Die Resignation der Straße

16. August 2013, 17:07
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Der Kunstraum Innsbruck widmet sich der Street-Art: Erstmals sind Arbeiten aus Myanmar und Malaysia zu sehen

Innsbruck - Der Künstler BLU weist im Vorspann zu seinem Film Moto darauf hin, dass dieser nicht für den Kommerzgebrauch gedacht ist. Und schon begibt sich im nächsten Take eine gezeichnete Figur auf die Reise durch eine Stadt. Sie nimmt laufend neue Formen an und bahnt sich ihren Weg über Mauern, Straßen und Gehsteige. Eben über jene Hindernisse, wo die Street-Art ursprünglich zu finden war und direkt Widerstand gegen gesellschaftliche Zustände leistete.

Ein Teil der Street-Art-Künstler und -Künstlerinnen begibt sich jedoch seit Jahren in den geschützten Raum von Galerien. Und auch die Gestaltungsmittel entstammen mehr und mehr den klassischen Gattungen wie Skulptur, Malerei und Zeichnung. Die Ausstellung Urbane Folklore! im Kunstraum Innsbruck ist hier keine Ausnahme.

Sie zeigt einige Arbeiten von Herbert Baglione, Bibichun, BLU, Shepard Fairey, A. J. Fosik, Os Gemêos, Koralie, Daniel Man, 9 Micro + Bart, Thu Myat, Mirko Reisser, SupaKitch, Vitché und Zezão. Aus Europa, den USA, Brasilien und Asien stammend, eint diese Künstler, dass sie sich spielerisch mit dem Begriff der Folklore auseinandersetzen.

Dominiert wird dabei die Ausstellung von einem abstrakten Wandbild des Künstlers Mirko Reisser und einer Rauminstallation aus bunten Würfelkombinationen von Daniel Man.

Es sind aber die kleineren Arbeiten, die die kulturellen Hintergründe aufzeigen und die individuelle Handschrift der Künstler und Künstlerinnen verdeutlichen: Herbert Baglione zeigt in seinem Gemälde einen auf dem Boden liegenden Mann, der von kleinen Wesen heimgesucht wird; Koralies Ausbildung in der Architektur wird in der minutiösen Zeichnung der Notre Dame des Demoiselles de Burano oder in asiatisch anmutenden und präzise gemalten Figuren deutlich. Es scheint, als ob sich die Street-Art nun wohl ganz bewusst der Galeriensprache bedient, um die Straße zu verlassen und in die kommerzielle Galerienwelt abzutauchen. (Tereza Kotyk, DER STANDARD, 17./18.8.2013)

  • Street-Art in Innsbruck: Koralie & SupaKitch, "Wild Water", aus dem Jahr 2012.
    foto: kunstraum innsbruck

    Street-Art in Innsbruck: Koralie & SupaKitch, "Wild Water", aus dem Jahr 2012.

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