Nordkorea wählt am 3. August

1. August 2003, 16:28
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Alle Kandidaten für Oberste Volksversammlung werden ohne Gegenkandidaten von Arbeiterpartei nominiert - Mit Infografik

Pjöngjang/Wien - Am kommenden Sonntag findet in Nordkorea eine Parlamentswahl statt. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Die gegenwärtige Oberste Volksversammlung war im Juli 1998 gewählt worden. Sie setzt sich aus 687 Abgeordneten zusammen. Damals war der De-facto-Führer Kim Jong Il wiedergewählt worden. Die Wahlbeteiligung betrug nach offiziellen Angaben 100 Prozent, die Zustimmung zur Einheitsliste der kommunistischen Arbeiterpartei ebenfalls. Die Wähler hätten "großen revolutionären Enthusiasmus" gezeigt, berichtete KCNA vor fünf Jahren.

Seit dem Tod des Staatsgründers Kim Il Sung 1994 leitet sein Sohn Kim Jong Il (61) die Partei und ist Oberkommandierender der Streitkräfte. Das Amt des Staatspräsidenten übernahm Kim Jong Il aber nicht. Das blieb "auf ewig" seinem Vater vorbehalten. Kim Il Sung, der als Partisanenführer gegen die japanischen Besatzer gekämpft hatte, gründete die KP und 1948 die Demokratische Volksrepublik in der nördlichen Hälfte der koreanischen Halbinsel. Nach dessen Tod wurde eine dreijährige offizielle Trauerzeit angeordnet. Deswegen fiel auch 1995 die Parlamentswahl aus. Normalerweise wird in Nordkorea alle fünf Jahre gewählt.

Keine Gegenkandidaten

Alle Kandidaten für die Oberste Volksversammlung werden ohne Gegenkandidaten von der Arbeiterpartei nominiert. Der "vollständige Sieg des Sozialismus" ist ein ausdrückliches Ziel der nordkoreanischen Verfassung von 1972. Das Parlament, das in der Regel nur einmal im Jahr zusammentritt, wählt das "Zentrale Volkskomitee", das oberste Leitungsorgan der Staatsmacht, und die Regierung.

Nordkorea ist industriell wenig entwickelt und auf internationale Hilfe angewiesen. Die USA stoppten jedoch ihre Öl- und Hilfslieferungen nach dem Bekanntwerden des nordkoreanischen Nuklearprogramms. US-Präsident George W. Bush hatte das Land gemeinsam mit dem Irak und dem Iran als "Achse des Bösen" bezeichnet. Im Oktober hatte Pjöngjang nach Angaben der USA eingestanden, sein Nuklearprogramm heimlich weiter betrieben zu haben, was einem bilateralen Abkommen von 1994 widerspricht. Im Jänner kündigte Nordkorea den Atomwaffensperrvertrag auf und beendete ein Raketentest-Moratorium. Südkorea setzt sich für eine Beilegung der Krise ein.

Gedenken des Endes des Korea-Krieges

Erst unlängst wurde in Panmunjom des Endes des Korea-Krieges vor fünfzig Jahren gedacht. Zwischen 1950-1953 starben nach Angaben des südkoreanischen Staatschefs Roh Moo Hyun vier Millionen Menschen. Zehn Millionen Familien wurden getrennt. Am 27. Juli 1953 war das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet worden. Damit wurde eine entmilitarisierte Zone am 38. Breitengrad geschaffen. Nordkorea hatte gegen die Feierlichkeiten in Panmunjom protestiert und bezeichnete sie als einen "gefährlichen Schritt", der zu einem neuen Krieg führen könnte. Die Demarkationslinie gehört bis heute zu den am stärksten gesicherten Grenzen der Welt. Sie wird von 70.000 südkoreanischen, 37.500 US-amerikanischen Soldaten und auf der anderen Seite von 1,1 Millionen nordkoreanischen Streitkräften geschützt.

Der Konflikt begann 1945 mit der Kapitulation Japans, das Korea seit 1910 besetzt hielt. Auf der Konferenz in Jalta vereinbarten US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der sowjetische Diktator Josef W. Stalin eine Teilung der Halbinsel. Im Süden marschierten US-Truppen, im Norden sowjetische Soldaten ein. Der 38. Breitengrad wurde als Demarkationslinie festgelegt. Eine von den Alliierten geplante Treuhand-Verwaltung löste heftige Proteste in ganz Korea aus. 1948 entstand die Koreanische Demokratische Volksrepublik (KDVR) unter Kim Il Sung im Norden. Im Süden gründete Syngman Rhee die Republik Korea. Am 25. Juni 1950 schließlich überschritten nordkoreanische Truppen den 38. Breitengrad. Der Krieg begann.

Seit wenigen Jahren versuchen Nord- und Südkorea eine vorsichtige Annäherung. Im Juni 2000 besuchte der damalige südkoreanische Präsident Kim Dae Jung den Norden, was ihm den Friedensnobelpreis einbrachte; Kim Jong Ils Gegenvisite steht noch aus. (APA)

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