Schwacher Yen stärkt Japans Exporteure

19. August 2013, 10:30

Auch Europa kauft mehr japanische Waren, die Verkäufe in die Europäischen Union zogen um 16,6 Prozent an

Tokio - Mit dem billigen Yen und einer stärkeren Weltkonjunktur im Rücken schwingen sich die japanischen Exporteure zur Höchstform auf. Ihre Ausfuhren stiegen im Juli um 12,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit so stark wie seit Ende 2010 nicht mehr. Ökonomen hatten allerdings sogar ein Plus von 13,1 Prozent erwartet. Die Unternehmen steigerten ihren Umsatz nicht nur in den Vereinigten Staaten und in Asien, sondern erstmals seit mehr als einem Jahr auch in Europa, wie das Finanzministerium am Montag in Tokio mitteilte. Das gilt als Signal für eine Belebung der Weltwirtschaft. Experten trauen Japan eine Fortsetzung des Aufwärtstrends zu.

"Der positive Effekt des schwachen Yen wird sich in den kommenden Monaten noch verstärken", sagte der Chefvolkswirt des Instituts Dai-ichi Life, Yoshiki Shinke. Seit November 2012 hat die Währung wegen der extrem lockeren Geldpolitik der Notenbank um etwa ein Fünftel abgewertet, was japanische Waren im Ausland billiger macht. Zu den Profiteuren gehört beispielsweise der Autobauer Toyota.

Hauptabnehmer USA

Hauptabnehmer japanischer Produkte waren im Juli die USA. Die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft schossen um 18,4 Prozent in die Höhe und damit bereits den siebenten Monat in Folge. Die Ausfuhren nach China wuchsen mit 9,5 Prozent mehr als doppelt so stark wie im Vormonat. Die Verkäufe in die Europäische Union - die im Frühjahr ihre Rezession beendete - zogen um 16,6 Prozent an.

Trotz der gut laufenden Auslandsgeschäfte verbuchte Japan das drittgrößte Handelsdefizit seiner Geschichte, da die Importe mit 19,6 Prozent so stark zulegten wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Einfuhren übertrafen die Exporte um 1,02 Bill Yen (7,84 Mio. Euro). Ökonomen hatten ein Defizit von lediglich 785,6 Mrd. Yen erwartet. Grund für das Minus sind die auch wegen des schwachen Yen gestiegenen Kosten für Erdöl- und Flüssiggas-Importe. "Das ist ein ziemlich großes Defizit und schlecht für japanische Unternehmen, die unter steigenden Kosten leiden", sagte Chefvolkswirt Shinke. "Japan dürfte bis in das Jahr 2015 hinein keinen Handelsüberschuss schaffen." (Reuters, 19.8.2013)

Share if you care
2 Postings
Tja, das geht nur, wenn man als Staat eigenständig handeln kann.

In der EU dürfen wir halt nur mitmachen, was Merkel & Co. wollen und einen merkbaren Widerstand kann man von Faymann mangels festem Rückgrat (= Gartenschlauch) sowieso nicht erwarten. Wir müssen unser Geld für alle diese Spinnereien der EU (unsinnige Förderungen, ESM etc.) hinauswerfen.

1) Naja - wie man sieht bringt der schwache Yen zwar Vorteile bei den Exporten, allerdings für ein Land, dass ziemlich viele Rohstoffe importieren muss (wie Japan, oder auch Österreich) auch ziemlich große Nachteile - schwacher Yen = gut für Exporte = schlecht für Importe ...
Und mir graut wenn ich alleine daran denke, wie Faymann und Spindelegger an der Geldmengen- und Wechselkursschraube herumdrehen

2) Ad Redaktion: Bei der Umrechnung fehlen ein paar Nuller:
1,02 Bill Yen sind 7,84 MILLIARDEN Euro, nicht Millionen. Die Japaner wären wohl froh ;)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.