Chinesischer Nackthund als Tanzbär im Dirndl

16. August 2013, 17:51
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Das grelle Plakat der Art Salzburg führt in die Irre: Die Messe überzeugt auch mit hoher Qualität

Die bis Sonntag laufende Art Salzburg in der Residenz beim Domplatz bleibt eine Shoppingmall für die gut betuchte Festspielklientel. Angeboten wird daher auch Pop-Art-Kitsch mit Diamantstaub - und neuer Schmuck, darunter bei Henri J. Sillam ein Krokodillederarmband, dessen Schnalle mit 229 Diamanten besetzt ist. Und natürlich gibt es etliche Gemischtwarenhändler, die von der gotischen Madonna über Barockmöbel, Hinterglasbilder und Jugendstilnippes bis zu Gemälden von Hans Staudacher so gut wie alles miteinander kombinieren.

Etwas sonderbar wirkt zudem das diesjährige Plakat: Der Werbefotograf und "Retuscheexperte" Robert Staudinger porträtierte den chinesischen Nackthund Gandalf als Tanzbären, also durchaus artgerecht, im supergrellen, maßgeschneiderten Dirndl. Dieses besteht, von Designerin Susanne Klobassa "in mühevollster Kleinarbeit" entworfen, aus "Materialien vom Feinsten", darunter Wildseide und zarte Spitze.

Doch der Eindruck täuscht: Die Art Salzburg vermag mit hoher Qualität und etlichen Überraschungen aufzuwarten. Wienerroither & Kohlbacher zum Beispiel präsentieren die Entwürfe von Oskar Kokoschka für das Kirchentor von Parsch, die 1955 entstanden sein dürften - zwei Jahre, nachdem der in der NS-Zeit verfemte Künstler zusammen mit dem NS-Kollaborateur und Kunsthändler Friedrich Welz die Salzburger Sommerakademie gegründet hatte. Die eine der beiden großformatigen Tuschezeichnungen auf Transparentpapier (um 110.000 Euro) zeigt Kokoschka und dessen Frau Olda als Adam und Eva samt Schlange. Ins Auge sticht bei W&K aber auch eine Badende von Leo Putz (Steiniger Boden III).

Der aus Meran gebürtige Maler steht mit dem raffiniert komponierten Gemälde Picknick im Mittelpunkt der Galerie Schüller aus München (695.000 Euro). Das Bild, das eine Römerquelle-Dreiecksgeschichte erzählt, entstand 1903 im Garten der Münchner Akademie und befand sich die letzten 90 Jahre in Argentinien. Es ist noch besser geglückt als die zweite Version von 1904, die von der Pinakothek erworben wurde.

Auf Klassische Moderne stößt man auf der Art Salzburg natürlich mehrfach. Salis & Vertes zum Beispiel trumpft mit einer Straßenansicht von Wassily Kandinsky (aus 1903) um 1,25 Millionen Euro und dem Porträt Arlequin au bicorne (1917) von Pablo Picasso um 1,85 Millionen auf.

Interessante Preisunterschiede sind bei Carl Moll festzustellen: Freller aus Linz verlangt für das zugegebenermaßen bestechende Speisezimmer (1914) respektable 485.000 Euro; Giese und Schweiger bieten Molls Blick von der hohen Warte auf Heiligenstadt um 280.000 Euro an. Und Josef Schütz begnügt sich mit 155.000 Euro für die gleich große Ansicht von Algier (1930). Die Höhepunkte sind jedoch ein an Paul Cézanne erinnerndes Stillleben mit Äpfeln von Anton Faistauer um 240.000 Euro (bei Giese & Schweiger) bzw. eine Mittagessen-Fassung (um 1920) von Albin Egger-Lienz um 790.000 Euro (bei Schütz).

Unter den auf Gegenwartskunst spezialisierten Galerien vermag am meisten Thoman aus Innsbruck mit einem klar konzipierten Stand zu überzeugen: Die Skulpturen von Bruno Gironcoli und Erwin Wurm harmonieren mit einem Schüttbild von Hermann Nitsch (um 49.500 Euro), einem Diptychon von Arnulf Rainer (um 88.000 Euro) und einem neuen Bild von Herbert Brandl (um 66.000 Euro). Cajetan Gril ergänzt amüsante Rauchköpfe von Daniel Spoerri mit preiswerten Ölbildern von Axel Aman (3000 bis 10.000 Euro). In den Prunkräumen der Residenz ist natürlich auch Mario Mauroner vertreten, der im Keller eine Galerie betreibt. Er sorgt mit Paolo Grassinos Hirschen, darunter einem sechs Meter langen PVC-Bild, für einen Eyecatcher.

Noch heute, Samstag, und morgen von 11-18 Uhr. (Thomas Trenkler, Album, DER STANDARD, 17./18.8.2013)

  • Der klar konzipierte Stand von Thoman: Hermann Nitsch, Bruno Gironcoli, Herbert Brandl, Arnulf Rainer, Jürgen Klauke und Erwin Wurm.
    foto: thomas trenkler

    Der klar konzipierte Stand von Thoman: Hermann Nitsch, Bruno Gironcoli, Herbert Brandl, Arnulf Rainer, Jürgen Klauke und Erwin Wurm.

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