Rot-Schwarz-Grün sind die Modefarben im Polit-Herbst

18. August 2013, 18:32
146 Postings

Die derzeitige rot-schwarze Regierung bekommt schlechte Noten - nur sieben Prozent der Wahlberechtigten wünschen sich eine Fortsetzung in dieser Form

Wien - 69 Prozent der Wahlberechtigten wünschen sich die SPÖ in der nächsten Regierung, 67 Prozent die ÖVP. Das heißt aber nicht, dass der bestehenden Regierungskoalition auch für die nächsten fünf Jahre der Segen gegeben würde. Ein genauerer Blick auf die Daten zeigt nämlich, dass die Kombination von (nur) SPÖ und ÖVP gerade einmal von sieben Prozent der Wähler für attraktiv gehalten wird.

"Rot-Schwarz-Grün - das ist der eigentliche Hit", liest Market-Meinungsforscher David Pfarrhofer aus der Tabelle, in der die rund 100 Kombinationen der Nennungen zusammengefasst wurden. Der Standard ließ 401 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten folgende Frage vorlegen: "Für die Bildung einer Regierung werden nach der Wahl zwei oder mehr Parteien nötig sein; welche Parteien sollen nach der Wahl mit Ministern in der Regierung vertreten sein, welche Parteien sollten Ihrer Meinung nach nicht vertreten sein?"

Dabei zeigt sich, dass einige Befragte gar keine Angabe machen (neun Prozent) oder nur einer einzigen Partei Regierungsämter zutrauen (was sich auch auf mehrere Prozent der Befragten addiert). Zudem gibt es rechnerisch (und wohl erst recht politisch) unmögliche Kombinationen - wenn sich etwa ein Prozent der Wahlberechtigten eine blau-grüne Koalition wünscht oder einzelne Befragte von einer Regierung aus Grünen und Neos träumen. Mit 19 Prozent führt die sogenannte Kenia-Koalition (benannt nach den kenianischen Nationalfarben Schwarz, Rot und Grün) die Wunschliste an. Dann kommt lange nichts bis zu den sieben Prozent der aktuellen rot-schwarzen Regierung. An dritter Stelle kommt mit vier Prozent eine Viererkombination aus Rot, Schwarz, Grün und dem Team Stronach, etwa gleichauf mit der (rechnerisch schwer möglichen) rot-grünen Koalition. Auf drei Prozent brächte es die etwas wild zusammengewürfelte Mischung aus SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grünen.

Acht Prozent wollen KPÖ

In etlichen solcher wilden Mischungen - vor allem, aber nicht nur solchen, die die ÖVP ausschließen - kommt auch die KPÖ als Regierungspartei vor. Insgesamt sind es acht Prozent (darunter viele erklärte Grün-Wähler, Wiener und Steirer), die mit kommunistischen Ministern liebäugeln, obwohl die KPÖ in der Hochrechnung nur auf ein Prozent der Stimmen käme. Allerdings lehnen 67 Prozent kommunistische Regierungsmitglieder kategorisch ab, 62 Prozent sagen auch, dass die KPÖ nicht einmal im Parlament vertreten sein sollte.

Die erklärte Ablehnung von Regierungsbeteiligungen trifft auch die aktuellen Regierungsparteien: 21 Prozent der Wahlberechtigten wollen die ÖVP ausdrücklich nicht in der nächsten Regierung sehen, 18 Prozent wollen eine Regierung ohne die SPÖ. Für die beiden derzeitigen Regierungsparteien gilt, dass sie vor allem von erklärten Anhängern der FPÖ aus dem Amt gewünscht werden.

Umgekehrt sagen 55 Prozent, dass die Freiheitlichen nicht in die Regierung sollen (30 Prozent nennen die Blauen in der einen oder anderen Kombination als mögliche Partner). Es sind vor allem Wähler der SPÖ und der Grünen, die die FPÖ als Regierungspartei ablehnen - aber auch in der ÖVP-Wählerschaft ist eine Mehrheit erklärt gegen eine Regierungsbeteiligung von Strache und Co.

Die Grünen werden von den Anhängern aller Parteien mit Ausnahme der FPÖ-Wähler mehrheitlich in der Regierung gewünscht. Nur 28 Prozent sagen dezidiert, dass sie die Grünen nicht in der Regierung wollen.

Auffallend ist, dass auch Kleinstparteien wie Neos oder die Piraten, deren Parlamentseinzug nach der derzeitigen Datenlage eher unwahrscheinlich ist, von einer beachtlichen Zahl von Befragten als mögliche Regierungsparteien genannt werden.

Übrigens: Eine schwarz-blaue Koalition (allein von der erwarteten Stimmenzahl unrealistisch) wünscht sich nur einer von 100 Befragten. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 19.8.2013)

  • Fast ein Fünftel der Wahlberechtigten würden Werner Faymann (re.) und Michael Spindelegger die Grünen zur Seite stellen.
    foto: apa/schlager

    Fast ein Fünftel der Wahlberechtigten würden Werner Faymann (re.) und Michael Spindelegger die Grünen zur Seite stellen.

  • Koalitionspräferenzen
    grafik: der standard

    Koalitionspräferenzen

Share if you care.