Eine Entschuldigung ist nicht genug

Rezension | Peter Mayr
16. August 2013, 17:00
  • Zuerst fällt der Hausmeister. Dann ist eine Entschuldigung fällig.
    foto: dtv-verlag 2013

    Zuerst fällt der Hausmeister. Dann ist eine Entschuldigung fällig.

In diesem charmanten Kinderbuch lernt Greta, warum Entschuldigungen nur gelten, "wenn man das, was man gemacht hat, ehrlich und von Herzen bereut"

Das Mädchen Greta hat ganz schön viel zu tun. Besser: zu schreiben. Ihre Eltern haben nämlich erklärt, dass Entschuldigungen nur gelten, "wenn man das, was man gemacht hat, ehrlich und von Herzen bereut". Angefangen hat alles ganz harmlos. Gemeinsam mit Lukas hat Greta eine Schnur über die Treppe gespannt. Ihre Lehrerin sollte später als sonst in die Klasse kommen. Mehr nicht. Dass dann der Hausmeister ausrutscht und sich die Hand bricht, dass ihre Lehrerin ins Krankenhaus muss, dass ...

"Gretas Entschuldigungen" heißt das Lesebuch von Anu Stohner für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr. Brief folgt auf Brief ("Greta entschuldigt sich bei ihrer Klassenlehrerin, die am Freitagmorgen leider die falschen Schuhe anhatte") - langsam fügt sich dadurch die Geschichte der Schülerin zusammen. Verheddert sie sich doch auch noch zusätzlich in einem ihrer ersten Schreiben.

"Wenn Sie den neuen Brief an Ihre Klasse nicht brauchen, weil Sie den alten noch nicht vorgelesen haben, werfen Sie ihn einfach auch weg. Dann brauchen Sie ihn ja nicht", schreibt Greta als PS. Eines von vielen im Übrigen. Die kurzen Texte in Briefform sind für Erstleser bestens geeignet. Nach der Lektüre werden vielleicht auch zu Hause Briefe geschrieben - oder gezeichnet. Es müssen ja nicht gleich Entschuldigungsschreiben sein. (Peter Mayr, DER STANDARD, Album, 17./18.8.2013)

Anu Stohner
Gretas Entschuldigungen
dtv-Verlag 2013
104 Seiten, € 10,30

Share if you care
8 Postings

Sich selbst kann man nicht entschuldigen, man kann nur um Entschuldigung bitten.

jahrgang 2007: mama, was ist ein brief?

naja... sehe ich nicht so tragisch. denken sie mal ein paar tausend jahre zurück, als schriftrollen steintafeln abgelöst haben: "mama, was ist eine steintafel". :D

Das deckt sich grundsätzlich mit der katholischen Lehre.

Allerdings muss man sagen, dass Reue keine Bedingung für objektive Sündenvergebung ist. Von Gott her sind alle Sünden vergeben; aber das nützt mir nur etwas, wenn ich es mir sagen lasse und wirklich daran glaube.

Kommt also nicht auf den Index, das Buch. Wir sind beruhigt.

"Das deckt sich grundsätzlich mit der katholischen Lehre."

daran habe ich auch gleich denken müssen. Die oberste Pflicht im Christentum ist nicht buchstabengemäßer Gehorsam, sondern sittliche Gesinnung. Was wir unter Gewissen verstehen, kommt aus dem Christentum, man kann es aber auch schon bei Platon beobachten (Apologie, daimonion, usw) So gesehen ist diese 10 Gebote Parodie ("mir wäre es lieber wenn") idiotisch, weil sie keine Parodie ist, sondern das, was das Christentum ja schon sagt.

schöner kann man Rechtfertigungstheologie nicht beschreiben

danke ;-)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.