Nahrungsmittel für die Seele

19. August 2013, 06:58
  • Erhielt Ovationen: der Brite Ben Gernon. 
    foto: apa/franz neumayr

    Erhielt Ovationen: der Brite Ben Gernon. 

Das Salzburger Preisträgerkonzert von Ben Gernon

Salzburg - Die Honigmelone kostet beim Obststand hinter der Universitätskirche von Salzburg 4,50 Euro, und auch der junge Mann, der nur wenige Schritte davon entfernt, in der Felsenreitschule, ein großes Orchesterkonzert dirigiert, darf auf dem Markt der Nachwuchsdirigenten nun wohl auf etwas saftigere Honorare hoffen als das Gros seiner Altersgenossen.

Ben Gernon hat den diesjährigen Young Conductors Award von Nestlé und den Salzburger Festspielen gewonnen. Den Karrieren seiner Vorgänger ist dies nicht schlecht bekommen: Die Litauerin Mirga Grazinyte-Tyla, Preisträgerin 2012, dirigiert an der Komischen Oper Berlin, David Afkham (2010) leitet ab 2014 das spanische Nationalorchester, und Ainars Rubikis (2011) hat es in die Kälte gezogen, als Musikdirektor der Oper von Nowosibirsk.

Mit Beethovens Violinkonzert wird eröffnet, zu einem weichen Bogen modelliert der 24-Jährige die erste Phrase der Holzbläser; vorsichtig, tastend, äußerst behutsam musizieren die Streicher im Kopfsatz. Das reservierte, adrette, fast etwas zu handzahme Spielverhalten des Gustav Mahler Jugendorchesters korrespondiert mit dem fein gewobenen Tuch, das etliche der Herren im Publikum in gedeckten Farben am Leibe tragen - darunter Peter Brabeck-Letmathe, der Verwaltungsratsvorsitzende des Sponsors. Nestlé, der Schweizer Nahrungsmittelgigant, fördert die Salzburger Festspiele, diese Luxusnahrungsmittel für die Seele produzierende Institution, ja schon seit Längerem.

Ben Gernon, schlagtechnisch sicher, motivationsfähig, äußerst konzentriert, zeichnet die Themen weich und leicht singend, jedoch auch etwas gleichförmig; wie auf Zehenspitzen und in Zeitlupe wird das Larghetto interpretiert. Arabella Steinbacher, feingliedrig wie auch energisch musizierend, erlaubt sich, kleine Wirbelwinde in Gernons britische Behutsamkeiten einzufügen. Den Turbo zündet die deutsche Violinistin dann in der Kadenz des dritten Satzes.

Luftige Zartheit

Ihre Zugabe, der erste Satz von Prokofiews Solosonate für Violine, leitet zum zweiten Werk des Samstagmittags über, der fünften Symphonie des Russen. Da ist kraftvolles Glühen und Strömen im ersten Satz, Schärfe und Biss im zweiten, der dritte spannt einen Bogen zwischen Brutalität und engelhaft luftiger Zartheit. Ben Gernon - optisch gleichsam ein kompakt gebauter Bruder von Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe - nimmt dafür schlussendlich begeisterte Ovationen sowie, aus der Hand von Jurypräsident Ingo Metzmacher, auch den Pokal des Preisträgers entgegen. (end, DER STANDARD, 19.8.2013)

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