Kopten zwischen den Fronten

17. August 2013, 08:39
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Christliche Minderheit zunehmend Ziel von Attacken

Kairo/Wien – Im blutigen Konflikt zwischen den Anhängern des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Morsi und der vom Militär eingesetzten Übergangs­regierung geraten Ägyptens koptische Christen immer mehr in Bedrängnis. Nach der blutigen Räumung von Protestlagern der Morsi-Anhänger am Mittwoch attackierten radikale Islamisten Einrichtungen der koptischen Minderheit in neun Provinzen.

Die christliche Zeitung Watani spricht von 35 Angriffen auf Gotteshäuser und andere christliche Einrichtungen, nach Polizeiangaben wurden 26 Kirchen verwüstet und 13 weitere Gotteshäuser leicht beschädigt. Außerdem attackierten die Extremisten nach diesen Angaben sechs christliche Schulen und vier Gemeindezentren. In Suez etwa wurde eine Schule der Franziskaner angezündet, in den südlichen Provinzen Minya und Luxor Häuser, Autos, Geschäfte und Ausflugsboote, die Christen gehören.

Nicht alle dieser Meldungen lassen sich unabhängig bestätigen; dass die Kopten, die Schätzungen zufolge rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung ausmachen, aber zunehmend zum Ziel werden, scheint klar. Laut Berichten der BBC gleichen einige mehrheitlich koptische Orte in Mittelägypten derzeit Geisterstädten. Die Bewohner weigern sich aus Furcht vor neuen Ausschreitungen, ihre Häuser zu verlassen.

Die Muslimbrüder lehnten die Verantwortung für die Attacken ab. Ihr Sprecher Gehad al-Haddad erklärte via Twitter: "Wir werden immer gewaltfrei und friedlich sein. Wir werden so lange Druck machen, bis wir diesen Militärputsch zu Fall bringen."

Sprecher der Bewegung beschuldigen ihrerseits die Regierung, die Spannungen anzuheizen. Sie verweisen dabei etwa auf einen Vorfall, als in Alexandria vier Demonstranten bei Zusammenstößen starben. Die Muslimbrüder waren verdächtigt worden, eine koptische Kirche in Brand setzen zu wollen.

Koptenpapst als Feindbild

Zum Feindbild wurden die Kopten für viele Islamisten, mit denen sie bei den Protesten 2011 noch gemeinsam gegen Hosni Mubarak demonstriert hatten, wegen ihrer Teilnahme an der Protestbewegung gegen Morsi, von dessen politischem Kurs sie sich benachteiligt fühlten. Insbesondere wird ihrem geistlichen Oberhaupt, dem koptisch-orthodoxen Papst Tawadros II., übelgenommen, gemeinsam mit dem Großscheich der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyib, Armeechef Abdelfattah al-Sisi flankiert zu haben, als dieser im TV Morsis Absetzung verkündete. (dpa, AP, DER STANDARD, 17.8.2013)

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