Königlicher Postler

15. August 2013, 18:52
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Integration im Kinderfernsehen: Im Pat-Land gibt's keine Ressentiments und paranoiden Ängste

Kampagnenjournalismus der übelsten Sorte betreibt derzeit gerade wieder die britische "Daily Mail". Das Blatt schürt angesichts hoher Arbeitslosenzahlen Ausländerhass: "Große Firmen heuern Migranten um den Preis von britischen Arbeitern", "Warum öffneten sie unsere Grenzen für 800.000 Osteuropäer?" lauten die Schlagzeilen. Gehetzt wird gegen alles, was von EU und links kommt, man fühlt sich an heimische journalistische Schandtaten erinnert nach dem Ende des Kommunismus, als die "Kronen Zeitung" "Ausländerhorden" über Österreich hereinbrechen sah.

Integration passiert anderswo. Im Kinderfernsehen zum Beispiel. 30 Jahre nach Erstausstrahlung trägt auf BBC noch immer "Postbote Pat" die Briefe nach Hause und ist Vorbild für gelebte Integration. Mit Nickelbrille und Postleruniform ist Pat Clifton ein verlässlicher Helfer in der Not, dem die Herausforderungen nie ausgehen. Im kleinen, roten Wägelchen mit der Aufschrift "Königliche Post" treffen Pat und seine Katze Jess tagtäglich auf allerhand freundliche Menschen, darunter befinden sich ständig Personen mit Migrationshintergrund, allerdings in verantwortungsvollen Positionen: Der Lokführer ist Inder, die Tierärztin Afroamerikanerin - im Pat-Land gibt's keine Ressentiments und paranoiden Ängste.

Und weil die Dinge nun einmal sind, wie sie sind, steigt der Postbote, wenn's notwendig ist, auch einmal auf das von ihm so sehr gefürchtete Pferd. Die beiden freunden sich an, und zum Schluss wiehert nicht nur das Tier, sondern auch Pat vor Freude. Neue Folgen von "Postman Pat" sind bis 2015 gesichert, gab die BBC bekannt. Genauso wird's gemacht: Ängste überwinden! Iaaaah!

p derStandard.at/TV-Tagebuch

(Doris Priesching, DER STANDARD, 16.8.2013)

  • Postman Pat vor dem Buckingham Palace
    foto: reuters/dylan martinez

    Postman Pat vor dem Buckingham Palace

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