Junge sind digitale Gourmets

Christian Scholz
18. August 2013, 17:32

Dauernd multivernetzt, immer on und gefräßig – soweit der Mythos zur Internetgeneration. Sich mit Netzinhalten zumüllen zu lassen ist aber längst out

Unternehmen lieben die Vertreter der neue Internetgeneration ("Digital Natives"). Als Mitarbeiter sind sie ideal. Sie sind über eMail, SMS, Telefon oder WhatsApp und Skype immer online. Ob am Abend nach der ZIB 2 oder am Wochenende beim Shoppen: Mitarbeiter vom Typ "Digital Native" erreicht man immer. Zudem hat man volle Kontrolle über ihn: Smartphone-GPS, Facebook und generell Social Media machen Digital Natives zu gläsernen Mitarbeitern. Auch als Kunden sind sie ideal. Aufgrund ihrer medialen Freizügigkeit kennt man alle Konsumgewohnheiten und kann sie mit individualisierter Werbung (und nicht nur damit) erreichen. Das Beste: Digital Natives sind mit dem Internet aufgewachsen, weshalb sie diese Durchdringung der Privatsphäre als natürlich und akzeptabel empfinden.

Soweit der Mythos. Doch was ist Realität? Will man wirklich rund um die Uhr immer mehr Inhalte aus dem Internet konsumieren und selber immer mehr Inhalte bereitstellen? Und wollen wirklich alle immer rund um die Uhr mit allen verbunden sein? Und bedeutet "mit Medien vertraut sein" wirklich, Medien permanent zu nutzen?

Hier sind zunehmend Zweifel angebracht: Digital Natives beginnen mit Internet-Inhalten wählerisch zu sein. Sich mit Netzinhalten "zumüllen" zu lassen, ist out. Angesagt ist vielmehr hoch selektives Verhalten, bei dem man auf wenige Quellen mit hoher Qualität setzt. Datenmüll verdirbt nur Spaß und kostet Zeit sowie Lebensqualität. Also: im Extremfall statt permanentem Surfen lieber ein eBook lesen.

Digital Natives sind auch nicht permanent online – vor allem nicht für Arbeitgeber und werbende Unternehmen. Gerade ihre skeptische Einstellung zur neuen Arbeitswelt führt sie dazu, nach Dienstschluss und am Wochenende ausschließlich auf Privatleben zu setzen. Daher bleibt das Notebook auch mal einen ganzen Tag aus und über Filterfunktion die Erreichbarkeit über Smartphone nur auf einen ganz kleinen Kreis begrenzt.

Digital Natives haben auch keine Lust, simultan auf vielen Kanälen aktiv zu sein. Gleichzeitig Fernsehschauen, Internetsurfen, Facebook aktualisieren und WhatsApp-Nachrichten verschicken? Wer kann und will das alles  lesen und aufnehmen? Auch hier beginnt eine Selektivität, die nicht dem Traumbild der Industrie der rund um die Uhr über viele Kanäle vernetzten "Internetgeneration" entspricht.

Auch wenn sich diese Trends erst langsam entwickeln, sind sie bereits ganz klar spürbar und laufen nicht länger auf den unkritisch sich mit Informationen vollfressenden Fastfood Nutzer hinaus. Es passt mehr das Bild der "Digitalen Gourmets": Diese kennen sich zwar perfekt mit den Neuen Medien aus, nutzen dieses Wissen aber dazu, sich konzentriert mit wenigen Medien zu beschäftigen und ganz klar dem Massenkonsum abzuschwören.

Digitale Gourmets sind als Mitarbeiter und Kunden nicht länger nur dumme, passive und steuerbare Objekte: Sind sie etwas fundamental anderes, vor allem aber eine wirklich positive Zukunftsvision. (Der Standard, 17.8.2013)

Christian Scholz  ist Professor für BWL an der Uni des Saarlands.

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24 Postings

Ich wäre auch gerne öfter online - bin aber leider bei UPC

hauptsache lustig

bin mittlerweile auch 35 hab einen 15j sohn und schon einige male miterlebt wie sogenannte jugendforscher , medienanalysten und sozialwissenschaftler versucht haben die next generation zu analysieren. diese kläglichen versuche waren alle zum scheitern verurteilt. immer war die jugend einen schritt voraus das war bei mir so und ist auch bei meinem sohn nun so. solch studien werden von den studierten meist mit einem süffisantem lächeln abgetan. mein sohn und sein gesammtes umfeld nutzt facebook weit weniger als die leute meiner generation. ebenso ist er zwar vertraut mit allen kanälen jedoch wenn er nicht will kaum zu erreichen. ich erinner mich daran als sony den ersten walkman rausbrachte inkl allg. panik vor dem ende der kommunikation

...

was wurde da nicht alles an horrorszenarien an die wand gemalt. ein jeder wir in zukunft nur mehr mit kopfhörern rumrennen alle werden taub werden und keiner mehr miteinander reden. aus heutiger sicht genauso lächerlich wie die versuche jetzt die jugend in eine schiene zu drücken

Bloß nicht zuviel fernsehen

Das verdirbt nämlich die Augen.

Und wieder ein krampfhafter Versuch uns irgenwo ein zu grenzen weil Sie nicht wissen wie wir wirklich leben weil unsere Generation sehr vielfältig geworden ist und nicht mehr so einfach zu definieren wie in den letzten Jahrzehnten.
Die Datenschnüffler können alles analysieren was wir machen, aber liegen meistes so sehr daneben wie die Werbung im Internet wo Sie meinen das würde uns interessieren.

Ein Artikel über Internetgourmets leider ohne Geschmack. Sorry, aber der Artikel hätte bereits vor 10 Jahren nichts neues erzählt.

Ist die Werbefläche für die Standard-SMS Funktion unter dem Beitrag nicht wunderbar ironisch?

Hmm

Ich bin auch in dieser Zeit aufgewachsen und bin daher anscheinend auch so ein "Digital Native". Diese genannten Trends jedoch kann ich in meinem Bekanntenkreis nicht vorfinden. Vor allem Studenten und Schüler wollen überall hinschreiben was sie machen und immer erreichbar sein. 5 Stunden ohne Internet ist für viele ein mittlerer Weltuntergang. Jüngere Menschen, die das wirklich meiden sind eindeutig in der Unterzahl.

Datenmüll verdirbt nur Spaß und kostet Zeit sowie Lebensqualität.

Stimmt, darum fordere ich auch eine Ignorefunktion für die Onlinestandard-Userforen.

Allein wenn ich seh, wie jemand Werbung noch über sich ergehen lässt. Es ist einer der größten Vorzüge des Mediums Internet, daß man diesen Unfug größtenteils ausblenden kann. Ahja, und danke Ö1 für deine Werbefreiheit.

Ohja!

Werbung ist einer der Hauptgründe, warum ich das Medium Radio so selten nutze. Natürlich spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass die meisten Sender ohnehin nur Einheitsbrei bieten - von einigen positiven Ausnahmen mal abgesehen.

In Bezug auf Radio kann ich nur beipflichten! Halbstündlich die selbe Werbung und dazu stündlich die selben Nachrichten: als würde man in einer Zeitschleife festhängen.Besonders bei der Arbeit nervt das, der Tag ist so schon lange genug ;-)

stimmt!

werbung erreicht mich schon seit jahren nur mehr durch zufall und bewirkt dann genau nichts.

dank' dem internet kann man ja auch jedem werbemythos in kurzer zeit auf den grund gehen!

und das glaubst du wirklich? ;-))

und so ein Artikel von einem BWL Professor...

Interessanter Artikel. Wirklich. Nur kenne ich keinen "Native" der jemals ein "Alleskonsumierender, Arbeitssklave ohne Privatleben" war. Es ist bitte kein "Trend" ein Privatleben zu schätzen.
Es ist eventuell eine Mutmaßung eines "nicht - Natives" aber sonst nicht viel.

Was jedoch stimmt ist, das viele Menschen die vernetzt sind, und digitale Gourmands waren jetzt zu digitalen Gourmets werden. Das sind jedoch meistens selbst "nicht - Natives". Aber da kann auch ich nur Mutmaßen.

Fazit:
Ein interessanter Artikel, der wiedereinmal die Abgrenzung und das Privatleben in den Mittelpunkt rücken, was ja auch gut so ist.
Im Punkt "Natives" jedoch so weit weg von der Wahrheit wie die Beschreibung der "Barbaren" von den Römern......

so bald einer meine Daten sammelt und sich daraus ein Profil erstellen will, hat er eine Anziege am Hals, wegen - eh scho wissen - Datenschutzgründen

verdienen mit Werbung
gewusst wie

he he

Gehöre ich als derstandard.at-Leser auch zu diesen Gourmets? ;-)

Gourmet?

Wenn dieser Begriff hier passt, dann eher Gourmand. Ansonsten ein sehr schwacher und undifferenzierter Artikel. Fast Food meets Fast Mind.

"Junge sind digitale Gourmets"

außer die spiele-junkys.
wenn die spiele gut sind, ist ja nicht viel dagegen zu sagen,
das ist dann sozusagen ohnehin trainings-zeit.

Nicht von mir

Aber ich rate mal: Weil Spielesucht grundsätzlich nichts Gutes verheißt, egal ob das Spiel besonders hochwertig oder besonders minderwertig ist.
(und eine solche Qualitätswertung wäre sicher wieder Geschmackssache)

Wieso "Spiele-Junkies"? "Gute" Spiele können schon per Definition kein "Junk" sein. Worum geht es also? Süchtler?
"Papers, Please" als Training für die Arbeitswelt?

Wenn man potenziell untergriffige Ausdrücke verwendet, sollte man wenigstens anmerken was gemeint ist.

Von mir haben Sie's nicht, aber: Ambiguität führt zu Missverständnissen. Missverständnisse führen zu Rot.

auch gute spiele können süchtig machen, daher die durchaus gewollte ambiguität,
ich hatte ja eingeschränkt "nicht viel" dagegen,
das muß aber umgekehrt schon auch bemerkt werden.
gute spieler beobachten sich ja auch selbst.
in einer intensiven spielerfahrung liegt ja auch ein großer reiz

Die Aussage ist zu dünn.

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