Fraser-Pryce 20 Minuten schneller als Bolt

18. August 2013, 19:48
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Jamaikanerin gewinnt mit Erfolg in der 4x100m-Staffel ebenso wie ihr Landsmann alle drei Sprint-Titel - Weltrekordler nun auch erfolgreichster Athlet der WM-Geschichte

Moskau - Shelly-Ann Fraser-Pryce blieb bis zuletzt einen Schritt vor Usain Bolt. Die Jamaikanerin gewann am Sonntag bei der Leichtathletik-WM in Moskau ihren dritten Titel - Gold mit der jamaikanischen 4x100m-Staffel in einem endlich gut gefüllten Luschniki-Stadion. Zuvor hatte Fraser-Pryce bereits über die 100- und 200-Meter-Distanz dominiert. Weit hinter den Jamaikanerinnen (neben Fraser-Pryce Carrie Russell, Kerron Stewart und Schillonie Clavert), die in WM-Rekordzeit (41,29) einkamen, landeten Titelverteidiger USA (42,75) und Großbritannien (42,87) auf den Plätzen. Die ursprünglich zweitplatzierten Französinnen wurden disqualifiziert.

Superstar Bolt zog 20 Minuten später nach, mit seinem dritten Gold krönte er sich auch zum erfolgreichsten Athleten der WM-Geschichte. Der Weltrekordler finalisierte für die jamaikanischen Herren (Nesta Carter, Kemar Bailey-Cole und Nickel Ashmeade) als Schlussläufer zum Titel über nämliche Distanz (37,36 Sekunden). Auf den Plätzen landeten die USA (37,66) und Kanada (37,92). Die ursprünglich drittplatzierten Briten (37,80) wurden disqualifiziert. Auch die Amerikaner waren gefährdet, Justin Gatlin schien beim Wechsel seine Bahn verlassen zu haben.

Mit nun insgesamt 8 Gold- und zwei Silbermedaillen überflügelte Bolt in seiner Gesamt-WM-Bilanz Carl Lewis (8/1/1). Für Bolt ist es das vierte Triple bei einem Großereignis nach WM 2009 sowie Olympia 2008 und 2012. Bolt will bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro sein Triple noch einmal wiederholen, "das hat noch niemand geschafft." Auch nicht Lewis, dessen neun olympische Goldmedaillen nun der Ansporn sind.

Über 1500 Meter verteidigte der Kenianer Asbel Kiprop seinen Titel erfolgreich. Er gewann das Finale über die Mittelstrecke nach 3:36,28 Minuten vor Matthew Centrowitz aus den USA (3:36,78) und Johan Cronje aus Südafrika (3:36,83). Österreichs Vertreter Andreas Vojta war über den Vorlauf nicht hinaus gekommen und wurde Gesamt-28.

Das gelang Maria Sawinowa aus Russland über 800 m der Frauen nicht. Die Titelverteidigern (1:57,80 Minuten) musste sich im Zielsprint der Kenianerin Eunice Sum (1:57,38) geschlagen geben, Bronze ging an Brenda Martinez aus den USA (1:57,91). Die beherzte Flucht nach vorne Alysia Johnson Montano wurde nicht belohnt, wenige Meter vor dem Ziel wurde sie abgefangen und stürzte als Vierte über die Linie. Die Olympia-Zweite und Weltmeisterin von Berlin, Caster Semenya (Südafrika), fehlte wegen Formschwäche.

Eine außergewöhnliche Leistung zeigte der Franzose Teddy Tamgho im Dreisprung. Der Hallen-Weltmeister von 2010 sprang im letzten Versuch zur Jahresweltbestleistung von 18,04 m und distanzierte so den Kubaner Pedro Pablo Pichardo (17,68), der als Führender der Weltrangliste nach Moskau gereist war. Bronze ging an den Olympiazweiten Will Claye (USA) mit 17,52 m. Tamgho ist erst der dritte 18-Meter-Springer nach Weltrekordler Jonathan Edwards (Großbritannien/18,29) und Kenny Harrison (USA/18,09).

Den ersten großen Titel ihrer Karriere sicherte sich die Olympiazweite Christina Obergföll im Speerwurf. Die Deutsche verwies mit im zweiten Versuch erzielten 69,05 m die überraschende Kimberly Mickle aus Australien auf Rang zwei (66,60). Bronze gewann Top-Favoritin und Titelverteidigerin Maria Abakumowa aus Russland (65,09 m). "Acht Jahre warte ich schon darauf", sagte Obergföll, die am 21. September ihren Trainer und Freund Boris Henry heiraten wird, er wird den Namen der Ehefrau annehmen.

Bei den erst vierten Weltmeisterschaften ohne Weltrekord gab es ein Novum: Erstmals in der WM-Historie beherrschte ein Gastgeber den Medaillenspiegel: Russland (7 Gold, 4 Silber, 6 Bronze) verdrängte bei den oft unter Zuschauer- und Stimmungsmangel leidenden 14. Titelkämpfen die USA von der Spitze. Als Nachfolger der DDR (1983 und 1987) hatten die USA von 1991 bis 2011 in Serie das meiste Gold geholt. Sie gewannen in Moskau (6-13-6) jedoch die meisten Medaillen.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF feiert zum Abschluss der Meisterschaften dennoch hervorragende Besucherzahlen. Wie bekannt gegeben wurde, haben über 268.548 Zuschauer die acht Final-Abschnitte im Stadion verfolgt, mit VIPs, Gästen, Journalisten und Athleten soll die Besucherzahl sogar bei 396.548 gelegen haben. Demnach sei der Wert der WM 2011 in Daegu/Südkorea klar übertroffen worden. Im Rahmen der WM wurden im Kampf gegen Doping 1.900 Blut- und 600 Urinkontrollen durchgeführt. Die nächste WM geht 2015 im Olympiastadion von Peking in Szene. (sid/bausch - 18.3. 2013)

ENTSCHEIDUNGEN am Sonntag:

Männer:

1500 m, Finale:

Gold: Asbel Kiprop (Kenia) 3:36,28 Minuten

Silber: Matthew Centrowitz (USA) 3:36,78

Bronze: Johan Cronje (Südafrika) 3:36,83,

4. Nixon Kiplimo Chepseba (Kenia) 3:36,87, 5. Homiyu Tesfaye (Deutschland) 3:37,03, 6. Silas Kiplagat (Kenia) 3:37,11, 7. Mekonnen Gebremedhin (Äthiopien) 3:37,21, 8. Hendrik Ingebrigsten (Norwegen) 3:37,52.

4x100 m, Finale:

Gold: Jamaika (Carter, Bailey-Cole, Ashmeade, Bolt) 37,36 Sekunden (WJB)

Silber: USA (Silmon, Rodgers, Salaam, Gatlin) 37,66

Bronze: Bronze: Kanada (Smellie, Brown, Richards-Kwok) 37,92

4. Deutschland 38,04, 5. Niederlande 38,37, 6. Japan 38,39, 7. Trinidad und Tobago 38,57. - disqualifiziert: Großbritannien

Dreisprung, Finale:

Gold: Teddy Tamgho (Frankreich) 18,04 m (JWB)

Silber: Pedro Pablo Pichardo (Kuba) 17,68

Bronze: Will Claye 17,52,

4. Christian Taylor (beide USA) 17,20, 5. Alexsej Fedorow (Russland) 16,90, 6. Marian Oprea (Rumänien) 16,82, 7. Gaëtan Saku Bafuanga Baya (Frankreich) 16,79, 8. Fabrizio Schembri (Italien) 16,47.

Frauen:

800 m, Finale:

Gold: Eunice Jepkoech Sum (Kenia) 1:57,38 Minuten

Silber: Maria Sawinowa (Russland) 1:57,80

Bronze: Brenda Martinez 1:57,91,

4. Alysia Johnson Montano (beide USA) 1:57,95, 5. Jekaterina Poistogowa (Russland) 1:58,05, 6. Ajee Wilson (USA) 1:58,21, 7. Natalia Lupu (Ukraine) 1:59,79, 8. Lenka Masna (Tschechien) 2:00,59.

4x100 m, Finale:

Gold: Jamaika (Russell, Stewart, Calvert, Fraser-Pryce) 41,29 Sekunden

2. USA (Tarmoh/Anderson/Gardner/Freeman) 42,75

3. Großbritannien (Asher-Smith/Ashleigh/Lewis/Jones) 42,87

5. Deutschland 42,90, 6. Russland 42,93, 7. Kanada 42,28. - disqualifiziert: Frankreich; ausgeschieden: Brasilien

Speerwurf, Finale:

Gold: Christina Obergföll (Deutschland) 69,05 m

Silber: Kimberley Mickle (Australien) 66,60

Bronze: Maria Abakumowa (Russland) 65,09,

4. Linda Stahl (Deutschland) 64,78, 5. Kathryn Mitchell (Australien) 63,77, 6. Sunette Viljoen (Südafrika) 63,58, 7. Viktoria Sudaruschkina (Russland) 62,21, 8. Li Lingwei (China) 61,30.

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