen für sich selbst verlangt.

yep
gegen storno des britenrabatts
könnte sich europa bewegen und helfen

die hätte mehr grund ihre flotte vor die britischen kanalinseln zu schicken. ach ja die eu hat ja keine flotte

Wenn einem (Rajoy)

im eigenen Land das Wasser bis zum Hals steht, sucht man sich halt einen Außenfeind und hofft so, die empörten Wählermassen wieder auf seine Seite zu ziehen. Klappt - leider - häufig.

War auch schon so im Falklandkrieg, als die innen- und außenpolitisch unter Druck geratene Militärregierung Galtieri mit Ihrem Kriegsgeschrei gegen die Briten versuchte, die Nation hinter sich zu einen.

Re: Klappt - leider - häufig.

'
Ist im Falle Galtieri aber böse ins Wasser gefallen. Auch wenn Mme. Kirchner immer wieder versucht, die Geschichte wiederzubeleben...

Haben die Briten einen Friedensnobelpreisträger?

Irgendwer muss diesen Krieg ja führen ...

Re: Haben die Briten einen Friedensnobelpreisträger?

'
Cameron und Rajoy versuchen gerade, sich dafür die nötigen Verdienste zu erwerben.

...eines lange geplanten Marine-Manövers unter dem Namen "Cougar 13"

'
Hat es was zu bedeuten, daß die Briten als Titel für ihr Manöver eine Bezeichnung für in die Jahre gekommene, notgeile Frauen wählen...?

für diejenigen von uns

die nicht tagein tagaus auf xxx seiten herumsurfen ist der cougar dann ganz einfach und unschuldig der berglöwe ;) die vom militär sind aber sicher auch eher auf dieserart seiten unterwegs, als dass sie sich in zoologie auskennen würden!

Re: für diejenigen von uns, die nicht tagein tagaus auf xxx seiten herumsurfen ist der cougar dann ganz einfach und unschuldig der berglöwe ;)

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gabs dazu nicht auch einmal eine einschlägige US-TV-Serie? Nein, nicht auf NatGeo.

läuft wohl unter „Britischen Humor“...

btw

is eh schon alles überfischt - wäre an der zeit, dem ganzen irrsinn einen riegel vorzuschieben. das ist eigentlich das einzig wichtige an diesem ganzen kasperltheater (nur, interessieren tuts eh keine sau)

Doch ...

.. die Norweger interessiert die Überfischung schon länger... die haben ein gutes System, und überwachen die Fangquoten und erlaubten Fanggebiete mit ihrer Marine :-)

ach wirklich? wusste ich nicht - danke für die info. was is mitm walfang? die norweger und isländer sind da aber nach wie vor voll dabei, oder?

die skandinavier sind mir unsympatisch, die sind uns mitteleuropäern in so vielen bereichen so weit vorraus.

Diese Engländer provozieren schon wieder.

Sie werden es niemals lernen.

Meinen Sie mit "Provozieren" das Versenken von Betonklötzen im eigenen Hoheitsgebiet oder das Einlaufen eines Schiffes in den eigenen Hafen?

Was anderes haben die Briten da unten meines Wissens nicht gemacht.

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