Nach dem Krieg kommt das Wachstum

3. August 2003, 19:16
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Die US-Wirtschaft legt deutlich stärker als erwartet zu - Die hohen Militärausgaben ließen das BIP um 2,4 Prozent ansteigen

Washington - Dank eines kräftigen Anstiegs der Militärausgaben im Zuge des Irak-Kriegs hat die US-Wirtschaft ihr Wachstumstempo im zweiten Quartal überraschend stark beschleunigt. Der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,4 Prozent bestärkte die Erwartung einer spürbaren Belebung der weltgrößten Volkswirtschaft in der zweiten Jahreshälfte.

Konjunkurlokomotive

Auch in der Euro-Zone wachsen damit die Hoffnungen, dass sich die USA einmal mehr als Konjunkturlokomotive erweisen und die anderen großen Volkswirtschaften aus der Flaute ziehen könnte. Volkswirte gehen davon aus, dass sich die Wachstumsbeschleunigung in den USA binnen eines halben Jahres auch in Deutschland, der größten EU-Wirtschaftsnation, niederschlägt.

Die Börsen beiderseits des Atlantiks reagierten am Donnerstag mit kräftigen Kursgewinnen auf die BIP-Zahlen sowie andere überraschend positive US-Konjunkturdaten.

Analystenerwartungen übertroffen

Das US-BIP stieg nach vorläufigen Berechnungen des Handelsministeriums zum Vorquartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,4 Prozent nach 1,4 Prozent im ersten Quartal, wie das US-Handelsministerium mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Wachstum von lediglich 1,5 Prozent gerechnet.

Maßgeblicher Faktor für den stärkeren BIP-Anstieg war nach Ministeriumsangaben ein kräftiger Zuwachs bei den Militärausgaben im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg. Die Rüstungsausgaben legten demnach um 44,1 Prozent zu und damit so stark wie seit dem Korea-Krieg Anfang der fünfziger Jahre nicht mehr. Auch die bislang schwache Investitionstätigkeit der Unternehmen erholte sich im zweiten Quartal. So stiegen die Investitionsausgaben aufs Jahr hochgerechnet um 6,9 Prozent, nachdem sich hier im ersten Quartal noch ein Rückgang von 4,4 Prozent ergeben hatte.

Verlässlicher Privat-Konsum

Als verlässliche Konjunkturstütze erwies sich weiterhin der private Konsum, der rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmacht. Das Wachstum der Verbraucherausgaben beschleunigte sich im vergangenen Quartal auf 3,3 Prozent von zwei Prozent im Vorquartal. Hierbei fiel insbesondere der Kauf von Autos und anderen langlebigen Gütern ins Gewicht.

Analysten zufolge bestätigen die BIP-Daten den Konjunkturoptimismus in den USA, der die Kurse an der Wall Street seit Mitte März kräftig nach oben treibt. Erfreut zeigten sich die Experten insbesondere über die positive Entwicklung bei den Investitionen und den deutlichen Abbau von Lagerbeständen, der üblicherweise eine steigende Produktion und zusätzliche Arbeitsplätze erwarten lässt.

Weitere Belebung

Für das zweite Halbjahr wird in den USA weithin eine spürbare konjunkturelle Belebung erwartet. Diese Einschätzung wird unisono von zahlreichen Volkswirten, der US-Notenbank (Fed) und auch der US-Regierung vertreten. Nach den Worten des Chefs der Fed von Atlanta, Jack Guynn, wird die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten an Fahrt gewinnen. Mit einer raschen Beschleunigung sei aber nicht zu rechnen, erklärte Guynn.

Volkswirten zufolge dürften auch die Steuererleichterungen der US-Regierung zur erwarteten Konjunkturbelebung beitragen. Diese sollte nach einiger Zeit dann auch die Wirtschaft in der Euro-Zone auf Touren bringen. "Wie immer wird Deutschland mit etwa einem halben Jahr Zeitverzögerung auch davon profitieren", sagte Carsten Demski von der Bankgesellschaft Berlin.

Andere Analysten verwiesen auf die Diskrepanz zwischen der Stimmung unter den Konsumenten und deren tatsächlichem Ausgabeverhalten. So belastet die ausbleibende Erholung am Arbeitsmarkt zunehmend das Verbrauchervertrauen. Zahlreiche Experten befürchten, dass die erhoffte Konjunkturbelebung unter anderem wegen der Produktivitätsfortschritte der Unternehmen zunächst nicht zu einer merklichen Entspannung der Beschäftigungssituation führen wird. Dieses Phänomen wird in den USA mit dem Schlagwort "jobless recovery" bezeichnet. (APA/Reuters/dpa)

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