Restlessen nach dem Uni-Fest in Linz und Krems

Kommentar der anderen16. August 2013, 18:35
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Die Zustimmung der Hochschulen zur Med-Fakultät in Linz und zum Promotionsrecht in Krems wurde mit finanziellen Versprechungen an die anderen Universitäten und Fachhochschulen erkauft. Aber wer sorgt dafür, dass diese nicht in Vergessenheit geraten?

Großer Jubel und große Freude ob der Tatsache, dass gestern zwei Projekte, nämlich die Medizin-Fakultät in Linz und das Promotionsrecht für die Donau-Universität Krems, durch den Ministerrat gingen und quasi ein "Go" bekommen haben. Aber wer hat eigentlich Grund zur Freude? Und worüber sollte man sich eigentlich freuen?

Grund zur Freude dürften dieser Tage zwei Landeshauptmänner haben. Josef Pühringer darf stolz sein, dass er um teures Geld in den nächsten Jahren 200 Medizinstudenten nach Linz lockt, wobei diese einen Teil des Studiums in Graz absolvieren werden. Erwin Pröll wird es als Erfolg werten, dass man nun in Krems wahrscheinlich gegen Bezahlung ein Doktorat bekommt.

Die Medizinstudienplätze hätten günstiger und effizienter auf die bestehenden Unistandorte aufgeteilt werden können. Darüber zu lamentieren ist müßig. Schließlich hat die Hochschulkonferenz der Gründung der Medizin-Fakultät zugestimmt, und somit ist die Sache gegessen.

Keine Zahlen der Ministerien

Worüber man sich nun aber zu Recht freuen müsste, sind die von der Hochschulkonferenz ausverhandelten Bedingungen, an die sie ihre Zustimmung geknüpft hat und ohne deren Erfüllung es keine neue Medizin-Fakultät geben dürfte. Das wären unter anderem für die Universitäten zusätzliche Mittel ab 2016 zur Abdeckung der laufenden Kosten und für die Fachhochschulen ab 2014 der Ersatz des bisherigen Inflationsverlustes sowie etwas kryptisch ein weiterer Ausbau der Studienplätze ab 2015. Das Einfließen dieser Forderungen in den Ministerratsbeschluss ist aus meiner Sicht das eigentlich zu bejubelnde Ergebnis. Monatelang hat sich die Fachhochschulkonferenz (FHK) um einen neuen Entwicklung- und Finanzierungsplan, um Valorisierung und weiteren Ausbau in vielen Gesprächen bemüht. Nichts ist passiert. Nun scheint es aber gelungen zu sein, dass die so dringenden Maßnahmen für den FH-Sektor ab 2014 auch umgesetzt werden! Aber vielleicht ist mein Optimismus verfrüht?

Es wurden bis dato weder vom Wissenschafts- noch vom Finanzministerium Zahlen genannt, was der besiegelte Ausbau der Fachhochschulen, die Valorisierung sowie die anderen ambitionierten Versprechungen kosten. Sehr wohl war man aber eifrig damit beschäftigt, aussagekräftige Berechnungen über die anfallenden Kosten bis ins Jahr 2028 bzw. 2042 (sic!) für die Med-Fakultät anzustellen und diese gleich mitbeschließen zu lassen. Die Forderung unsererseits, die Bedingungen der Hochschulkonferenz an eine Med-Fakultät ebenfalls mit Zahlen zu konkretisieren, wurde damit abgetan, man könne und wolle eine künftige Regierung nicht finanziell binden.

Nützliche Idioten?

Vielleicht war es aber von Anfang an so gedacht, dass nur ein Teil der Bedingung, nämlich die Med-Fakultät, erfüllt werden soll und der "Rest" so schnell wie möglich vergessen gehört. Übrigens, der von mir genannte "Rest" ist in Wahrheit der eigentliche gesellschafts- und bildungspolitische Erfolg. Mehrere Tausend neue Studienplätze an Fachhochschulen wären tatsächlich eine Ansage an junge Menschen, vor allem an jene Studierwilligen, die wegen fehlender Studienplätze abgewiesen werden müssen. Wie wir alle wissen, was nicht in konkrete Zahlen gegossen wird, das kostet nichts; was nichts kostet, ist nichts wert; und was nichts wert ist, das wird auch nicht umgesetzt. Die FHK wird jedenfalls dafür Sorge tragen, dass das, was uns versprochen wurde, umgesetzt wird und nicht in Vergessenheit gerät.

Wir müssen eingestehen, dass man von den älteren Politprofis einiges lernen kann, wie man Interessen leise, aber effektiv umsetzen lässt. Ein besonderes Gustostückerl ist dem Ministerium gelungen, indem es die gesetzliche Regelung zum Promotionsrecht an der Donau-Uni gleich nach dem Ministerrat in Begutachtung geschickt hat, obwohl zuvor die Abstimmung mit der Hochschulkonferenz auf dem Plan stand. Die Skeptiker der Hochschulkonferenz werden wohl recht gehabt haben - nützliche Idioten!? (Kurt Koleznik, DER STANDARD, 17.8.2013)

KURT KOLEZNIK ist Generalsekretär der Fachhochschulkonferenz.

  • Kurt Koleznik will beim Geld für FHs nicht lockerlassen.
    foto: standard/corn

    Kurt Koleznik will beim Geld für FHs nicht lockerlassen.

  • Fachhochschulen wie das Technikum Wien an der Dresdner Straße verfügen über moderne Bauten, aber zu wenige Studienplätze.
    foto: standard/corn

    Fachhochschulen wie das Technikum Wien an der Dresdner Straße verfügen über moderne Bauten, aber zu wenige Studienplätze.

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