Seniorenplattform auch für junge Behinderte in Hallein

16. August 2013, 18:10
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Der Bürgermeister der Stadt hält einen zusätzlichen Beirat für überflüssig

Hallein - Ein neues Behinderten-WC, das nicht verschließbar ist, eine neue Rampe zur Postfiliale, die wegen des falschen Winkels mit dem Rollstuhl nicht befahrbar ist - der Halleiner Vizebürgermeister Walter Reschreiter (SPÖ) kennt einige Fehler, die mit einem Behindertenbeirat nicht passiert wären. Wie der Standard berichtete, sträubt sich die ÖVP gegen das Beratungsgremium zur Mitbestimmung von Behinderten in der zweitgrößten Stadt Salzburgs.

SPÖ, Grüne und Zivilinvalidenverband (Öziv) beharren auf dessen Einrichtung. "Wenn ein Plan erstellt wird für Umbaumaßnahmen, sollten Behinderte gleich einbezogen werden, anstatt später teuer umbauen zu müssen", betont Anna Gsenger vom Öziv.

Kein Bedarf für Beirat

Halleins Bürgermeister Gerhard Anzengruber (ÖVP) sieht jedoch keinen Bedarf: "Ich will nicht nur Arbeitskreise und Besprechungsgruppen installieren, ich bin lösungsorientiert." Auch ohne Beirat würde die Stadt Hallein auf die Bedürfnisse behinderter Menschen eingehen. Seit sechs Jahren werde nur noch barrierefrei gebaut, Behindertenparkplätze sieht Anzengruber als "eine Selbstverständlichkeit", und die nächste Gemeinderatssitzung werde in das Kolpinghaus verlegt, denn das 600 Jahre alte Rathaus ist mit einem Rollstuhl nicht erreichbar. Die Aufgaben eines Beirats könne die Seniorenplattform übernehmen, die auch bisher die Stadt beim barrierefreien Bauen beraten habe, meint Anzengruber. Er will die überparteiliche Plattform ausweiten und dessen Bezeichnung ändern, um Menschen mit Behinderung zu inkludieren.

Für Anna Gsenger ist das aber zu wenig: "Junge behinderte Leute wollen selbstbestimmt leben, nicht fremdbestimmt." Der Behindertenbeirat würde der Stadt nichts kosten, deshalb verstehe Gsenger nicht, warum sich der Bürgermeister so dagegen sträube: "Anzengruber braucht sich nicht fürchten, dass wir wo dreinreden. Wir wollen nur mitbestimmen."

Vizebürgermeister Reschreiter sieht in der Haltung der ÖVP einen "fast kindlichen Streit". Bürgermeister Anzengruber hingegen bezeichnet Reschreiters Vorgehen über die Medien als "absoluten Populismus". (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 17.8.2013)

  • "Wenn ein Plan erstellt wird für Umbaumaßnahmen, sollten Behinderte gleich einbezogen werden, anstatt später teuer umbauen zu müssen", betont Anna Gsenger vom Zivilinvalidenverband.
    foto: thomas kienzle/ap/dapd

    "Wenn ein Plan erstellt wird für Umbaumaßnahmen, sollten Behinderte gleich einbezogen werden, anstatt später teuer umbauen zu müssen", betont Anna Gsenger vom Zivilinvalidenverband.

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