"Bombodrom" mit Klagen eingedeckt

1. August 2003, 09:06
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Gemeinden, Naturschutzverbände und Touristik-Unternehmen wollen militärische Nutzung verhindern

Potsdam - Drei Wochen nach der Entscheidung des deutschen Verteidigungsministeriums zur Weiternutzung des größten westeuropäischen Truppenübungsplatzes in der Wittstocker Heide sind zwölf Klagen gegen das Vorhaben beim Verwaltungsgericht Potsdam eingereicht worden. Da diese aufschiebende Wirkung haben, kann die Luftwaffe nicht wie geplant ab Mitte August in Nordbrandenburg den Bombenabwurf trainieren, wie eine Justizsprecherin am Mittwoch bestätigte. Anliegergemeinden, Hoteliers und Naturschutzverbände wollen die Pläne auf juristischem Wege verhindern.

Erneut haben mehrere brandenburgische und mecklenburgische Gemeinden im Umkreis des 142 Quadratkilometer großen so genannten "Bombodroms" Klage erhoben, wie deren Rechtsanwalt Remo Klinger mitteilte. Sie hatten bereits seit 1994 mehrmals die Inbetriebnahme des Übungsplatzes vor Gericht verhindert. Zudem gehen einige Tourismusunternehmer gegen die geplanten Flugübungen vor. Sie hatten sich in den neunziger Jahren - teilweise mit öffentlicher Förderung - in besonders ruhigen Erholungsgebieten der Region angesiedelt und sehen bei einer Aufnahme des Flugbetriebes ihre Existenz bedroht.

Auch mehrere Naturschutzverbände haben Klage eingereicht. Ihrer Ansicht nach ist bei Militärübungen der Status großer Teile der Region als Naturschutzgebiet nach europäischem Recht gefährdet.

Struck ging über die Anwohnerproteste hinweg

Deutschlands Verteidigungsminister Peter Struck hatte trotz jahrelangem Protest der Anwohner Anfang Juli entschieden, den in den 50er Jahren von der sowjetischen Armee eingerichteten Truppenübungsplatz weiter militärisch zu nutzen. Die russische Armee hatte auf dem Gelände vier Jahrzehnte lang den Abwurf scharfer Bomben geübt. Seit ihrem Abzug 1992 kämpfen die Anwohner um eine friedliche Nutzung des Areals.

Die Luftwaffe will laut Verteidigungsministerium 1.700 Einsätze pro Jahr fliegen und nicht explosive Übungsmunition verwenden. Nach Ansicht der Kläger bedeutet dies jedoch mehr als 10.000 Flüge jährlich - teilweise nachts und unter 300 Meter Höhe. Auch NATO-Partner sollen das Gelände nutzen können. (APA/AP)

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    Gesperrter Zufahrtsweg zum "Bombodrom"

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